
Von der Gesichtserkennung am Flughafen über smarte Lautsprecher, die sich mit unserer Stimme aktivieren lassen, bis hin zum Fingerabdruck, der unser Handy entsperrt – der menschliche Körper ist inzwischen zur Datenquelle geworden. Die ITA-Studie analysiert die Folgen dieser Entwicklung und stellt dabei die Bereiche Datenschutz und gesellschaftliche Auswirkungen in den Vordergrund.
Gesichtserkennung ist in aller Munde. Zuletzt wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass es bereits ein profitables Geschäftskonzept ist, hunderte Millionen von im Internet zugänglichen Gesichtsbildern zu sammeln und auszuwerten. Die damit trainierte Software kann dann unter anderem an Strafverfolgungsbehörden zur Gesichtserkennung verkauft werden. Sie stellt damit ein Überwachungsinstrument dar, um Personen anhand ihrer körperlichen Merkmale zu identifizieren.
Während diese Anwendung vor allem von den Sicherheitsbehörden gefordert wird, sind Konsument*innen auch in vielen anderen Bereichen mit der Vermessung und Analyse körperlicher Merkmale konfrontiert. Der Fingerabdruck zum Entsperren des Laptops, die Stimmanalyse bei Smarten Lautsprechern, die Gesichtserkennung beim Grenzübertritt im Urlaub, der Iris-Scan bei modernen Türschlössern – sie alle verarbeiten biometrische Merkmale.
Was bedeutet das für die Privatsphäre? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen sind zu erwarten? Diese Studie gibt einen kurzen Überblick über gängige Methoden und analysiert Potenziale und Grenzen biometrischer Verfahren. In einer zusammenfassenden Analyse werden die Auswirkungen auf Konsument*innen und Gesellschaft aufgezeigt und Empfehlungen an politische Entscheidungsträger im österreichischen und europäischen Kontext entwickelt.
Biometrische Verfahren und Anwendungen nehmen einen immer größeren Platz im Alltag von Konsument/innen ein. Ob es das Entsperren des Smartphones mittels Fingerabdrucks oder Gesichtserkennung ist, die Zulassung zur Einreise an bestimmten Grenzen oder auch die Überwachung des öffentlichen Raums mittels Gesichtserkennung und Smart CCTV, Biometrie ist fast allgegenwärtig. Es sind aber nicht nur Fingerabdruck und Gesicht, die mittlerweile als Erkennungsmerkmal dienen – die Art zu gehen und sogar Eigenheiten des Pulsverlaufs werden schon dazu herangezogen. Gleichzeitig wird Biometrie nicht nur als besonders sicher, sondern auch als besonders bequem beschrieben. „Bequeme Schlüsseltechnologie“ klingt vielversprechend. Wenn wir nie wieder Schlüssel verlieren können, heißt das aber auch, dass wir alle notwendigen Schlüssel immer bei uns haben müssen – zu Ende gedacht sind wir der Schlüssel. Dieser wiederum ist weitgehend unveränderbar und wird ob seiner „Sicherheit“ zum Sicherheitsrisiko. In diesem Beitrag wird die Ambivalenz neuer Technologien am Beispiel der Biometrie diskutiert. Was einerseits einen Bequemlichkeitsgewinn verspricht, birgt andererseits hohe Risiken. Nach einer kurzen Darstellung der Grundmechanismen der Biometrie werden die für Konsument/innen derzeit und in naher Zukunft relevantesten Anwendungsszenarien beschrieben, um nach einer rechtlichen Einordnung biometrischer Daten die gesellschaftlichen Auswirkungen eines weit verbreiteten Einsatzes biometrischer Methoden zu diskutieren.
Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit den Auswirkungen des breiten Einsatzes biometrischer Verfahren auf Konsument*innen und die Gesellschaft insgesamt. Sie gibt einen Überblick über gängige Methoden unddiskutiert allgemein Chancen und Risiken von Biometrie und dem Umgangmit biometrischen Daten.
-> Biometrie verbreitet sich immer stärker im Alltag von Konsument*innen und soll zu mehr Sicherheit führen. -> Biometrische Verfahren digitalisieren Körpermerkmale und können auch unbemerkt zum Einsatz kommen. -> Die Verarbeitung biometrischer Daten ist in vielen Fällen intransparent und schwer kontrollierbar. -> Biometrie birgt daher auch Risiken für Privatsphäre, Sicherheit und Grundrechte. -> Regulierungsmaßnahmen können dazu beitragen, einige Risiken zu reduzieren.
Peissl, W. (Speaker), Strauß, S. (Speaker) & Schaber, F. (Speaker)
04/2020 - 11/2020
Studie des ITA in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien: Der Körper als Schlüssel? Biometrische Methoden für Konsument*innen
Zusammenfassung der Ergebnisse: Biometrie – Der Körper als Universalausweis?