Die Erde blickt in den Himmel: Am 12. August 2026 schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Teilen Europas ist dann eine totale Sonnenfinsternis zu sehen, in Österreich bleibt es bei einer partiellen Finsternis: In Wien und Linz werden rund 87 Prozent der Sonne verdeckt, in Innsbruck und Bregenz etwa 90 Prozent. Damit ist es die stärkste Verfinsterung seit der Sonnenfinsternis vom 11. August 1999.+
Ganz einfach wird die Beobachtung aber nicht: Die Finsternis findet am Abend statt, die Sonne steht bereits tief. In Wien beginnt die partielle Verfinsterung gegen 19.22 Uhr, ihr Höhepunkt fällt ungefähr mit dem Sonnenuntergang um 20.14 Uhr zusammen. Wer freie Sicht nach Westen hat, kann mit einer speziellen Sonnenfinsternisbrille trotzdem beobachten, wie von der Sonne nur noch eine schmale Sichel übrig bleibt. Weltraumforscher Luca Fossati vom Grazer Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gibt im Interview Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was passiert bei einer Sonnenfinsternis eigentlich genau?
Luca Fossati: Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond genau zwischen Erde und Sonne. Dadurch wirft er einen Schatten auf die Erde. Weil sich die Erde dreht, bewegt sich dieser Schatten über die Erdoberfläche. Wer sich in diesem Schatten befindet, sieht für kurze Zeit weniger von der Sonne – oder bei einer totalen Sonnenfinsternis gar keine Sonne mehr.7
Für eine totale Sonnenfinsternis muss man an einem sehr bestimmten Ort sein.
Was ist an der Sonnenfinsternis am 12. August besonders?
Fossati: Sonnenfinsternisse passieren immer wieder, ungefähr ein- bis zweimal pro Jahr. Aber sie sind nicht überall auf der Erde gleich gut zu sehen. Oft findet eine Sonnenfinsternis dort statt, wo kaum Menschen sind – zum Beispiel über dem Meer. Die Erde ist groß, und die Zone, in der man eine totale Sonnenfinsternis sehen kann, ist sehr schmal. Das Besondere ist also nicht nur, dass eine Sonnenfinsternis stattfindet. Besonders ist, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Eine Mondfinsternis kann man meist von fast der Hälfte der Erde aus sehen. Für eine totale Sonnenfinsternis muss man dagegen an einem sehr bestimmten Ort sein. Und auch dort dauert sie nur kurz – oft nur etwa eine oder wenige Minuten.
Tipps für die Sonnenfinsternis
Wo sieht man die Sonnenfinsternis am besten?
Fossati: Am besten wäre man theoretisch irgendwo im Atlantik, aber das ist natürlich nicht besonders praktisch. An Land sieht man sie in Europa am besten in Spanien, vor allem im Norden beziehungsweise Nordwesten Spaniens. In Österreich wird die Sonnenfinsternis nicht total sein. Das heißt: Ein Teil der Sonne bleibt immer sichtbar. Am besten sind die Bedingungen aber im Südwesten Österreichs, also vor allem in Tirol und Vorarlberg. Je weiter man nach Osten kommt, desto schwieriger wird es, weil die Sonne dann schon tiefer steht oder während der Finsternis untergeht.
Worauf sollte man achten, wenn man die Finsternis in Österreich beobachten will?
Fossati: Man sollte vor allem darauf achten, freie Sicht in Richtung Sonnenuntergang zu haben. Die Sonne steht bei uns während der Finsternis schon tief. Deshalb ist es gut, an einem erhöhten Ort zu sein und möglichst wenige Hindernisse im Westen zu haben – also keine Berge, Häuser oder Bäume direkt vor der Sonne. Es kann außerdem sein, dass das Maximum der Finsternis an manchen Orten erst erreicht wird, wenn die Sonne schon untergegangen ist. Deshalb ist die freie Sicht zum Horizont besonders wichtig.
Warum darf man bei einer Sonnenfinsternis nicht direkt in die Sonne schauen?
Fossati: Weil die Sonne auch während einer Sonnenfinsternis sehr stark ist. Selbst wenn ein großer Teil ihres Lichts vom Mond verdeckt wird, kann der sichtbare Teil der Sonne die Augen schädigen. Man sollte deshalb niemals ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne schauen. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht. Man braucht eine spezielle Sonnenfinsternisbrille oder andere geeignete Schutzfilter. Man muss dabei sehr vorsichtig sein: Sobald auch nur ein Teil der Sonne sichtbar ist, ist das Licht zu stark für die Augen.
Sonnenfinsternis in der Forschung
Die totale Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 bewies Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie.
Warum sind Sonnenfinsternisse für die Forschung interessant?
Fossati: Eine Sonnenfinsternis kann helfen zu überprüfen, wie genau wir die Bewegungen von Erde und Mond verstehen. Wir können heute sehr genau vorhersagen, wann eine Sonnenfinsternis beginnt und endet. Solche Ereignisse sind daher auch eine Kontrolle dafür, ob unsere Berechnungen stimmen.
Besonders interessant ist bei einer totalen Sonnenfinsternis außerdem, dass man von der Erde aus Bereiche um die Sonne beobachten kann, die sonst vom hellen Sonnenlicht überstrahlt werden. Die sichtbare Oberfläche der Sonne hat eine Temperatur von etwas weniger als 6.000 Grad. Weiter außen befindet sich sehr heißes Gas, die sogenannte Korona. Während einer totalen Sonnenfinsternis kann man diese äußeren Bereiche besonders gut beobachten. Früher hatten Sonnenfinsternisse eine entscheidende Bedeutung – die totale Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 bewies Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie und zeigte die Lichtablenkung durch die Schwerkraft. Heute können wir die Sonne auch mit Satelliten und Instrumenten im Weltall untersuchen und sind nicht mehr auf das Phänomen angewiesen. Aber spannend bleibt es natürlich trotzdem.
Auf einen Blick
Luca Fossati ist Weltraumforscher am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz. Er beschäftigt sich unter anderem mit Exoplaneten und der Beobachtung von Sternen. Am 12. August 2026 ist in Teilen Europas eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. In Österreich erscheint sie als partielle Sonnenfinsternis – bei gutem Wetter und freiem Blick Richtung Westen.

