Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Fallstudie im Rahmen des vom FWF finanzierten Exzellenzclusters „Eurasian Transformations“. Die Studie beschäftigt sich mit der Praktik bzw. dem Prinzip der Mantra-Wiederholung und ihrem Zusammenhang mit der Herausbildung religiöser und sozialer Identitäten. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass das kontinuierliche Wiederholen von Mantras eine zeitlose und universelle Praxis ist, wird in der Studie argumentiert, dass Mantra-Wiederholung einen historischen Ursprung hat und vor ihrem kulturellen Hintergrund untersucht werden muss. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Mantra-Wiederholung als eigenständige rituelle Praktik erst in den letzten Jahrhunderten v. u. Z. in Gebrauch kam. Zur Zeit der Entstehung komplexer tantrischer Systeme in der Mitte des ersten Jahrtausends u. Z. war die Praxis bereits in den religiösen Traditionen Südasiens etabliert.
Ziel der Studie ist es, die Geschichte von Mantra-Wiederholung und ihrer verschiedenen Modi und Formen zu rekonstruieren. Sie befasst sich mit den historischen Wurzeln von Mantra-Wiederholung, mit ihrer Diversifizierung in der Spätantike und im Mittelalter, ihrer Verbindung zu Yoga und Meditation sowie mit der Theorie, dass repetitive Mantra-Meditation sich von Südasien aus über Eurasien verbreitete. Zu den untersuchten Quellen gehören insbesondere die Sanskrit-Epen und ihre Appendizes, die brahmanischen Verhaltens- und Gesetzeskodizes sowie Ritual- und Yogahandbücher, Pāśupata sowie andere frühe Śaiva-Texte. Besonderes Augenmerk wird auf die Rolle gelegt, die Mantra-Wiederholungspraktiken sowie die für diese verwendeten Zählhilfen (Rosenkränze usw.) bei der Herausbildung von religiösen und sozialen Identitäten spielten.