
Während der Pandemie erlangte Expert:innenwissen neue Prominenz. Die Politik orientierte sich mehr als zuvor an wissenschaftlicher Evidenz, Teile der Bevölkerung hegten aber wenig Vertrauen in etablierte Institutionen. Wissenschaftsskepsis ist zu einem Schlagwort geworden. Das Projekt TRUSTeD untersucht daher die Verbindungen zwischen dem Vertrauen in Wissenschaft, Technik und Demokratie.
In vielen aktuellen Krisen stehen Wissenschaft und Technik im Mittelpunkt der politischen Debatten. Während der Pandemie ist auch Wissenschaftsskepsis zu einem vieldiskutierten Problem geworden. Damit wird das Phänomen beschrieben, dass bewährte wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden, um eine bestimmte Politik oder Ideologie zu verteidigen. Jüngste Studien zeigen, dass Wissenschaftsskepsis kein isoliertes Phänomen ist, sondern eng mit dem Vertrauen in andere Institutionen verbunden ist. Technik und Demokratie stehen dabei an vorderster Stelle.
Dieses Projekt konzentriert sich daher auf das Institutionenvertrauen und untersucht die Verbindungen zwischen dem Vertrauen in Wissenschaft, Technik und Demokratie. Es geht zum einen der Frage nach, gegen welche Repräsentationen von Wissenschaft und Technik sich die Skepsis überhaupt richtet und welche Werte oder sozio-technischen Zukunftsvorstellungen damit verbunden sind. Andererseits wird untersucht, inwieweit das Vertrauen in die Wissenschaft mit der Akzeptanz demokratischer Politik verbunden ist. Hintergrund ist die Annahme, dass die transparente Gestaltung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik von großer Bedeutung für das Institutionenvertrauen ist. Diese Forschungsfragen werden mit einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden, etwa Fokusgruppen und einer Repräsentativbefragung, in Kooperation mit der Universität Wien und der Wirtschaftsuniversität Wien bearbeitet.
-> The pandemic has shown that science is an important source of
guidance in times of crisis, but it can also become the subject of
public conflict and attacks.
-> Since the authority of
counter-experts or pseudo-experts feeds on conflict, radical opponents
of political measures have no interest in resolving it.
-> Trust
in science grows when the experts advising politicians are selected by
the scientific community itself rather than by the government.
->
Experts should not act as mission-driven activists, but as knowledgeable
advisors who provide policymakers with a range of well-founded options
for action.
-> Die Pandemie hat gezeigt, dass Wissenschaft im Krisenfall eine
wichtige Orientierungshilfe ist, aber auch zum Gegenstand öffentlicher
Konflikte und Attacken werden kann.
-> Weil sich die Autorität von
Gegen- und Pseudoexpert:innen aus dem Konflikt nährt, haben radikale
Maßnahmengegner:innen kein Interesse an dessen Lösung.
->
Vertrauen in die Wissenschaft wächst, wenn die politikberatenden
Expert:innen nicht von der Regierung, sondern von der Wissenschaft
selbst ausgewählt werden.
-> Expert:innen sollten nicht als
missionsgetriebene Aktivist:innen auftreten, sondern als sachkundige
Berater:innen, die der Politik verschiedene, gut begründete
Handlungsoptionen eröffnen.
Science and politics function as distinct yet structurally interconnected social systems, creating a delicate need to balance expertise and democratic representation. The COVID-19 pandemic exposed tensions in this relationship, with initial public support for containment measures giving way to growing skepticism. This paper explores two distinct perspectives on this development: (1) the technocratic overreach perspective, which attributes low support to perceptions that experts overstepped their role in political decision-making; and (2) the blame-deflection perspective, which links it to the perception that politicians strategically used appeals to scientific authority to shield themselves from criticism. Using survey data from the Austrian Corona Panel Project, we test hypotheses derived from these contrasting perspectives to better understand public concerns surrounding the boundary between science and politics during the pandemic. Our findings show that both technocratic overreach and blame deflection perceptions are associated with lower support for mitigation measures, but the patterns of underlying attitudes differ. Perceptions of technocratic overreach were associated with low trust in science, but overall levels of trust in science remained high and stable, suggesting that overreach perceptions stemmed primarily from pre-existing skepticism toward science rather than concerns about technocratic policy-making during the pandemic. In contrast, perceptions of blame deflection were related to low trust in government, which strongly declined during the pandemic. Overall, the study identifies crisis management as a key area where a clearer demarcation between science and politics is needed.
Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell die Wissenschaft zum Gegenstand öffentlicher Konflikte und Attacken werden kann, wenn Expertise zur zentralen politischen Ressource wird. Daraus ergeben sich zwei grundsätzliche Fragen: (1) Warum trägt eine Verwissenschaftlichung von Konflikten nicht zu deren Lösung bei? (2) Und wie lässt sich ein konstruktiver politischer Dialog über wissenschaftsbasierte Themen dennoch stärken? Die erste Frage wird im qualitativen Teil der Studie behandelt: Es wird gezeigt, dass in hochgradig verwissenschaftlichten Krisen alle Konfliktparteien sich auf Expert:innen (oder Pseudoexpert:innen) berufen. Der Konflikt wird selbst zum Mittel, um epistemische Autorität dort, wo eine institutionelle Basis fehlt, situativ zu behaupten. Dies erklärt das Desinteresse der Maßnahmengegner:innen an einer Konfliktlösung.
Im quantitativen Teil der Studie wird die zweite Frage diskutiert: Anhand von Survey-Experimenten wird gezeigt, dass sich das Vertrauen in die Wissenschaft steigert, wenn die politikberatenden Expert:innen nicht von der Regierung, sondern von der Wissenschaft selbst ausgewählt werden. Außerdem spielt der Kommunikationsstil der Expert:innen eine wichtige Rolle: Vertrauen entsteht dort, wo sie nicht als missionsgetriebene Aktivist:innen auftreten, sondern als bescheidene Berater:innen, die der Politik verschiedene, gut begründete Handlungsoptionen eröffnen. Allerdings haben Expert:innen im Fall stark politisierter Themen sowieso einen schweren Stand, wie der Vergleich mit politisch unbelasteten Themen zeigt.
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bogner, A. (Speaker)
Bechtold, U. (Speaker)
Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell die Wissenschaft zum Gegenstand öffentlicher Konflikte und Attacken werden kann, wenn Expertise zur zentralen politischen Ressource wird. Daraus ergeben sich zwei grundsätzliche Fragen: (1) Warum trägt eine Verwissenschaftlichung von Konflikten nicht zu deren Lösung bei? (2) Und wie lässt sich ein konstruktiver politischer Dialog über wissenschaftsbasierte Themen dennoch stärken? Die erste Frage wird im qualitativen Teil der Studie behandelt: Es wird gezeigt, dass in hochgradig verwissenschaftlichten Krisen alle Konfliktparteien sich auf Expert:innen (oder Pseudoexpert:innen) berufen. Der Konflikt wird selbst zum Mittel, um epistemische Autorität dort, wo eine institutionelle Basis fehlt, situativ zu behaupten. Dies erklärt das Desinteresse der Maßnahmengegner:innen an einer Konfliktlösung.
Im quantitativen Teil der Studie wird die zweite Frage diskutiert: Anhand von Survey-Experimenten wird gezeigt, dass sich das Vertrauen in die Wissenschaft steigert, wenn die politikberatenden Expert:innen nicht von der Regierung, sondern von der Wissenschaft selbst ausgewählt werden. Außerdem spielt der Kommunikationsstil der Expert:innen eine wichtige Rolle: Vertrauen entsteht dort, wo sie nicht als missionsgetriebene Aktivist:innen auftreten, sondern als bescheidene Berater:innen, die der Politik verschiedene, gut begründete Handlungsoptionen eröffnen. Allerdings haben Expert:innen im Fall stark politisierter Themen sowieso einen schweren Stand, wie der Vergleich mit politisch unbelasteten Themen zeigt.