21.05.2019

Was macht Honigbienen zum Politikum?

Forschen für Europa: ÖAW-Stipendiatin Greca N. Meloni untersucht wie in Sardinien die Natur ins Zentrum von Konflikten um die kulturelle Identität der Insel gerät.

© Klaus Pichler/ÖAW/Shutterstock

Europa wählt: Am 26. Mai bestimmen die Bürgerinnen und Bürger der Union die Mitglieder des Europäischen Parlaments. Die Frage wohin sich Europa in Zukunft entwickelt steht daher im Zentrum der Aufmerksamkeit in den Wochen bis zur Wahl. Die zukünftige Entwicklung der Union und ihrer Mitgliedsstaaten wird auch von Entdeckungen und Erkenntnissen in Wissenschaft und Forschung abhängen. Denn die Grundlagenforschung arbeitet schon heute an den Innovationen von morgen. Welche Beiträge die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum europäischen Forschungsraum leistet, erzählen bis zur Europawahl sechs Forscher/innen der ÖAW in kurzen Interviews. Zahlreiche weitere Projekte mit einer europäischen Dimension sind im aktuellen Jahresbericht der Akademie nachzulesen.

Woran forschen Sie, Frau Meloni?

Greca N. Meloni: Meine Forschung dreht sich um die Bienenzucht auf Sardinien. Ich untersuche, wie Imker/innen und politische Entscheidungsträger/innen unterschiedliche Vorstellungen von der Identität Sardiniens entwickeln. Denn diese ist durchaus umstritten. So haben sich in den letzten Jahren zum Beispiel nationalistische Sichtweisen verbreitet, die auch die „heimische“ Pflanzen- und Tierwelt umfassen.

Was haben Sie bisher herausgefunden?

Meloni: Die natürliche Umwelt kann zum Gegenstand von Identitätskonflikten werden, wie ich am Beispiel der EukalyptusPflanze zeigen konnte. Eukalyptus ist seit rund 200 Jahren auf Sardinien heimisch. Dennoch betrachtet ihn die regionale Politik nicht als einheimische Pflanze und daher als nicht besonders schützenswert. Viele Bienenzüchter/innen argumentieren hingegen, dass die Pflanze mit ihrem hohen Pollenvorkommen für fast 60 Prozent der jährlichen Honigproduktion sorgt und sich somit ein „Bleiberecht“ erwirkt habe.

Warum ist das wichtig zu wissen?

Meloni: Die Bienenzucht lässt uns unsere Kategorien von „Natur“ und „Kultur“ im Zeitalter des Anthropozäns hinterfragen. Auch zum Umgang mit Biodiversität lassen sich neue Einsichten gewinnen. Und nicht zuletzt kann man etwas über die soziale Konstruktion und die Aushandlungsprozesse lokaler Identitäten erfahren.

 

Greca N. Meloni ist Kulturanthropologin und forscht am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. 2018 erhielt sie ein DOC-Stipendium der ÖAW. Ihre anthropologische Feldarbeit hat sie in der Dokumentation „Abieris and Abis. Beyond A Drop of Honey“ festgehalten, die auf dem Videoportal Vimeo zu finden ist.

Forschen für Europa

 


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