Die Digitalisierung verändert unser Leben von Grund auf: vom Bildungssystem über die Produktion von Gütern bis hin zu der Art, wie wir unsere Kommunikation, unser Familienleben oder unsere Freizeit gestalten. Auf den Arbeitsmarkt hat sie massive Auswirkungen. Und wie geht die Gellschaft mit der digitalen Vernetzung als neuem Normalzustand um? Welche Bedürfnisse werden erfüllt, welche nicht?

Digitalisierung, also die Nutzung digitaler Systeme, die mit Hilfe von Daten unterschiedlichste Prozesse steuern können, ermöglicht uns, schneller und mobiler zu sein. Sie bringt vielleicht sogar mehr Freizeit, da sie uns Tätigkeiten abnimmt. Sie konfrontiert uns aber auch mit einer Reihe von Fragen. Ist in einer Welt, in der jeder unserer Schritte Daten erzeugt, ein wirkliches Privatleben überhaupt noch möglich? Welche Tätigkeiten wird es in 20 Jahren für Menschen geben und welche werden durch Maschinen ausgeführt werden? Was können Regierungen tun, damit alle von diesen großen Veränderungen profitieren, und wie können wir sicherstellen, dass die großen Mengen an Daten, die wir erzeugen, nicht missbraucht werden?

Ohne digital nicht mehr normal

„Digitalisierung“ bedeutet die Umwandlung analoger Information in digitale Formate. Dadurch wird die Vernetzung von Systemen möglich, die miteinander kommunizieren. Beim sogenannten „Internet of Things“ verarbeiten Geräte Daten weiter, die mittels eingebauter Sensoren erzeugt wurden. Dabei fallen allerdings auch Informationen über die Nutzer:innen an. Beispiele dafür sind vernetzte Personenwaagen, die uns beim Abnehmen unterstützen sollen, indem sie gleichzeitig Ernährungs- bzw. Fitnessprogramme erstellen, oder das Konzept des smarten Kühlschranks, der uns einerseits sagt, wann die Milch zur Neige geht, andererseits unseren Lebensmittelverbrauch dokumentiert.

Die Daten, die wir erzeugen, sind ein begehrtes Gut: Unsere Interessen und Hobbies, unsere politische Gesinnung und Familiensituation sind je nach unserem Verhalten aus unterschiedlichsten Quellen im Internet ablesbar. Smartphones kennen etwa unsere täglichen Bewegungsabläufe. Die großen Datenmengen machen unter anderem Big-Data-Auswertungen, maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz möglich. Welche Auswirkungen haben diese Technologien auf die Privatsphäre? Was bedeutet Big Data für Anonymität? Diese Fragen zu stellen, ist unter anderem Aufgabe der Technikfolgenabschätzung, denn: Das Recht auf Privatsphäre ist ein Grundrecht.

Wirtschaftlicher Aufstieg durch eine von Maschinen gesteuerte Welt?

Automatisierte Arbeitsabläufe, so wie sie im Konzept Industrie 4.0 vorgesehen sind, bieten Chancen für die heimische Industrie. Wenn Geräte mittels Sensoren miteinander kommunizieren, etwa in der Fabrikshalle, steigert das die Effizienz. „Alte“ Beschäftigungsmöglichkeiten, vielleicht sogar ganze Berufe, könnten dadurch aber schneller wegfallen, als neue Berufsbilder und Jobs geschaffen werden. Die technische Entwicklung erfordert jedenfalls einen anderen Zugang zu Arbeitsprozessen. Maschinen zu steuern, zu warten und zu programmieren wird unerlässlich werden. Es braucht daher neue Bildungswege und Formen der Ausbildung, um diesen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt gewachsen zu sein.

Digitalisierung beeinflusst auch gewohnte Arbeitsstrukturen. Ein Beispiel dafür ist das große Angebot an „Click-Work“, etwa bei Schreibarbeiten oder Computerprogrammierung. Crowd-Sourcing, also die globale Auslagerung von Arbeit,  kann für höher gebildete Arbeitskräfte aus ärmeren Regionen Aufstiegschancen bedeuten. Es steigt aber auch die Gefahr der Ausbeutung und des Lohn-Dumpings. Das ITA setzt sich u.a. mit folgenden Fragen auseinander: Inwieweit werden neue Arbeitsformen arbeitsrechtlichen Anforderungen gerecht? Gefährdet die Vermischung von Privatem und Arbeit unsere Autonomie?

Sicherheit bedeutet mehr als Technik

Gesellschaften sind heute von Technologien und vernetzten Systemen abhängig. Was passiert aber, wenn wir mit einem großflächigen Netzausfall konfrontiert sind? Kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kraftwerke oder Mobilfunknetze könnten von einem Moment auf den anderen nicht mehr funktionieren. Das ITA erforscht die Folgen dieser Abhängigkeit und leitet daraus Empfehlungen für österreichische Entscheidungsträger:innen im Fall eines großflächigen Netzausfalls ab.

Was bleibt, was kommt

Die Digitalisierung bedeutet für Österreich, Europa und die Welt große Umwälzungen. Um mit dieser Realität gut umzugehen braucht es neue Regeln, entsprechende Institutionen, aber auch neue Qualifikationen und somit Investitionen in Bildung und Ausbildung. Die Menschen sollten die Möglichkeit haben, ihre digitale Umwelt mit zu definieren, und ihr nicht widerspruchlos ausgeliefert sein. Die Technikfolgenabschätzung forscht zu Fragen der Nutzung neuer Technologien und den durch sie hervorgebrachten gesellschaftlichen Phänomenen. Ziel wäre ein Fortschritt, der gesellschaftlichen Nutzen und persönliche Freiheit gleichermaßen fördert.

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