01.09.2020

Die ÖAW trauert um Frederick Baker

Der österreichisch-britische Filmemacher und Historiker Frederick Baker starb im Alter von 55 Jahren. Die Akademie, mit der er eng verbunden war und in deren Auftrag er zuletzt das filmische Zeitdokument „The Class of `38. Exile and Excellence” realisierte, trauert um den Verlust dieses außergewöhnlich kreativen und hochgeschätzten Menschen.

Frederick Baker im November 2019 im Festsaal der ÖAW bei der Präsentation des Films „The Class of `38. Exile and Excellence”. © ÖAW/Daniel Hinterramskogler
Frederick Baker im November 2019 im Festsaal der ÖAW bei der Präsentation des Films „The Class of `38. Exile and Excellence”. © ÖAW/Daniel Hinterramskogler

Ob „Letzte Orte. Letzte Zeugen“ oder „Zeituhr 1938“ - Mit Frederick Baker verbinden die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nicht nur einzigartige Werke des Gedenkens und Erinnerns, sondern auch eine auf Vertrauen und Menschlichkeit beruhende langjährige Zusammenarbeit. Der Tod des österreichisch-britischen Filmemachers und Historikers im Alter von nur 55 Jahren löst an der Akademie Betroffenheit und Trauer aus.

Frederick Baker wurde 1965 in Salzburg geboren und wuchs in London auf. Nach seinem Studienabschluss in Cambridge befasste er sich in unterschiedlichen Dokumentarfilmen mit der Zeitgeschichte Europas. Darin behandelte er etwa die politischen Umwälzungen Europas nach 1989, aber auch den Aufstieg Jörg Haiders in Österreich. Zahlreiche seiner Produktionen wurden bei der BBC oder im ORF ausgestrahlt.

Immer wieder richtete Baker seinen filmischen Blick auf die jüngere Geschichte Österreichs. Neben Arbeiten zum „Dritten Mann“ und zu Romy Schneider nahm insbesondere die NS-Vergangenheit seines Heimatlandes eine bedeutende Rolle in seinem filmischen Werk ein.

Exile & Excellence

Speziell zu dieser Thematik entstand eine vielseitige und höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit Forscher/innen der ÖAW. Gemeinsam konnten künstlerisch-wissenschaftliche Projekte wie die Videodokumentation „Letzte Orte. Letzte Zeugen“ für die Ausstellung „Letzte Orte vor der Deportation. Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse“, ferner die „Zeituhr 2018“ zum 80. Jahrestag des „Anschlusses“ sowie der Film „The Class of `38. Exile and Excellence” realisiert werden.

Dieses letzte Filmprojekt, in dem 16 herausragende und von den Nazis vertriebene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Eric Kandel, Martin Karplus, Ruth Klüger und Walter Kohn zu Wort kommen, gab unmittelbare Einblicke in das Erleben – und Nachwirken – von Verfolgung, Flucht, Vertreibung und Neuanfang. Die Präsentation des Films im November 2019 im Beisein des Filmemachers zog hunderte Zuseher/innen in den Bann. Zugleich stellte es das letzte gemeinsame filmische Werk dar. Die Akademie trifft der Tod dieses außergewöhnlichen Menschen schmerzlich. Die Gedanken sind bei seinen Angehörigen.


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