05.07.2021

Wie haben Sie das gemacht, Frau Dankl und Frau Schellander?

Die beiden Expertinnen für Corporate Social Responsibility Cornelia Dankl und Sabine Schellander erklären im Gespräch mit jungen Studienstifter/innen der ÖAW, warum Greenwashing zum Glück immer schwieriger wird und warum Umwege in einer Karriere wichtig sind.

Die Corporate Social Responsibilty-Expertinnen Cornelia Dankl und Sabine Schellander erzählten jungen Studienstiftler/innen der ÖAW von ihrem beruflichen Lebensweg. © ÖAW/belle&sass

Das Prinzip der Corporate Social Responsibility (CSR) gewinnt in unserer nach Nachhaltigkeit strebenden Welt zunehmend an Bedeutung. „Als ich zu arbeiten begonnen habe, hat es diesen Job so noch gar nicht gegeben“, erzählt Cornelia Dankl, die seit 2004 bei der BONUS Pensionskassen AG beschäftigt ist. Zuerst war sie im Bereich Marketing tätig, mittlerweile ist sie die Stabstelle CSR in einem Finanzunternehmen, das Nachhaltigkeit als zentrale Aufgabe betrachtet. „Wir erhöhen laufend die Quote in nachhaltige Investments, wie etwa erneuerbare Energie oder Pflegeeinrichtungen“, sagt Dankl.

JUNGE TALENTE FÖRDERN

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Schellander, die Group Sustainability Manager bei der Semperit AG Holding ist, antworteten sie in einem 90-minütigen-Zoom-Meeting auf Fragen, was ihr Arbeitsfeld umfasst, und wie sie überhaupt dazu gekommen sind.

Seit Ende 2020 gibt es im Rahmen der „Studienstiftungsgespräche“ die Möglichkeit für Maturant/innen, die in die Studienstiftung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aufgenommen wurden, sich in kleinen offenen Gesprächsrunden mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auszutauschen. Ziel ist es, junge Talente auf ihrem Weg in die Zukunft zu fördern.

UMWEGE ERHÖHEN DIE ORTSKENNTNIS

Sowohl Dankl als auch Schellander haben keinen geraden Karriereweg eingeschlagen. „'Umwege erhöhen die Ortskenntnis', hat der Nachhaltigkeitsexperte Fred Luks einmal gesagt. Man profitiert davon, was man alles gemacht hat“, sagt Schellander: „Für mich fühlt es sich wie ein Puzzle an, alles hat seinen richtigen Platz gefunden.“ Schellander hat Landschaftsplanung auf der Universität für Bodenkultur studiert und sich im Rahmen ihres Studiums vornehmlich dem Bereich Materialwissenschaften gewidmet. Nach ihrem Studium konzentrierte sie sich auf Werbung und Marketing, bevor sie bei der Nachhaltigkeit gelandet ist.

Dankl stammt aus einer Vorarlberger Unternehmer-Familie, die eine Gärtnerei besaß. Sie wusste schon in jungen Jahren, dass sie viel von der Welt sehen möchte, ging als Au Pair in die USA, studierte anschließend Internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und Rom, arbeitete danach in Führungspositionen im Handel und der Textilindustrie in Vorarlberg, um schließlich 2004 in die Finanzbranche nach Wien zu wechseln.

FRÜH MIT DEM NETZWERKEN BEGINNEN

Was möchten die beiden den Studierenden auf ihren Weg mitgeben?  „Leidenschaft ist wichtig. Wir brennen für das Thema. Wenn man merkt, dass man etwas bewegen kann, macht das glücklich“, so Schellander. Beide Expertinnen sind Teil des CSR-Circle, den Dankl seit 2011 leitet, um sich mit anderen auszutauschen. Sie betonten die Wichtigkeit, früh mit dem Netzwerken zu beginnen. „Am besten schon während dem Studium. Viele eurer Kommiliton/innen sitzen später in wichtigen Positionen“, sagt Dankl.

„Greenwashing ist kaum mehr möglich. Es gibt internationale Standards, die festgelegt und genau überprüft werden.“

Wie weiß man überhaupt, ob Firmen tatsächlich nachhaltig sind? Wer prüft, ob sie es ernst meinen, möchte eine Studentin wissen. „Eine grüne Masche, die nicht stimmt, fliegt den Firmen schnell um die Ohren. Greenwashing ist kaum mehr möglich. Es gibt internationale Standards, die festgelegt und genau überprüft werden“, erklärt Dankl. 

Für Außenstehende sei oft schwer greifbar, was ihr Job denn genau umfasse, erzählt Schellander. Gerade am Anfang ihrer Laufbahn, hätten viele angenommen, es gehe darum, Bäume zu umarmen und positive Schwingungen zu suchen.

„Ein zentraler Bereich ist auch ein nachhaltiges Personalmanagement.“

Aber Nachhaltigkeit umfasst mehr als Umweltschutz. „Ein zentraler Bereich ist auch ein nachhaltiges Personalmanagement, damit kein ständiger Wechsel stattfindet und dadurch Wissen verloren geht“, erklärt Schellander. „Viele Menschen haben oft gar nicht am Radar, dass CSR auch in der Finanzwelt extrem wichtig ist“, ergänzt Dankl.

Und was sind die Herausforderungen des Jobs? „Man muss es mögen, 35 Baustellen gleichzeitig zu haben“, so Schellander: „Dafür wird man mit einer unglaublichen Themenvielfalt belohnt.“ Dankl ergänzt: „Es geht darum, viel mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu kommunizieren.“

 

AUF EINEN BLICK

Die Österreichische Studienstiftung ist eine Initiative der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Sie fördert und begleitet junge Menschen, die Verantwortung in unterschiedlichsten Bereichen übernehmen wollen, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft. Die Geförderten werden durch die Studienstiftung auf ihrem persönlichen und intellektuellen Werdegang begleitet und unterstützt.

DAS IST DIE STUDIENSTIFTUNG


Die Studienstiftungsgespräche sind ein Angebot für alle jungen Mitglieder der Studienstiftung, sich mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in kleiner Runde treffen und austauschen zu können.

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