Das 3D-Team konzentriert sich auf 3D-bezogenen technischen Projekte.

Die seit 2015 laufenden Untersuchungen in der pamphylischen Stadt Sidekonzentrieren sich auf mehrere Themenbereiche: So werden die einzelnen Gebäude der bischöflichen Anlage des Ensembles Basilika – Residenz vor allem hinsichtlich ihrer Baugeschichte (Datierung, Nutzungsdauer, Bautypologie etc.) und ihrer Funktion untersucht; darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob ein baulicher und funktionaler Zusammenhang mit dem westlich an das Ensemble anschließenden Areal gegeben ist. In positivem Falle würde es sich angesichts der Größe und der vielfältigen Bebauung um ein bischöfliches Stadtviertel handeln. Unterstützend zu diesen Untersuchungen wird aufbauend der, mit SFM (structure from motion) erstellten Punktewolke und klassischen Vermessungsmethoden gewonnenen Information ein virtuelles Stadtmodell erstellt, das sämtliche Repräsentative Bauten, aber auch Nebengebäude und sonstige raumbildende Architekturelemente berücksichtigt. Einen wesentlichen Schwerpunkt bilden zudem Fragestellungen zur urbanistischen Einbindung innerhalb des gesamten früh- und mittelbyzantinischen Stadtgefüges sowie der Sakraltopografie.
Die virtuelle Rekonstruktion des thebanischen Paulosklosters in Deir el Bakhît wird mit Hilfe einer, mit Structure from Motion erstellten Punktewolke der Ausgrabungen und den jeweiligen Bauaufnahmen als Ausgangsbasis ausgeführt. Im Zuge der Rekonstruktion werden 3-D Modelle der Gebäudevolumina erstellt und zu einem Gesamtmodell zusammengeführt. Das Vorhandensein von Skizzen und Beschreibungen aus dem 19.Jhdt, als die Klosterruine noch weniger verfallen war, erleichtert gewisse Aspekte der Modellierung und liefert Antworten zu Fragen wie Gebäudehöhen bestimmter Klosterteile, Anzahl der Stockwerke und Platzierung von Fenstern. Manchmal kann auch mit Hilfe von Analogien noch bestehender Architektur gearbeitet werden. Wo möglich, werden auch verschiedene Phasen der Baugeschichte des Klosters dargestellt.
Bei der Virtuellen Rekonstruktion des Magnesischen Tors in Ephesos wurde spezielles Augenmerk auf die Darstellung der verschiedenen Bauphasen gelegt, auch der Verfall der Anlage wurde dargestellt. Den Bestand markiert eine rote Linie. Als Hilfe bei der Entscheidung der Torturmhöhe wurden besser erhaltene Anlagen als Vergleichsbeispiel herangezogen. Insgesamt wurden 8 Bauphasenmodelle angefertigt.
Projekt in Publikationsvorbereitung
Die weitläufigen Ruinen von Alinda wurden zwischen 2007 und 2011 mittels zerstörungsfreier Prospektions- und Dokumentationsmethoden im Rahmen eines Oberflächensurveys systematisch aufgenommen. Ziele der Unternehmung waren die konsequente Erfassung und Periodisierung der erhaltenen baulichen Strukturen sowie die Analyse der städtebaulichen Entwicklung und Transformation der Siedlung bis in byzantinische Zeit. Neben einer digitalen Rekonstruktion der gesamten Stadt wurden auch detailreichere 3D-Modelle von Teilbereichen erstellt. Der Fokus liegt hier auf der Zitadelle, dem Tempelbezirk und der Agora. Die Zitadelle wurde sowohl in ihrer hellenistischen Phase, als auch der spätere Umbau zur befestigen Wohnsiedlung in byzantinischer Zeit in 3D rekonstruiert. Die Ergebnisse befinden sich in Vorbereitung zum Druck.
Projekt in Publikationsvorbereitung
Das 2023 begonnen Projekt fokussiert sich auf spätantike Kästchen aus den oberen Donauprovinzen. Es untersucht deren Herkunft und historischen Kontext und analysiert zugleich ihre ikonografischen Muster und die in der Spätantike verwendeten Herstellungstechniken.
Vor Beginn des Projekts wurden mehrere Erfassungstests durchgeführt, um die für die Datenerfassung zu verwendende Methodik festzulegen: 3D-Laserscanner mit FaroArm-Scanner, Scanner vom Typ Breuckman oder Photogrammetrie. Letztere wurde aufgrund ihrer Zuverlässigkeit, Texturtreue und Mobilität für das Projekt ausgewählt.
Die verarbeiteten 3D-Daten zielen darauf ab, eine hochpräzise 3D-Geometrie und Textur der derzeit in Ungarn und Österreich befindlichen Überreste zu erzeugen. Das Projekt „Kästchen der Spätantike” verwendet diese Daten gemeinsam mit der Forschungsdokumentation, um ikonografische Merkmale, Handwerkszeichen und mögliche Werkstattmuster der Herstellungstechniken (Metall und Holz) zu analysieren und zu unterscheiden. Ziel ist es, deren Verwendung und mögliche Wiederverwendung in unterschiedlichen Kontexten zu untersuchen.
Die 3D-Daten bilden die Grundlage für die geplanten Rekonstruktionen einiger der am besten erhaltenen Kästchen. Eine vom 3D-Team entwickelte Animation wird jene historische Umgebung veranschaulichen, in der die Objekte einst verwendet wurden, bis sie schließlich von Forschern entdeckt wurden.
Die Arbeit des 3D-Teams in diesem Projekt stellt ein besonderes Anliegen des anthropologischen Labors der ÖAI dar. Ziel ist es, die Morphologie ausgewählter Überreste im Rahmen des seit 2018 laufenden Langzeitprojekts der ÖAI in Serbien eingehend zu untersuchen. Dabei sollen die durch Photogrammetrie gewonnenen Geometrien und Texturen mit den Computertomographie-Scans (CT) derselben Überreste verglichen werden.
Dieses Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, einen verlässlichen Arbeitsablauf für zukünftige Untersuchungen menschlicher Überreste in den Ausgrabungen der ÖAI zu etablieren. Nach einem ersten Test zur Bewertung der Qualität und der optimalen Aufnahmeeinstellungen im August 2025 (siehe Abbildung) besteht der nächste Schritt darin, die übrigen ausgewählten Funde in 3D zu erfassen. Dadurch wird die Fortsetzung der biokulturellen Analysen innerhalb dieses Chrono-geographischen Kontexts und die vertiefte anthropologische Untersuchung der neolithischen Fundstätte ermöglicht.
Die Erstellung präziser 3D-Modelle ist zudem eine wesentliche Voraussetzung für alle nachfolgenden invasiven Analysen und steht im Einklang mit internationalen Richtlinien zur Erhaltung archäologischer Überreste für zukünftige Generationen. Der 3D-Scan bildet die einzige exakte 1:1-Kopie, die den ursprünglichen Erhaltungszustand sowohl in Geometrie als auch in der Textur dokumentiert.