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Gott und die Wissenschaft

An der Schnittstelle zwischen Religionen & Wissenschaften begaben sich die Maimonides Lectures auf die Suche nach gemeinsamen Wahrheiten

25.02.2015

Glauben und Wissen können zwei unterschiedliche Dinge sein. Sie müssen aber nicht: Wie auf dem dritten Symposion der Maimonides Lectures unter Beweis gestellt wurde, kann die Begegnung von Wissenschaft und Religionen durchaus gemeinsame Wahrheiten zutage fördern. Wahrheiten, die nicht nur von beiderseitigem Nutzen sind, sondern auch zu gemeinsamen Antworten auf wichtige Fragen der Gegenwart führen können. Vor diesem Hintergrund stellte sich das dritte Symposion der Maimonides Lectures einigen fundamentalen Aspekten des Glaubens – um sich diesen von wissenschaftlichen Standpunkten aus zu nähern.

Existiert Gott? Hans-Dieter Klein, wissenschaftlicher Leiter der Lectures, stellte philosophische Überlegungen dazu an, wie Geisteswissenschaften und Formalwissenschaften Hinweise zur Beantwortung diese Frage geben können. Der allen Wissenschaften gemeinsame Ichbegriff und die Willensfreiheit des Wissenschaftlers sowie sein Wissen um die eigene Beschränktheit in Abgrenzung zum Begriff des Unbeschränkten wären Klein zufolge dabei entscheidend.

Mythos oder Wirklichkeit?

Ausgehend von diesen Überlegungen widmete sich das dritte Symposion der Maimonides Lectures der wissenschaftlichen Erfassung und Hinterfragung von Wahrheiten aus religiösen Schriften der Offenbarung wie der Bibel oder dem Koran. So ging der Ägyptologe Manfred Bietak dem historischen-archäologischen Gehalt des in der Bibel geschilderten Aufenthalts der Israeliten in Ägypten und deren Exodus nach. Insbesondere einzelne im ägyptischen Luxor verbreitete Bauformen, die große Ähnlichkeiten zu archäologischen Funden unter anderem in Galiläa aufweisen, könnten Bietak zufolge Indizien für einen tatsächlichen Aufenthalt der Israeliten im Reich im alten Ägypten darstellen.
Der Theologe Martin Stowasser stellte zur Debatte, in welchen Denkmodellen göttliche Offenbarungen in von Menschen verfassten Schriften überhaupt reflektiert werden können. Er beleuchtete die in der europäischen Neuzeit aufkommende Skepsis an der Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Bibel – und die Reaktionen der katholischen Kirche darauf, die bis in die Gegenwart zu beobachten sind.

Dialog und Grenzen

Dass man dabei selbst bei einer einzelnen Offenbarungsschrift nicht von nur einer singulären religiösen Wahrheit sprechen kann, wird spätestens dann deutlich, wenn die Übertragbarkeit dieser Schrift untersucht wird. So hinterfragte der Islamwissenschaftler und Iranist Bert Fragner, ob und wie der Koran überhaupt übersetzbar ist. Vor dem Hintergrund des neuen Islamgesetzes in Österreich und der darin enthaltenen Forderung nach einer anerkannten Koranübersetzung gewinnen besonders die kulturhistorischen Erkenntnisse, die Fragner aus dem persischen Sprachraum anführen konnte, an zusätzlicher Bedeutung.

Lehren aus der Geschichte der Religionen wären schließlich auch hinsichtlich des in der Gegenwart viel beschworenen Dialogs zwischen Christentum und Islam zu ziehen. Wie der Byzantinist Johannes Koder ausführte, konnte über weite Strecken des frühen Mittelalters von einem derartigen Dialog zwischen orientalischen Christen und muslimischen Arabern keine Rede sein. Glaubenskriege und Kreuzzüge, die im Namen der Religionen ausgetragen wurden, stehen zumindest in zeitlicher Nähe zu diesem Defizit. Und sollten auch für die Gegenwart Denkanstoß genug sein, den Dialog zwischen den Religionen zu pflegen. Die Wissenschaft kann dazu, wie auch die Maimonides Lectures zeigten, mehr als nur einen theoretischen Beitrag leisten.

Maimonides Lectures

Die „Maimonides Lectures“ thematisieren Wechselwirkungen zwischen Religionen und Geisteswissenschaften. Im Geist des Philosophen, Arztes und Gelehrten Mosche ben Maimon (Córdoba, 1135 – Kairo, 1204) begegnen die „Maimonides Lectures“ den jüdischen, islamischen und christlichen Traditionen in einer gemeinsamen Unternehmung der ÖAW und großer Religionsgemeinschaften in Österreich.

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