Hintergrund und Problemstellung

Die Ermittlung von exakten Zahlen zu Obdach- und Wohnungslosigkeit stellt aufgrund der Vielgestaltigkeit der Ausprägungen ihrer unterschiedlichen Forme eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Wie ein Vorgängerprojekt am ISR zur Datenbasis zu Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit und prekärem Wohnen in Österreich gezeigt hat, existieren viele unterschiedliche Datenquellen, die aber zurzeit nur ein fragmentiertes Bild der aktuellen Situation eröffnen. Die wohl umfassendste Erhebung der unterschiedlichen Ausprägungen der genannten Phänomene ist mit der Methodik des „extended service-based count“ möglich, bei dem in einem möglichst umfassenden Netzwerk an Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sowie an öffentlichen Einrichtungen betroffene Personen mittels Fragebogenerhebung erfasst. Je nach Breite des Netzwerks und nach Art der involvierten Einrichtungen kann so ein umfassendes Bild der Anzahl sowie des soziodemografischen Profils von Obdach- und Wohnungslosigkeit gezeichnet werden. Zählungen nach diesem Vorbild werden bereits in den Bundesländern Salzburg und Vorarlberg durchgeführt, diese verwenden jedoch nicht die vereinheitlichte, international anerkannte ETHOS Light Typologie. Im Rest von Österreich wurden Zählungen dieser Art nur sporadisch, auf lokale Problem- und Erhebungskontexte begrenzt und selten im gesamten Netzwerk der Obdach- und Wohnungslosenhilfe umgesetzt. Auf EU-Ebene existierten bis vor Kurzem unterschiedlichste, meist auf einzelne Länder und Städte begrenzte Initiativen, die einen Vergleich zwischen EU-Staaten erschweren.

Zielsetzung

Im Rahmen der EU Homelessness Counts, organisiert von der KU Leuven, werden in den Jahren 2024 und 2025 Obdach- und Wohnungslosenzählungen in 15 bzw. 35 Städten in der gesamten EU durchgeführt. Das Ziel dieser Counts ist die Ermittlung von möglichst umfassenden Zahlen zu Obdach- und Wohnungslosigkeit, die auf der ETHOS Light Typologie als einheitlicher Definition beruhen, eine einheitliche Methodik in der Durchführung der Erhebung verwenden und eine EU-weit vergleichbare Datenbasis bereitstellen sollen. Das Institut für Stadt- und Regionalforschung ist Research Partner für die Städte Innsbruck und Salzburg, in denen eine Zählung im Rahmen der EU Homelessness Counts durchgeführt wurde. Die Zählungen fand im Monat Oktober in einem breiten Netzwerk an Einrichtungen der Obdach- und Wohnungslosenhilfe sowie teils auch angelagerter Sozial- und Gesundheitseinrichtungen statt. Unter anderem sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:

  • Wie viele Personen sind in den Städten Salzburg und Innsbruck von Obdach- und Wohnungslosigkeit (gemäß der ETHOS Light Typologie) betroffen?

  • Wie stellt sich das soziodemografische Profil der betroffenen Bevölkerungsgruppe(n) dar?

  • Welche Erkenntnisse können aus der Datenerhebung in Bezug auf die aktuelle Situation sowie als Grundlage für weitere politische Entscheidungen zur Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit gezogen werden?

Datenquellen und Methodik

Das ISR ist im Rahmen des Projekts EU Homelessness Counts Teil eines internationalen Netzwerks an Forscher:innen und maßgeblich an der Gestaltung und Umsetzung der Erhebung in den einzelnen Städten beteiligt. Als Research Partner inkludiert dies die Gestaltung und Operationalisierung der Counts (inklusive Street Surveys), die Aufbereitung und Analyse der Daten sowie das Reporting an die Organisator:innen der KU Leuven sowie an die teilnehmenden Städte. Zudem wird – zusammen mit dem Netzwerk der Wohnungsloseneinrichtungen in Salzburg und Innsbruck – Expertise in Bezug auf die Weiterführung und Institutionalisierung von Datenerhebungen geschaffen und somit eine langfristige Perspektive zur Fortsetzung der Zählungen eröffnet.

Daten zu Personen, die in den teilnehmenden Städten Salzburg und Innsbruck von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffen sind, wurden im Netzwerk der Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sowie in ausgewählten öffentlichen Einrichtungen mittels eines standardisierten Fragebogens gesammelt, danach am ISR geprüft, bereinigt und analysiert, bevor diese zum Reporting an die Organisator:innen des Projekts an der KU Leuven gesendet wruden. Nach der Aufbereitung und Reporting auf EU-Ebene verfasst das ISR Berichte zur Durchführung der Counts sowie zur aktuellen Situation in den teilnehmenden Städten. Im Rahmen des Projekts wird so ein Beitrag zur Schaffung einer europaweiten Datenbasis zu Obdach- und Wohnungslosigkeit geleistet. Zudem wurden die Erkenntnisse der Machbarkeitsstudie Datenbasis zu Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit und prekärem Wohnen in Österreich in einem konkreten Projekt realisiert, das den Wissensstand in den teilnehmenden Städten zur methodischen Umsetzung von Wohnungslosenzählungen ausweitet. Ergebnisse der EU-weiten Erhebung können ab Juni 2026 über die Projektseite der KU Leuven eingesehen werden.

Projektberichte

Schnell, Philipp (2026): European Homelessness Counts 2025 – Visual Results Report Innsbruck. KU Leuven, Leuven. https://www.kuleuven.be/lucas/en/images/results-ehc-2025-innsbruck.pdf

Schnell, Philipp (2026): European Homelessness Counts 2025 – Visual Results Report Salzburg. KU Leuven, Leuven. https://www.kuleuven.be/lucas/en/images/results-ehc-2025-salzburg.pdf

Schnell, Philipp (2026): European Homelessness Counts 2025 – City Report Innsbruck. KU Leuven, Leuven. https://www.kuleuven.be/lucas/en/images/innsbruck-final.pdf

Schnell, Philipp (2026): European Homelessness Counts 2025 – City Report Salzburg. KU Leuven, Leuven. https://www.kuleuven.be/lucas/en/images/salzburg-final.pdf

Projektpartner

  • KU Leuven
  • Forum Wohnungslosenhilfe Salzburg
  • Netzwerk der Wohnungslosenhilfe Innsbruck
  • Stadt Salzburg
  • Stadt Innsbruck

Projektlaufzeit

1.1.2025 - 31.12.2025

Finanzierung

Dieses Projekt wird von der EU-Kommission Directorate General for Employment, Social Affairs and Inclusion (EMPL) finanziert.