
Viele Kommunikationskanäle, Dienstleistungen und Tools verwenden heute das Internet. Was passiert, wenn diese gar nicht, oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen? Steht Österreich dann still? Ist das eine Situation auf die man vorbereitet sein kann oder sollte? Und was bedeutet das für das staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement?
Es gibt heute in unserem privaten Alltag nur wenige täglich genutzte Kommunikationskanäle, die nicht das Internet zur Übertragung verwenden. Sehr viel Geschäftskommunikation wird ebenfalls über das Internet abgewickelt. Viele Anwendungen laufen nicht auf lokalen Servern, sondern in entfernten Rechenzentren, Daten werden in der „Cloud“ abgespeichert. Ob vernetzte Standorte, Webshops, Logistik- und Produktionsketten – der Zugriff auf Informationen erfolgt über das Internet.
Das Internet ist für unsere Gesellschaft zu einer kritischen Infrastruktur geworden. Durch die netzförmige Struktur scheint es relativ krisensicher; lang anhaltende, großflächige Ausfälle gab es bisher kaum. Das vermittelt den Eindruck einer gewissen Verlässlichkeit, der dazu geführt hat, dass umso mehr Vernetzung über das Internet erfolgte. Redundanzen oder eigene Leitungen wurden oftmals zu Gunsten gestiegener Effizienz aufgegeben. Dadurch entstand eine Abhängigkeit von diesem Netz. Die Folgen einer lang anhaltenden, großflächigen Einschränkung oder sogar eines Totalausfalls, sind derzeit schwer abzuschätzen und werden im neuen Sicherheitsforschungsprojekt „ISIDOR – Folgen einer langandauernden und großflächigen Einschränkung der Internet-basierten Dienste und Infrastrukturen“, vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gemeinsam mit den anderen Projektpartnern untersucht.
Im Gegensatz zu Untersuchungen aus dem Blickwinkel der Cybersecurity, die oft auf den Zeitraum vor dem Eintritt eines Schadensereignisses fokussieren, betrachtet ISIDOR den Zeitraum ab Eintritt des Ereignisses, und beschäftigt sich mit dem Thema daher im Rahmen der Cyber-Resilienz. Es soll erforscht werden, mit welchen Abhängigkeiten und Kaskadeneffekten man es im Ereignisfall zu tun hätte: Was passiert, wenn alle Notfallpläne in Kraft gesetzt werden? Kommt es zu Versorgungsengpässen, und wenn ja, ab wann? Gefragt wird auch, wie sich das staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement auf so eine Situation vorbereiten kann.
-> In nearly all industries, we depend on the Internet and a operational IT infrastructure for essential work processes.
-> Operators of critical infrastructures must be prepared to deliver their services even when the Internet is unavailable. This includes communication within the organisation and with the state crisis and disaster management authorities.
-> If damage occurs to critical infrastructure, it is called a networked crisis. Among other things, it is characterised by a high level of dynamism, which makes it hard to make reliable predictions about the future course of the crisis. In this case, communication skills and crisis management are clearly more important than strict checklists...
-> In so gut wie allen Branchen sind wir bei wesentlichen
Arbeitsvorgängen auf das Internet, und auf eine funktionierende
IT-Infrastruktur, angewiesen.
-> Die Betreiber Kritischer
Infrastrukturen müssen darauf vorbereitet sein, dass ihre Dienste auch
ohne Internet erbracht werden können. Das schließt Kommunikation
innerhalb der Organisation sowie mit dem Staatlichen Krisen- und
Katastrophenschutzmanagement ein.
-> Kommt es bei der Kritischen
Infrastruktur zu einem Schadensfall spricht man von einer vernetzte
Krise. Sie zeichnet sich u.a. durch eine hohe Dynamik aus, die es
erschwert, seriöse Aussagen über den weiteren Verlauf der Krise zu
treffen. Wichtiger als starre Checklisten sind in diesem Fall eindeutig
Kommunikationsfähigkeit und Krisenmanagement.
Das Forschungsprojekt ISIDOR beschäftigte sich mit der Frage, was passiert, wenndas Internet in Österreich großflächig und für einen längeren Zeitraum ausfällt. Dabeiwurden verschiedene Szenarien betrachtet, von Ausfällen bestimmter Internetdienste, bis hin zu einem Totalausfall. Dem „All Hazards”-Ansatz des Austrian Programme for Critical Infrastructure Protection (APCIP) folgend, standen nicht die Ursachen eines derartigen Ausfalls und deren Vermeidung im Fokus des Projekts, sondern das Augenmerk wurde auf den Bereich Cyber-Resilience gerichtet. Dabei galtes herauszufinden, wie sich die Lage nach einem Schadensfall entwickeln könnte,und wie die dadurch ausgelöste Krise bestmöglich gelöst werden könnte.
Krieger-Lamina, J. (Speaker)
Krieger-Lamina, J. (Speaker)
Konicar, G. (Speaker) & Krieger-Lamina, J. (Speaker)
Krieger-Lamina, J. (Speaker)