Wir fahren ein mit grünem Strom betriebenes Auto, leben in einem Plusenergiehaus und heizen mittels Wärmepumpe. In allen Bereichen, in denen Energie genutzt wird, finden gerade enorme Umwälzungen statt. Um den Klimawandel einzubremsen, soll die Abhängigkeit von Kohle, Gas und Öl demnächst der Vergangenheit angehören. Politik und Wirtschaft versprechen sich davon auch ökonomische Impulse.

Österreich hat sich ehrgeizige Klimaziele gesteckt: Die Emission von Treibhausgasen soll sich bis zum Jahr 2030 um 36 Prozent verringern, bis 2050 sollen erneuerbare Energien fossile Brennstoffe fast vollständig ersetzen. Dies entspricht den Klimazielen des Europäischen Rats. Der Faktor Geld kommt dabei ebenfalls ins Spiel: Sollte Österreich seine Klimaziele verpassen, müssen von der EU Emissionsrechte in Milliardenhöhe angekauft werden.

In der Praxis bedeutet das, dass neue Produkte auf den Markt kommen und neue Photovoltaik-, Wind- und Wasserkraftwerke gebaut werden. Damit so eine weitreichende Wende gelingen kann, müssen sich alle beteiligen. Nicht nur Großverbraucher sind aufgerufen, ihr Energieverhalten zu ändern. Auch den Bürger:innen kommt dabei als Konsument:innen, Wähler:innen und Energieproduzent:innen eine aktive Rolle zu. Sie sollen mit neuen Technologien umgehen lernen und selbst Energie herstellen.

Die Wirtschaft erhofft sich Tausende neue Arbeitsplätze, etwa durch den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze, im Bereich der Zulieferindustrie (E-Fahrzeuge) oder in der Bauindustrie (Plusenergiegebäude, solare Kühlung etc.). Neben wirtschaftlichem Wachstum können effiziente Technologien und neue Verfahren zusätzlich den hohen Energieverbrauch in der Industrie senken.

Was passiert konkret?

Die Art, wie wir Energie erzeugen und verbrauchen, wird flexibler werden. Smart Grids gelten als die zentrale Infrastruktur für ein zukünftiges Energiesystem. Neben den großen Produzenten gibt es dann auch viele kleine dezentrale Erzeuger, die ihren Strom in das Netz einspeisen. Wie viel Strom vorhanden ist, hängt bei Wind-, Wasser- und Sonnenenergie buchstäblich vom Wetter ab. Das heißt, dass auch Wetterdaten eine größere Rolle spielen werden, um das Angebot an Energie abzuschätzen. Energie wird von den Verbraucher:innen direkt genutzt oder gespeichert, wenn sie im Übermaß vorhanden ist. E-Autos müssen z.B. nicht unbedingt jederzeit aufgeladen werden, sie könnten etwa über Nacht am Netz hängen und dann aufgeladen werden, wenn ein ausreichendes Angebot an grünem Strom vorhanden ist.

Das ITA hat sich im Projekt MATCH angesehen, welche Smart-Grid-Technologien in Österreich, Norwegen und Dänemark bereits im Einsatz sind und wie sie sich bewährt haben: Wesentlich ist dabei der Austausch mit den Verbraucher:innen. Lösungen, die an einem Ort gut funktionieren, lassen sich nicht unbedingt auf das gesamte Energiesystem übertragen. Daher ist es wichtig, die verschiedenen Auswirkungen lokal erfolgreicher Lösungen auf die bestehenden nationalen Energiesysteme zu untersuchen.

Auch der Gebäudesektor trägt heute wesentlich zur Energieeffizienz bei. Österreich ist in Europa Vorreiter bei Passivhäusern. Das ITA hat etwa die niederösterreichische Stadtgemeinde Korneuburg bei der energieeffizienten Sanierung von zwei Wohngebäuden begleitet. Auch bei Bürogebäuden lässt sich enorm viel Energie sparen und gleichzeitig die Innenraumqualität am Arbeitsplatz erhöhen. Das ITA hat etwa die Zufriedenheit der Angestellten in der EnergyBase, dem ersten „grünen“ Bürogebäude Wiens untersucht.

Elektromobilität: Auch Autofahren wird anders. Österreich zählt derzeit noch zu den Diesel-Ländern. Dies kann sich aber schnell ändern, denn internationale Konzerne erkennen, dass die Zeit drängt. Immer mehr Marken setzen verstärkt auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Das erfordert eine neue Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle. Das ITA untersuchte den Umstieg auf E-Autos bei Fahrzeugflotten in Wien. Betriebliche Flotten gelten als attraktiver Einstiegsmarkt für alternative Antriebe.

Die Technikfolgen

Die Energiewende wirft eine Reihe von Fragen auf. Welche Vor- und Nachteile haben die angestrebten technischen Angebote? Erfüllen sie die Erwartungen? Wie erklärt man die neuen Technologien, ohne die Konsument:innen zu überfordern? Die Energiewende birgt auch neue Risiken: Werden die Daten, die über unser Energieverhalten gesammelt werden, ausreichend geschützt? Sind die neuen digitalen Infrastrukturen sicher und stabil genug? Das ITA befasst sich mit der Energiewende mit dem Ziel, die erwünschten und unerwünschten Folgen frühzeitig zu erkennen und zu einem erfolgreichen Entwicklungsprozess beizutragen.

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