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KlimakrisePolitik

Wenn Könige und Präsidenten den Klimawandel spüren

Wie dramatisch der Zustand der Alpengletscher ist, zeigte Glaziologin Andrea Fischer den Staatsoberhäuptern der deutschsprachigen Länder Europas bei ihrem Arbeitstreffen in Tirol.

02.09.2026
Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder in Tirol 1. September 2026
© Peter Lechner/HBF

Auf der Aussichtsplattform Top of Tyrol auf 3.210 Metern Seehöhe erläuterte Andrea Fischer, Glaziologin am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), wie rasant sich der Klimawandel auf die Alpengletscher auswirkt und warum die Erkenntnisse aus den Bergen weit über die Alpen hinausreichen. Zu ihren Zuhörern zählten diesmal sechs Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder Europas: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Belgiens König Philippe, Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Großherzog Guillaume von Luxemburg und der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin waren im Rahmen ihres traditionellen Arbeitstreffens unter dem Motto „Zusammenhalt in Europa“ auf den Stubaier Gletscher gekommen.

Ein Sommer der Extreme

Fischer machte deutlich, wie stark der vergangene Sommer die Alpenregion gezeichnet hat: „Das Jahr 2026 war in ganz Europa durch Hitzewellen und Trockenheit geprägt. Die Langzeitmessungen in den Alpen zeigen extreme Schmelze der Gletscher und des Permafrostes.“ Besonders eindringlich schilderte sie die Lage des größten österreichischen Gletschers: In Österreich drohe die Pasterze zu zerfallen, während zahlreiche kleinere Gletscher bereits in mehrere Teile zerbrochen oder ganz abgeschmolzen seien.

Für die Forscherin sind die Gletscher weit mehr als ein alpines Naturphänomen – sie machen sichtbar, was anderswo verborgen bleibt: „An den Gletschern sieht man die Geschwindigkeit des Klimawandels, den wir in den Tälern und im Flachland spüren, aber nicht so gut sehen, in beeindruckender Weise.“ Was am Gipfel so eindrücklich messbar ist, wirkt sich letztlich bis ans Meer aus: Auch Belgien und Deutschland sind vom Meeresspiegelanstieg betroffen, zu dem die schmelzenden Eismassen der Alpen mit beitragen.

Wissenschaft und Politik im Dialog

Zur Bewältigung der damit verbundenen Herausforderungen brauche es Zusammenarbeit auf allen Ebenen, betonte Fischer, „insbesondere auch zwischen Politik und Wissenschaft, um durch faktenbasierte Entscheidungen nachhaltige und gute Lösungen zu finden.“

Begleitet wurde der Termin von weiteren internationalen Experten: Pascal Bohleber vom Alfred-Wegener-Institut (AWI, Eisbohrkerne), Isabelle Gärtner-Roer vom World Glacier Monitoring Service (WGMS, UN-Dekade der Kryosphärenforschung) sowie Harry Zekollari von der Freien Universität Brüssel, IPCC-Autor und Experte für Meeresspiegelanstieg. Der Klimaforscher Marc Olefs konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Der Gletscherbesuch war Teil eines zweitägigen Treffens, das mit einem Empfang vor der Innsbrucker Hofburg seinen festlichen Abschluss fand. Am Mittwoch reisen die Staatsoberhäupter weiter zum Europäischen Forum Alpbach, wo der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik fortgesetzt wird.