23.12.2020

Galaktischer Zwischenstopp: Solar Orbiter fliegt an Venus vorbei

Nach dem Start im Februar stattet die ESA-Raumsonde Solar Orbiter nun erstmals der Venus einen Besuch ab, um deren Anziehungskraft für eine Bahn- und Geschwindigkeitsänderung zu nutzen. Für die Weltraumforschung der ÖAW, die an zwei Messgeräten beteiligt ist, bietet sich – nach dem Vorbeiflug von BepiColombo im Oktober – eine weitere günstige Gelegenheit, um Daten aus der Umgebung des Planeten zu sammeln.

Solar Orbiter bei ihrem Vorbeiflug an der Venus (Künstlerische Darstellung). © ESA/ATG medialab
Solar Orbiter bei ihrem Vorbeiflug an der Venus (Künstlerische Darstellung). © ESA/ATG medialab

Auf ihrer dreieinhalbjährigen Reise zur Sonne muss die Raumsonde Solar Orbiter mehrmals an Erde und Venus Schwung holen, um ihre endgültige Umlaufbahn zu erreichen. Der erste von acht Venus-Vorbeiflügen am 27. Dezember wird Solar Orbiter näher an die Sonne bringen und die Umlaufbahn der Raumsonde neigen, wodurch sie unseren Stern aus verschiedenen Perspektiven beobachten kann. Das Radiowelleninstrument RWW und das Magnetometer MAG, an denen auch das Grazer Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beteiligt ist, werden eingeschaltet sein, um die Magnetfelder und Plasmaparameter in Venusnähe aufzuzeichnen.

Rätselhafte Venus-Blitze

Eines der noch ungeklärten Phänomene bei Venus ist die Blitzaktivität. Blitze erzeugen sogenannte Whistler-Wellen. Ein Whistler ist ein niederfrequentes elektromagnetisches Signal, bei dem hohe Töne langsam abfallen und niedriger werden. Mit einem geeigneten Empfänger, zum Beispiel einem Transistorradio, können sie direkt in akustische Signale umgewandelt werden. „Mit RPWkönnen wir diese Wellen messen und so einen weiteren Hinweis darauf bekommen, ob es Blitze in der Venusatmosphäre gibt”, erklärt Manfred Steller, der Gruppenleiter am ÖAW-Institut ist und für den RPW-Bordcomputer verantwortlich ist.

„Der Flug von BepiColombo durch den Magnetschweif der Venus, in Regionen die zuvor noch nie erkundet wurden, hat sehr interessante Aktivitäten in Magnetfelddaten gezeigt“, ergänzt ÖAW-Wissenschaftler Martin Volwerk. Die Flugbahn von Solar Orbiterverläuft ähnlich. „Dadurch erwarten wir weitere Ergebnisse aus diesen noch unerforschten Gebieten im Magnetschweif des Planeten.“