
Führende Vertreter:innen aus Ethnologie und Anthropologie haben nach Konzepten gesucht, in der die gesamte Menschheit auf einer gleichberechtigten Grundlage verstanden werden kann. Nicht wenige von ihnen waren davon überzeugt, eine solche Welt in Gesellschaften gefunden zu haben, die sie folglich als egalitär bezeichneten. Die Porträts solcher Gesellschaften konzentrierten sich lange Zeit auf kleine Gemeinschaften von Jägern und Sammlern oder Hirten, wobei der Schwerpunkt auf gegenseitigem Austausch, unmittelbaren Erträgen oder der Freiheit politischer Segmentierung lag.
Konzepte wie diese beleuchtet Florian Mühlfried, Professor für Sozialanthropologie an der Ilia State University, in seiner Keynote "“Egalitarian” and “Segmentary Societies" Revisited: The Strange Afterlife of Concepts" im Rahmen eines Retreats des Instituts für Sozialanthropologie der ÖAW. Dabei schlägt er einen Perspektivenwechsel vor. Anstatt weiterhin so intensiv nach bewundernswerten, aber empirisch wackeligen egalitären Alternativen zu unseren eigenen unvollkommenen Welten zu suchen, könnte sich die Fachwelt auf die Mechanismen konzentrieren, mit denen verschiedene Gleichheitsregime im Laufe der Zeit und über verschiedene Räume hinweg hart erkämpft wurden. Man würde auf Hierarchien mit egalitären Bestrebungen stoßen, die nur für einige, aber nie für alle offen sind.
Information
Termin:
9. April 2025, 16:00 Uhr
Ort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Postsparkasse, 4. Stock, Besprechungsraum 5
Georg-Coch-Platz 2
1010 Wien
Kontakt für Fragen, Anregungen, Feedback:
Dr. Marieke Brandt
Institut für Sozialanthropologie der ÖAW