Kurzbiografie

Jacob Fisher schloss seine Doktoratsstudium (DPhil) in indo-tibetischer buddhistischer Philosophie an der Universität Oxford im Jahr 2025 ab. Seine Forschung konzentriert sich auf die Transmission kontemplativer und meditativer Dimensionen der Madhyamaka-Philosophie von Indien nach Tibet. Dabei untersucht er, wie diese Praktiken in eigenständigen tibetischen Literaturformen systematisiert und zum Ausdruck gebracht wurden – insbesondere im Genre der „Leitfäden zur Madhyamaka-Sichtweise“ (dbu ma’i lta khrid), das zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstand.

Fishers Arbeit untersucht, wie indische philosophische Argumente des Madhyamaka nicht bloß als theoretische Positionen übersetzt, sondern als eingebettete Meditationsanweisungen innerhalb der tibetischen kontemplativen Traditionen adaptiert wurden. In seiner Dissertation entwickelte er eine Philosophiegeschichte des perzeptuellen Relativismus im buddhistischen Denken. Seine Publikationen befassen sich mit der Phänomenologie des Madhyamaka, Meditationstheorie und den psychologischen Dimensionen der buddhistischen Philosophie, Schwerpunkt darauf, wie klassische philosophische Debatten die kontemplative Praxis beeinflussen.

Zwischen 2008 und 2015 absolvierte Fisher das „Masters Programme in Buddhist Studies of Sutra and Tantra“ am Istituto Lama Tsongkhapa in Italien, ein Vollzeitstudium mit traditioneller Ausrichtung, das auf dem tibetischen Geshe-Grad basiert. Anschließend verbrachte er fünf Jahre als Vollzeitdozent für buddhistische Philosophie am Nalanda Monastery in Frankreich, wo er dasselbe Programm unterrichtete. Im Anschluss an seine traditionelle Ausbildung absolvierte Fisher einen MSt in Oriental Studies (Tibetisch) an der University of Oxford. Seine Forschung wurde durch Feldforschungsreisen nach Tibet und Indien bereichert, wo er sich mit lebendigen kontemplativen Traditionen und Handschriftensammlungen auseinandersetzte. Professor für Angewandte Buddhastudien am Tergar Institute in Kathmandu und unterrichtete tibetische Sprache sowie buddhistische Philosophie an der University of Oxford, wo er zudem als Vizedekan am Wadham College tätig war.

Seit Jänner 2026 ist Fisher Mitarbeiter am IKGA im Rahmen des ERC-geförderten Forschungsprojekts „The Dawn of Tibetan Buddhist Scholasticism (11th–13th c.)“ (TibSchol). Seine Arbeit konzentriert sich auf die Rekonstruktion früher tibetischer Gelehrtennetzwerke und intellektueller Traditionslinien während der entscheidenden Formationsphase der tibetisch-buddhistischen Scholastik im 11.–13. Jahrhundert.


Ausgewählte Publikationen

2026. “Saying Nothing is Sometimes Better than Saying Something: Candrakīrti’s Non-Analysis as a Meditative Technique,” British Journal for the History of Philosophy,  https://doi.org/10.1080/09608788.2026.2650646

2025.“The Tibetan Traditions of Guides to the Madhyamaka View (dbu ma’i lta khrid) and the Schooling of View by Meditation,Journal of Indian Philosophy, 53, 311–337. https://doi.org/10.1007/S10781-025-09600-3

2023.Different moon same finger? Tsong-kha-pa and Mi-pham’s application of Dharmakīrti’s pramāṇa Theory for Meditating on Emptiness,Journal of the International Association of Buddhist Studies, 46, 177-207.  https://doi.org/10.2143/JIABS.46.0.3293162

Who’s Right About Being Wrong? Dharmakīrti and Candrakīrti on Reliable Cognition, Memory, and the Certification of Mistakes,” Journal of Buddhist Philosophy, 6. (in press)