Viele Menschen, die im Erwachsenenalter von Obach- und Wohnungslosigkeit betroffen sind, machen erste Erfahrungen mit dem Verlust von gesichertem Wohnraum in der Jugend bzw. im Schulalter. Internationale Studien legen nahe, dass Interventionen und Unterstützungsmaßnahmen in dieser Zeit eine große Chance auf Erfolg haben und der Entstehung von Obdach- und Wohnungslosigkeit im Erwachsenenalter vorbeugen können. Zudem liegt der Fokus der bisher vorherrschenden Maßnahmen zur Bekämpfung der genannten Phänomene zurzeit auf Unterstützung in Notfällen und der langfristigen Re-Integration in den Wohnungsmarkt. Ein Fokus auf Prävention kann nicht nur später erfahrenes Leid vermindern, sondern auch Belastung und Kosten im bestehenden System der Notfallversorgung sowie in der langfristigen Unterbringung von Wohnungslosen verringern. Ein erster Schritt zur Prävention im Schul- oder Jugendalter ist die Ermittlung von Risiken bevorstehender Wohnungslosigkeit direkt unter den Schüler:innen. Durch die frühzeitige Erkennung dieser Risiken können rechtzeitig Interventionsmaßnahmen gesetzt und ein Netzwerk an Beratungs- und Unterstützungsangeboten mobilisiert werden, die persönliche Lebens- und Wohnsituationen stabilisieren können. Zurzeit existieren internationale Vorgängerprojekte (beispielsweise in Australien und Canada), die bereits über Jahre erfolgreiche Assessments von Risiken bevorstehender Wohnungslosigkeit durchführen und diese zur Abwendung von Wohnraumverlust einsetzen. In Europa werden solche Projekte in Wales und Schottland sowie in Belgien durchgeführt. In Österreich existieren derzeit keine Ansätze zur flächendeckenden Erkennung und Prävention von Wohnungslosigkeit im Schul- bzw. Jugendalter.
Das von der FFG geförderte und zusammen mit dem Verein [um]bruch:stelle realisierte Projekt Upstream Austria hat das Ziel, ein online Assessment Tool zu Ermittlung von Risiken bevorstehender Wohnungslosigkeit unter Österreichs Schüler:innen zu entwickeln. Zusammen mit Lehrenden aus der 2. Sekundarstufe, Sozialarbeiter:innen, ehemals Wohnungslosen, Schüler:innen sowie nationalen und internationalen Experten und Expertinnen wird ein maßgeschneidertes online Tool erarbeitet, das in verschiedenen österreichischen Regionen und Schultypen einsetzbar ist. Der Kern des online Assessment Tools ist die effektive Erkennung von Risiken drohender Wohnungslosigkeit unter Schüler:innen, sodass diese in einem weiteren Schritt gezielte Unterstützung erhalten können. Im Rahmen des Projekts erfolgt kein flächendeckender Rollout des Tools, jedoch soll dieses nach erfolgreichem Abschluss der Entwicklung im Frühjahr 2027 Schulen in ganz Österreich zur Verfügung gestellt werden.
In der ersten Phase des Projekts werden Lehrer:innen, Experten und Expertinnen aus dem Schulbereich, internationale Forscher:innen sowie Sozialarbeiter:innen aus Wohnungslosenreinrichtungen zu deren Einstellungen und Perspektiven in Bezug auf die Gestaltung des online Assessment Tools befragt und diese werden in die Entwicklung miteinbezogen. In der zweiten Phase wird eine erste Version des Assessment Tools zusammen mit Fachpersonal dem Schulbereich sowie mit Schüler:innen aus der 2. Sekundarstufe reflektiert und das Erhebungsinstrument wird iterativ weiterentwickelt. Nach wiederholten Zyklen der Reflexion und Überarbeitung wird das Assessment Tool im Herbst 2026 an Schulen in ganz Österreich getestet und in Hinblick auf dessen Effektivität und Treffsicherheit untersucht. Die Anwendbarkeit im Schulalltag sowie die Ergebnisse der Testerhebung werden mit Lehrenden und Schüler:innen nochmals diskutiert und letzte Änderungen werden vorgenommen. Als Resultat des Prozesses entsteht ein effektives online Assessment Tool, das von Schulen in ganz Österreich zur Ermittlung von Risiken bevorstehender Wohnungslosigkeit verwendet werden kann.
1.9.2025 - 28.2.2027
Dieses Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG finanziert.