22.05.2019

Wie bestimmen Werte die Internetsuche?

Forschen für Europa: Die ÖAW-Technikforscherin Astrid Mager erforscht, welche gesellschaftlichen Werte in die Programmierung von Suchmaschinen einfließen – und ob es europäische Alternativen zu den US-Internetgiganten gibt.

© Klaus Pichler/ÖAW/Shutterstock

Europa wählt: Am 26. Mai bestimmen die Bürgerinnen und Bürger der Union die Mitglieder des Europäischen Parlaments. Die Frage wohin sich Europa in Zukunft entwickelt steht daher im Zentrum der Aufmerksamkeit in den Wochen bis zur Wahl. Die zukünftige Entwicklung der Union und ihrer Mitgliedsstaaten wird auch von Entdeckungen und Erkenntnissen in Wissenschaft und Forschung abhängen. Denn die Grundlagenforschung arbeitet schon heute an den Innovationen von morgen. Welche Beiträge die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum europäischen Forschungsraum leistet, erzählen bis zur Europawahl sechs Forscher/innen der ÖAW in kurzen Interviews. Zahlreiche weitere Projekte mit einer europäischen Dimension sind im aktuellen Jahresbericht der Akademie nachzulesen.

Woran forschen Sie, Frau Mager?

Astrid Mager: Ich beschäftige mich mit Internet-Suchmaschinen aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive. Konkret erforsche ich, wie sich kommerzielle Dynamiken auf die Gestaltung auswirken, wie Europa versucht, große Technologiekonzerne, wie zum Beispiel Google, zu regulieren und wie alternative Suchmaschinen in Europa entwickelt werden.

Was haben Sie bisher herausgefunden?

Mager: Geschäftsmodelle, die auf „Datenhandel“ basieren, führen zu Datenschutzfragen, aber auch zu kommerziellen und diskriminierenden Verzerrungen in den Ergebnissen von Suchmaschinen. Europa schreibt sich in diesem Zusammenhang gerne Werte wie das Grundrecht auf Datenschutz auf die Fahnen. In der Praxis – zum Beispiel bei Verhandlungen zur Datenschutzgrundverordnung oder auch bei der Entwicklung von europäischen Alternativen – zerfallen diese Werte jedoch oft in nationale Partikularinteressen, werden auf reine Regulierungsfragen reduziert oder durch Allianzen mit mächtigen Internet-Playern unterminiert.

Warum ist das wichtig zu wissen?

Mager: Erst wenn wir verstehen, warum sich die Verankerung von europäischen Werten in Gesetzestexten oder die Übersetzung  dieser Werte in konkrete technische Alternativen schwierig  gestalten, können wir Rahmenbedingungen identifizieren, die zu einer eigenständigen europäischen IT-Politik, Technikentwicklung und Infrastruktur beitragen.


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