Erdgeschoßzonen bilden die Schnittstelle zwischen öffentlichem und halböffentlichem Raum und tragen zur Vielfalt und Lebendigkeit einer Stadt bei. Dabei wird die Urbanität der europäischen Stadt maßgeblich durch ihre Erdgeschoßzonen geprägt. Neben der städtebaulichen Relevanz sind die Erdgeschoßzonen auch ein bedeutender Faktor der urbanen Ökonomie, beherbergen sie doch einen beträchtlichen Teil des Einzelhandels sowie der personenbezogenen Dienstleistungen. Veränderungen in der Nutzung von Erdgeschoßzonen wirken somit immer in zwei Richtungen: einerseits betreffen diese die urbane Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, andererseits die Stadtplanung und Quartiersentwicklung. Die Erdgeschoßzonen sind ein sensibler Indikator für Veränderungsprozesse im Stadtraum, der aufgrund der hohen Sichtbarkeit im öffentlichen Raum stark wahrgenommen wird.
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, den allgemeinen Strukturwandel der Erdgeschoss-Zone zu erfassen. Neben der Problematik des Leerstandes geht es vor allem darum, den sektoralen Strukturwandel in seiner Komplexität lagespezifisch zu erfassen zu analysieren.

Foto: Erdgeschoßzonen unterliegen einem permanenten Wandel - sie prägen das Quartier,
werden aber auch von diesem beeinflusst (Google Street View)

Karte: Teilgebiet Siebensternviertel, Teilerhebung 2024
(Gegenüberstellung der Indikatoren Innovation und Fillialisierung)
Um einen umfassenden Überblick über die Transformation der Erdgeschoss-Zone im Untersuchungsgebiet zu erhalten, wurden sämtliche Straßen der beiden Bezirke in der Erhebung berücksichtigt. Der Fokus liegt damit nicht nur auf ausgewählten Einkaufsstraßen, sondern den gesamten Stadtraum. Die erste Erhebung fand 2016 statt, die zweite Erhebung 2022. Weiters wurde im Jahr 2024 ein Teilraum des Untersuchungsgebietes (Siebensternviertel) erhoben.
Die Erhebung in den zwei Bezirken umfasst zu beiden Jahren der Vollerhebung rund 6.000 Nutzungen. Dabei wurde nicht nur die funktionale Nutzung (etwa: Gastronomie, Einzelhandel, Gewerbe, kulturelle Einrichtungen, …), sondern auch qualitative Aspekte wie die Innovations- und Wertschöpfungsorientierung, die Filialisierung und die Wertschöpfungsintensität erfasst. Damit kann der Wandel in den Erdgeschoss-Zonen sowohl in seiner horizontalen (Branchenveränderung) als auch in seiner vertikalen Dimension (Qualität, Innovation, Wertschöpfung, …) erfasst werden.
Heinze S., Musil R. und Schütz N. (2025): Transformation Erdgeschoßzone – Befunde aus Wien Neubau. In: Heintel M: (Hrsg.): Wien7_Neubau. Stadtplanung, Stadtentwicklung, Stadtlabor. Böhlau Verlag, Wien. 500 S.
seit 2016
Eigenfinanziertes Projekt des ISR