Wissenschaft für die TikTok-Generation
12.09.2024
Komplexes Wissen in 60 Sekunden vermitteln? Geht das? Das neue Social-Media-Format FÄKT der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bringt jungen Menschen aktuelle Forschungsthemen auf TikTok, Instagram & Co näher. Mit kurzen Clips, grafischen Elementen und einer frischen, jugendnahen Ansprache greifen die beiden Moderatorinnen Julia Maria Winkler und Marie-Sophie "Miso" Tschak wissenschaftliche Inhalte auf und übersetzen sie für ihre junge Zielgruppe. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, auch schwierige Themen wie neueste Erkenntnisse aus der Krebsforschung oder der Erinnerungskultur zu beleuchten.
Im Interview sprechen sie über ihre größten Herausforderungen und darüber, warum nun auch Lehrer:innen ihre Videos für den Schulunterricht nutzen wollen.
Spannend und verständlich
Seit einem halben Jahr bringt ihr mit FÄKT Wissenschaft auf TikTok & Co. Wie gelingt es euch, komplexe wissenschaftliche Themen auf FÄKT so zu verpacken, dass sie für junge Menschen spannend und verständlich sind?
Julia: Diese Frage stellen wir uns selbst auch täglich. Ein Vorteil: Wir sind beide noch sehr jung und sozusagen mit dem Handy großgeworden sind. Ich denke, dadurch verstehen wir es auch, mit jüngeren Menschen in ihrer Sprache zu kommunizieren. Mein Ziel: Komplexe Themen so zu vermitteln, dass auch meine kleine Schwester es verstehen würde. Bei Interviews versuche ich mich in sie hineinzuversetzen.
Miso: Super toll und hilfreich sind die vielen grafischen Elemente, die in der Post Production eingesetzt werden. Damit können komplexe Dinge visuell vereinfacht dargestellt und leichter verstanden werden. Durch dynamische Videos, Fragen und visuell ansprechende Clips wollen wir die Aufmerksamkeit und Neugierde der jungen Leute wecken und behalten.
Unser Ziel ist es, Wissen auf eine coole, moderne und spannende Art und Weise zu vermitteln.
Was war dabei die größte Herausforderung?
Julia: Nicht alles ist in dieser Kürze erklärbar. In den Videos und Posts zu Krebsforschung, wo wir von Nanodiscs und Proteinmembranen sprechen und das Ganze in einem 30 Sekunden langen Clip auf Social Media packen. Da stößt man schon auf Grenzen. Die Sprache der Wissenschaftler:innen für uns und unser Publikum zu übersetzen, ist eine große Herausforderung, die man aber definitiv meistern kann.
Miso: Unser Ziel ist es, Wissen auf eine coole, moderne und spannende Art und Weise zu vermitteln. Eine der größten Herausforderungen: die Aufmerksamkeit der jungen Menschen zu bekommen. Sie nutzen Social Media oft in ihrer Freizeit, wir wollen ihnen mit unseren Videos kein Gefühl von Schule geben.
Es freut mich, dass wir für Schulkinder zu einer Quelle wissenschaftlicher Fakten geworden sind.
Welche Reaktionen von eurer Community haben euch bisher am meisten überrascht?
Julia: Was mich überrascht hat: Uns schreiben junge Lehrer:innen auf Instagram, dass sie unsere Videos unbedingt in ihren Unterricht einbauen wollen. Es freut mich, dass wir für Schulkinder zu einer Quelle wissenschaftlicher Fakten geworden sind.
Miso: Wir freuen uns natürlich sehr, Feedback von unserer Community zu bekommen, das erfreulicherweise hauptsächlich positiv ist. Direkt überrascht hat mich tatsächlich aber nichts.
Von KI bis Schimpfwörter
Gibt es ein bestimmtes Thema oder ein Video, auf das ihr besonders stolz seid?
Miso: Ich bin noch immer stolz auf die erste Folge zu künstlicher Intelligenz. Das Thema spricht genau unsere Zielgruppe an. Das Gespräch, das wir mit Ivona Brandić führten, war super nett. Sehr gut haben mir auch die Videos über die Forschung an Schimpfwörtern gefallen. Es ist cool, dass wir so viele verschiedene Themen ansprechen und Wissenschaftszweige vorstellen, die oft gar nicht mit Wissenschaft assoziiert werden.
Julia: Eine Videoreihe beschäftigt sich mit dem Thema Erinnerungskultur und wie Geschichte als politische Waffe genutzt wurde. Darin sprechen wir über Nationalsozialismus und die Unterdrückung von marginalisierten Gruppen. Natürlich ist die Wortwahl bei diesem Thema besonders wichtig. Ich bin stolz, wie wir darauf geachtet haben und das hinbekommen haben.
Es gibt keine blöden Fragen.
Und was habt ihr in dem halben Jahr mit FÄKT gelernt?
Miso: Ich hatte vorher noch keine Moderationserfahrung und mit FÄKT viel gerlernt. Ich komme aus einer anderen Ecke, arbeite als Schauspielerin und Model und studiere auch Psychologie. Ganz toll finde ich die Gespräche mit den Wissenschaftler:innen, aus denen ich sehr viel mitgenommen habe. Es gibt keine blöden Fragen. Es ist sogar gut, viel nachzufragen, denn nur so lernt man neue Dinge. Das wollen wir auch an junge Leute weitergegeben. Und ich habe gelernt, wie toll Teamarbeit ist.
Julia: Dass ein spannender Einstieg die Leute dranbleiben lässt. Ich habe zuvor schon journalistische Erfahrungen gesammelt. Jetzt habe ich zudem gelernt mit dem Teleprompter zu lesen, also wir lesen die Texte immer mit.
Wissenschaft auf Social Media
Neugierig sein, dranbleiben, Fakten checken und sich trauen der Welt davon zu erzählen.
Welchen Rat könnt ihr jungen Menschen geben, die selbst Wissenschaft auf Social Media vermitteln möchten?
Miso: Wenn es darum geht, Wissenschaft nach außen zu kommunizieren, ist das Allerwichtigste das einen das Thema begeistert. Alles was man mit Begeisterung und Herzblut macht, kann man auch gut vermitteln. Mutig sein und sich von negativen Kommentaren nicht runterziehen lassen. Wissen ist so etwas Wertvolles – und das zu teilen, ist cool.
Julia: Genau. Neugierig sein, dranbleiben, Fakten checken und sich trauen der Welt davon zu erzählen, wenn dich ein Thema besonders interessiert. Auf Social Media schwirrt vieles herum, aber es geht darum die vertrauenswürdigen Quellen zu finden und wissenschaftliche Facts zu vermitteln.
