17.05.2019

Wie ist unser Universum entstanden?

Forschen für Europa: ÖAW-Physiker Wolfgang Adam sucht mit der größten Maschine der Welt am Europäischen Kernforschungszentrum CERN nach den kleinsten Bausteinen des Universums.

© Klaus Pichler/ÖAW/CERN

Europa wählt: Am 26. Mai bestimmen die Bürgerinnen und Bürger der Union die Mitglieder des Europäischen Parlaments. Die Frage wohin sich Europa in Zukunft entwickelt steht daher im Zentrum der Aufmerksamkeit in den Wochen bis zur Wahl. Die zukünftige Entwicklung der Union und ihrer Mitgliedsstaaten wird auch von Entdeckungen und Erkenntnissen in Wissenschaft und Forschung abhängen. Denn die Grundlagenforschung arbeitet schon heute an den Innovationen von morgen. Welche Beiträge die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum europäischen Forschungsraum leistet, erzählen bis zur Europawahl sechs Forscher/innen der ÖAW in kurzen Interviews. Zahlreiche weitere Projekte mit einer europäischen Dimension sind im aktuellen Jahresbericht der Akademie nachzulesen.

Woran forschen Sie, Herr Adam?

Wolfgang Adam: Ich suche nach Anzeichen von neuen, elementaren Teilchen in Milliarden von hochenergetischen Proton-Kollisionen, um unser Wissen über den Mikrokosmos zu erweitern. Dazu verwende ich die Spuren, die von jeweils hunderten Kollisionsprodukten in einem hausgroßen Detektor am CERN hinterlassen werden.

Was haben Sie bisher herausgefunden?

Adam: Die Voraussagen unseres derzeitigen Modells der Teilchen und ihrer Wechselwirkungen stimmen sehr gut mit den Daten überein, und ein wichtiges, fehlendes Element – das Higgs-Boson – wurde vor wenigen Jahren gefunden. Durch den Vergleich konnten wir viele theoretische Ansätze, die unter anderem eine Erklärung für die Dunkle Materie im Universum anbieten, ausschließen.

Warum ist das wichtig zu wissen?

Adam: Die Kenntnis der Elementarteilchen und der zwischen ihnen wirkenden Kräfte sind entscheidend für unser Verständnis des frühen Universums. Welche Teilchen die Dunkle Materie bilden könnten, ist eine zentrale Frage der Physik, und die bisherigen Erkenntnisse dazu weisen die Richtung für neue Ansätze im experimentellen und theoretischen Bereich.

 

Wolfgang Adam ist Projektleiter für die Analyse von Daten des CMS-Experiments am Institut für Hochenergiephysik der ÖAW. Seit 2018 ist er zudem einer der beiden Koordinatoren des Forschungsprogramms der CMS-Kollaboration, die rund 200 Forschungseinrichtungen vereint und das gleichnamige Experiment am größten Teilchenbeschleuniger der Welt, dem Large Hadron Collider des europäischen Kernforschungszentrums CERN, betreibt. CMS steht für Compact-Muon-Solenoid-Experiment. Es hat unter anderem zum Ziel, bisher unbekannte Teilchen zu entdecken.

FORSCHEN FÜR EUROPA

 


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