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Olympische Spiele

Das Woodstock der Antike

Kult und Sport gehörten in der Antike zusammen. Trotz vieler Unterschiede zu heute, wurden Olympia-Sieger schon damals wie Popstars gefeiert. ÖAW-Archäologin Birgitta Eder hat selbst in Olympia geforscht. Sie erklärt im Gespräch, wer an den Wettbewerben teilgenommen hat, woher das Publikum kam – und über welche Preise sich die Athleten freuen durften.

05.08.2024
Olympia gilt als eines der bedeutendsten Heiligtümer der griechischen Antike. © Shutterstock

Seit 1875 finden archäologische Ausgrabungen in Olympia statt. Die Faszination für die antiken Spiele lässt trotzdem nicht nach. Auch damals wurden Athleten gefeiert - in manchen Städten warteten einmalige Geldgeschenke, später dann sogar lebenslange Pensionen. Die Gewinner wurden auf Vasen mit Porträt und Namen abgebildet und wie Popstars gefeiert. Birgitta Eder vom Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erklärt im Gespräch, wie man sich die Wettkämpfe vorstellen kann.

Das Wagenrennen wurde definitiv der coolste Wettbewerb in Olympia.

Wie hat es mit den Olympischen Spielen begonnen?

Birgitta Eder: Olympia ist sicher eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das bedeutendste Heiligtum der griechischen Welt. Hier entstand in der Mitte des 11. Jahrhunderts v. Chr. am Fuße des Kronoshügels ein Kultplatz, wo an einem alten Steinhügel des dritten Jahrtausends vor Christus religiöse Opfergaben dargebracht wurden. Kult und Sport waren fest verbunden, denn die Spiele waren Teil eines großen Festprogramms. Damals sind die wichtigsten Leute aus der Region zusammengekommen – und fuhren mit ihren prächtigen Pferdewägen auf. Das war ein zweirädriger Wagen, der von zwei Pferden gezogen wurde: der Porsche der frühen Eisenzeit. Vielleicht haben schon um die Mitte des 11. Jahrhundert vor Christus die ersten Wagenrennen stattgefunden. Meine Theorie ist, dass diese Wagenrennen vielleicht zuerst nur aus einer spielerischen Wettkampflaune heraus praktiziert worden ist. Später wurde das Wagenrennen definitiv der coolste Wettbewerb in Olympia.

Camping und Kult 

Der australische Historiker Tony Perrottet nennt Olympia ein antikes Woodstock. Wie kann man sich das vorstellen?

Eder: Es war zwar kein Musikfestival, aber man hat auch damals im Freien campiert. Man muss sich das eher wie einen großen Jahrmarkt und Kirtag vorstellen. Diese religiösen Feste waren Gelegenheiten, bei denen Menschen eine Fleischmahlzeit zu sich nehmen konnten. Es wurden Opfertiere zu Ehren des Zeus geschlachtet, aber auch ausgiebig gekocht, gegrillt und getrunken. Gleichzeit kamen bei den großen Zeusfesten, die aufgrund der Olympischen Spiele eine besondere Attraktion besaßen, zu Beginn die Menschen aus der näheren und weiteren Region zusammen, später dann aus der gesamten griechischen Welt. Das bot Gelegenheit für Zusammenkünfte aller Art, politischer, wirtschaftlicher oder künstlerischer Natur. Der Markt von Olympia war alle vier Jahre einer der größten regionalen Märkte, zu dem Händler und Kaufleute aus nah und fern zusammentrafen. Die Angehörigen der griechischen Kleinstaaten und Städte, die oftmals untereinander zerstritten waren und Kriege gegeneinander führten, konnten sich in Olympia unter dem Schutz des Zeus treffen. Während des Zeusfestes und der Olympischen Spiele galt die Festruhe – die Waffen mussten schweigen, nicht zuletzt, um den Teilnehmern auch eine sichere An- und Abreise zu gewährleisten.

Es gab ein Luxus-Gästehaus für wohlhabende Teilnehmer.

Gab es auch VIP-Zelte?

Eder: Über die Zelte wissen wir natürlich wenig, denn sie waren aus vergänglichem Material. Es gab natürlich Festplätze und -wiesen, wo die Teilnehmer lagerten. Diese wurden im Laufe der Zeit immer mehr. Man muss sich vorstellen, dass da mehrere tausende Menschen anwesend waren, samt ihrem Tross und Opfertieren. Es war Hochsommer und muss fürchterlich gestunken haben, die hygienischen Umstände ließen zu wünschen übrig. Deswegen gab es im 4. Jahrhundert außerhalb des heiligen Bezirks das Leonidaion, ein Luxus-Gästehaus für wohlhabende Teilnehmer. In der römischen Kaiserzeit gab es dann schon viele Thermen, die der Körperpflege dienten.

Athleten als Popstars

Wer nahm an den Wettbewerben teil?

Eder: Zu Beginn eher Angehörige der höheren Schichten, die die Möglichkeiten hatten, sich ausgiebig dem Training zu widmen und die sich Pferde leisten konnten. Mit der Zeit wurden die Wettbewerbe immer mehr zu Spezialdisziplinen wie Speerwerfen, Boxen, Läufe in verschiedenen Längen – und auch eine Möglichkeit, sozial aufzusteigen.

In der römischen Kaiserzeit wurden die Athleten dann auch von Steuern befreit.

Waren Olympia-Sieger so etwas wie frühe Popstars?

Eder: So in Olympiasieg war eine große Sache, und die Sieger (das war immer nur der erste Platz) bekamen einen Kranz aus Olivenzweigen aufgesetzt. Sie wurden in ihren Heimatstädten verehrt und gefeiert. In manchen Städten erhielten die Sieger ein Geldgeschenk oder kostenlose Mahlzeiten für den Rest ihres Lebens. Seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. wurden einmalige Geldgeschenke in lebenslange Pensionen umgewandelt.  In der römischen Kaiserzeit wurden die Athleten dann auch von Steuern befreit. Und sie durften im Theater weit vorne in der Ehrenreihe sitzen, oder wurden auf Vasen mit Porträt und Namen abgebildet.

 

AUF EINEN BLICK 

Brigitta Eder ist Archäologin und seit 2019 Leiterin der Zweigstelle Athen des Österreichischen Archäologischen Instituts der ÖAW. Nach dem Studium der  Alten Geschichte und Altertumskunde sowie Klassischen Archäologie an der Universität Wien, war sie unter anderem Teil der Olympia-Grabung des Deutschen Archäologischen Instituts. Am ÖAI leitet sie außerdem die Forschungsgruppe »Frühes Griechenland«.