Politik und Poetik von Toponymen, Identität und Ort in mehrsprachigen Gebieten

Eine vergleichende Untersuchung von Kärnten (Österreich) und dem Teschener Gebiet (Tschechien)


Zielsetzung und Fragestellungen


Dieses Projekt untersucht die Rolle von Toponymen für das Verhältnis von Mensch und Raum in zwei mehrsprachigen Situationen: dem Gebiet von Teschen [Těšín] in Tschechien und Südkärnten in Österreich. Beide zeichnen sich durch eine historisch verwurzelte soziale Schichtung einer dominierenden (Tschechen im Teschener Gebiet und der Deutschsprachigen in Kärnten) und einer nicht dominierenden Gruppe aus (die Polen im Teschener Gebiet und die Slowenen in Kärnten). Darüber hinaus gaben Toponyme in beiden Gebieten in letzter Zeit Anlass zu politischen Konflikte. Forschungsfragen sind:

  • Was bedeuten Toponyme für die Identität menschlicher Gemeinschaften im Allgemeinen und insbesondere für sprachliche Minderheiten? Wie sieht die Beziehung zwischen Sprache, Ort und Identität aus und wie machen wir uns durch Toponyme heimisch?
  • Welche toponymischen Strategien wurden von verschiedenen Akteuren zur Etablierung, Aufrechterhaltung und Überwindung ethnischer/nationaler Grenzen eingesetzt und welche sind die wichtigsten gesellschaftlichen Kräfte, die die zeitgenössische toponymische Landschaft und die alltägliche toponymische Praxis strukturieren?
  • Wie werden mehrsprachiger/multiethnischer Stadttext und mehrsprachige/multiethnische Sprachlandschaft produziert, exekutiert, interpretiert und in Frage gestellt?
  • Wenn wir von Minderheitenrechten und Bewahrung kulturellen Erbes sprechen, welche Rolle spielen dabei die Namen? Warum, wie, mit welchen Mitteln und Verfahren, von wem und für wen sollten Toponyme tatsächlich geschützt werden?

Es wird eine Kombination von Forschungsmethoden angewandt, d.h. Analyse von Toponymen auf alten und aktuellen Karten, inhaltlichen und Diskursanalyse der sprachlichen Landschaft und des Stadttextes mit besonderem Fokus auf Toponymen sowie Interviews und Enqueten über die Kenntnisse und Varianten der Ortsnamen in ausgewählten Dörfern in den beiden Regionen.

Ergebnisse


Das Projekt befindet sich noch in der Phase der Datensammlung, sodass noch keine definitive Ergebnisse vorliegen.

Publikationen


Jordan, P. (2016), The Meaning of Bi- or Multilingual Naming in Public Space for the Cultural Identity of Linguistic Minorities. In: Nomina Africana. Journal of the Names Society of Southern Africa, 30, 1, S. 27-44.

Jordan, P. (2016), Carinthia – Burgenland. The different historical-cultural backgrounds of two minority situations and their impact on inter-ethnic relations and bilingual place naming. In: Onomàstica, Anuari de la Societat d’Onomàstica, 2, S. 169-181.