29.12.2020

Das war das Wissenschaftsjahr 2020

2020 wird zweifellos als das Jahr der Coronapandemie in die Geschichte eingehen. Und als das Jahr, in dem die Wissenschaft in Rekordzeit und in einer bisher einmaligen weltweiten Zusammenarbeit neueste Erkenntnisse für den Kampf gegen das Virus gewinnen konnte. Auch an der ÖAW wurde zu SARS-CoV-2 in über 40 neuen Projekten aus den unterschiedlichsten Disziplinen geforscht. Doch nicht nur zu Corona konnte 2020 Bahnbrechendes herausgefunden werden. Das Wissenschaftsjahr 2020 im Rückblick.

Vom Coronavirus über die Quantenphysik bis zur Archäologie - 2020 konnten an der ÖAW zahlreiche wichtige neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden. © ÖAW/Daniel Hinterramskogler

Über 40 Forschungsprojekte zum Coronavirus gestartet

Über 40 neue Forschungsprojekte aus den unterschiedlichsten Disziplinen wurden mit dem Beginn der Pandemie an der ÖAW gestartet. Sozialwissenschaftler/innen befassten sich zum Beispiel mit der Frage, wie lange ein optimaler Lockdown dauern soll, warum die Coronakrise vor allem junge Menschen trifft oder wie Geflüchtete mit der Krise umgehen. Historiker/innen wiederum blickten auf Seuchen der Vergangenheit oder die ersten Anwendungen der sogenannten Triage in der Geschichte. Die Life Sciences-Institute der ÖAW konnten gleich zwei neue Testverfahren aus dem Boden stampfen (RT-LAMP und SARSeq) und verfolgten die Mutationswege und -dynamiken des Coronavirus in Österreich. Und auch in der Politik- und Gesellschaftsberatung war die Akademie aktiv: Eine eigens eingerichtete Website versammelt wissenschaftlich gesicherte Fakten zu COVID-19 und eine Übersicht mit Expert/innen, im Sommer zog ein Austausch von Wissenschaftler/innen und Parlamentarier/innen eine Zwischenbilanz zur Coronakrise und die ÖAW stellte die öffentliche Preisfrage: „Was kann Wissenschaft bei Pandemien leisten?“.

Klimawandel in Geschichte und Gegenwart

Neben der akuten Bedrohung durch die Coronapandemie, ist der Klimawandel eine der großen langfristigen Herausforderungen für die Menschheit. Welche gesellschaftlichen Folgen der Klimawandel bereits in der Gegenwart hat, haben 2020 in einer großangelegten Metastudie Demograph/innen der ÖAW untersucht. Sei konnten zeigen, dass Umweltveränderungen Migrationsbewegungen verstärken können. Wie sich das Klima in den österreichischen Alpen in der Geschichte gewandelt hat, untersuchten hingegen Gebirgsforscher/innen der ÖAW in Innsbruck. Sie konnten belegen, dass die Gipfel der Ostalpen in den vergangenen 10.000 Jahren schon einmal eisfrei waren. Erst vor rund 5.900 Jahren wurde das Klima langsam wieder kälter. Nicht Kälte sondern Hitze steht schließlich im Mittelpunkt von Forschungen eines Teams von Sozialwissenschaftler/innen. Wien ist Österreichs „Hotspot“ – mit dramatischen Konsequenzen: Ein Drittel aller Hitzetoten des Landes entfällt auf Wien. Forscher/innen wollen nun herausfinden, welche Bevölkerungsgruppen besonders von Hitze betroffen sind und was eine Stadt gegen extreme Temperaturen tun kann. Das Projekt ist eines von drei Forschungsvorhaben, die 2020 vom ÖAW-Programm „Klimawandel: Leben mit den Folgen in einer Metropolregion wie Wien“ gefördert wurden.

Österreich unterwegs zu unendlichen Weiten

Unser Nachbarplanet Venus hat 2020 gleich zweimal Besuch aus Österreich bekommen. Die Raumsonde BepiColombo ist an der Venus vorbeigeflogen um dessen Anziehungskraft für eine Bahn- und Geschwindigkeitsänderung für die Reise zum Merkur zu nutzen. Mit an Bord sind Magnetfeldmessgeräte an denen Weltraumforscher/innen der ÖAW beteiligt sind. An einem Magnetometer und einem Radiowelleninstrument sind die Grazer auch bei der Sonde Solar Orbiter beteiligt, die im Dezember auf ihrer dreijährigen Reise zur Sonne ebenfalls einen Zwischenstopp bei der Venus eingelegt hat. Zu einem anderen Nachbarplaneten, dem Mars, ist seit diesem Jahr die chinesische Mission Tianwen-1 unterwegs. Auch bei der Reise zum Roten Planeten ist Magnetometer-Know-How der ÖAW dabei. Die Weltraumforschung der Akademie hat 2020 aber nicht nur Daten in den unendlichen Weiten des Alls gesammelt, sondern auch auf der Erde ausgewertet. So konnten die Wissenschaftler/innen mithilfe erster Daten des Weltraumteleskops Cheops die Temperatur des Exoplaneten WASP-189b bestimmen: 3.200 Grad ist der Himmelskörper heiß. Und: Sein Stern rotiert so schnell, dass seine Form elliptisch statt rund ist. 

Quantensprünge in der Welt der kleinsten Teilchen

Nicht nur bei der Erforschung der Weiten des Universums hat sich 2020 viel getan. Auch in der Welt der kleinsten Teilchen gelangen Forscher/innen der ÖAW im wahrsten Sinne des Wortes „Quantensprünge“. So schafften des Physiker/innen der Akademie eine quantenverschlüsselte Verbindung unter dem Meer zu realisieren und zwar zwischen Sizilien und Malta über 192 Kilometer. Ein mögliches Quanteninternet der Zukunft braucht aber nicht nur stabile Verbindungen  über lange Distanzen sondern muss auch möglichst viele Teilnehmer miteinander verbinden können. Auch hier gelang Forscher/innen mit Beteiligung der ÖAW 2020 ein Meilenstein: Sie konnten ein Netzwerk aufbauen, das quantenverschlüsselte Kommunikation zwischen acht Teilnehmern erlaubt und zwar mithilfe einer zentralen Quelle für verschränkte Photonen, mit der die acht Kommunikationspartner verbunden waren. Und wer sich nun fragt, wohin die Reise in dem hochinnovativen Forschungsfeld in Zukunft geht, der kann mithilfe der Quantenphysik in die Zukunft blicken. Theoretische Physiker haben eine Blaupause für Experimente entwickelt, die es erlauben, ein beliebiges Quantensystem in die Vergangenheit oder Zukunft zu schicken. Zwar nur für ein paar Sekunden, aber immerhin.

Älteste Himmelsscheibe, neudatierte Antike und 31.000 Jahre alte Zwillinge

Apropos Zeitreisen: Archäolog/innen der ÖAW „gehen“ regelmäßig in die Vergangenheit um neues Wissen über unsere Vorfahren zu gewinnen. 2020 konnten sie dabei gleich drei spektakuläre Erkenntnisse zutage fördern. Um die Himmelsscheibe von Nebra war ein Wissenschaftskrimi entstanden, der nun im ÖAW-Fachjournal „Archaeologia Austriaca“ gelöst werden konnte: Die Himmelsscheibe gehört in die Bronzezeit und nicht, wie behauptet wurde, in die Eisenzeit. Damit bleibt sie die älteste konkrete astronomische Darstellung der Welt. Neu datiert werden muss hingegen die griechische Antike. Mittels neuer C-14-Daten konnten ÖAW-Archäologen zeigen, dass die Entstehung der griechischen Stadtstaaten, die Erfindung des griechischen Alphabets oder das Zeitalter Homers alle 50 bis 150 Jahre früher datiert werden müssen. Neue Daten konnten Wissenschaftler/innen mit ÖAW-Beteiligung schließlich auch zu einem der aufsehen erregendsten österreichischen Funde gewinnen: Bei der 31.000 Jahre alten Bestattung zweier Säuglinge handelt es sich um eineiige männliche Geschwister und damit um die ältesten bekannten Zwillinge der Welt.   

 

AUF EINEN BLICK

Mehr zur Forschung an der ÖAW und zu Forschungshighlights des Jahres 2020 ist auf der Website der Akademie zu finden.

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