Steigende Wohnkostenbelastung und die daraus resultierende Wohnraumgefährdung wurden in den vergangenen Jahren in ganz Europa und auch in Österreich zu einem wachsenden Problem für immer größere Teile der Gesellschaft. Eine der Folgen sind die europaweit nach wie vor hohen Zahlen an obdach- und wohnungslosen Personen, wobei auch in Österreich rund 21.000 Menschen betroffen sind – mit signifikanten Dunkelziffern, etwa im Bereich verdeckter Wohnungslosigkeit oder des Überbelags. Wien hat die größte Population an Obdach- und Wohnungslosen mit über 11.000 über das Zentrale Melderegister registrierten Personen (Statistik Austria 2024).
Während bisherige Erhebungen in Österreich meist Ausmaß und Profil von Obdach- und Wohnungslosigkeit abbildeten, legen internationale Studien nahe, dass qualitative Daten zu den Perspektiven der von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffenen Personen eine wertvolle Ergänzung zu den ansonsten meist quantitativ angelegten Untersuchungen sein können. So können gerade qualitative Perspektiven sowie detaillierte Einsichten zu den Übergängen zwischen unterschiedlichen Phasen von Obdach-, Wohnungslosigkeit und prekärem Wohnen wertvolle Beiträge für die Erforschung der Bedürfnisse und Problemlagen betroffener Personen leisten. Besonders in Wien mit einem breiten System an Beratungs- und Betreuungseinrichtungen kann eine qualitative Studie zu den Erfahrungen mit Verläufen von Obdach- und Wohnungslosigkeit wichtige Erkenntnisse bringen.
Im Projekt "Pfade der Wohnungslosigkeit" wurden Verläufe zwischen unterschiedlichen Phasen und Formen der Wohnversorgung, sowie Pfade in, aus und durch unterschiedliche Phasen von Obdach-, Wohnungslosigkeit und prekären Wohnens analysiert. Dabei standen die lebensweltlichen Erfahrungen der Betroffenen in verschiedenen Phasen sowie an den Übergängen zwischen diesen Phasen im Vordergrund, um Einsichten zu individuellen Lebenslagen, Bedürfnissen sowie emotionalen und sozialen Lebenswelten zu eröffnen. Es wurden Forschungsfragen beantwortet:
Anhand von biographischen Interviews mit langfristig wohnversorgten Personen wurde ein auf der ETHOS-Light Typologie (Edgar et al. 2007) basierendes Phasenmodell von Obdach-, Wohnungslosigkeit und prekärem Wohnen abgeleitet, um so einen konzeptionellen Beitrag zu internationalen Debatten zu leisten. Zudem wurden Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen abgeleitet, die die sozialarbeiterische Praxis von Obdachlosenorganisationen, die Prävention von Wohnraumverlust und die Gestaltung relevanter Angebote unterstützen.
Die Untersuchung der Verlaufspfade von Obdach- und Wohnungslosigkeit wurde mittels biografischen Interviews mit vormals obdachlosen Personen durchgeführt, die in Housing First Programmen oder anderen langfristigen Wohnformen wohnversorgt sind. Im Rahmen des Projektes wird ex post erhoben, wie Pfade in die, durch die und aus der Wohnungslosigkeit verliefen, welche Bedürfnisse bei den Betroffenen in einzelnen Phasen der Wohnversorgung bestanden und welche Services sie dabei in Anspruch nahmen. Die individuellen und strukturellen Faktoren wurden untersucht, die zum Verlust von Wohnraum führten, sowie jene Bedingungen, die zu dessen Wiedererlangung beitrugen. Individuelle Lebenslagen, Bedürfnisse sowie mögliche Ansatzpunkte für Prävention bzw. Ermöglichung langfristiger Wohnraumstabilisierung wurden untersucht. Ebenso wurden Leistungen von und Erwartungen an unterschiedliche Beratungs- und Betreuungseinrichtungen beforscht.
Weitere Ergebnisse finden Sie in den folgenden Publikationen.
Beitrag im Situationsbericht des Verbandes der Wiener Wohnungslosenhilfe 2025
August 2024 bis Juli 2025
Dieses Projekt wird von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) finanziert.