11.04.2022 | JESH Emergency Call

ÖAW-Starthilfe für 50 geflüchtete Forschende aus der Ukraine

Die ersten Wissenschaftler/innen können dank des Ukraine-Emergency-Calls der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ihre Forschungen in Österreich fortsetzen. Die Linguistin Oksana Turkevych ist eine von ihnen.

Die ÖAW holt gemeinsam mit Partnereinrichtungen Forscher/innen aus der Ukraine nach Österreich. © Unsplash
Die ÖAW holt gemeinsam mit Partnereinrichtungen Forscher/innen aus der Ukraine nach Österreich. © Unsplash

Sich in Luftschutzkellern verstecken, kämpfen oder fliehen: Seit Krieg in der Ukraine herrscht, hat sich auch das Leben der Forscher/innen im Land dramatisch verändert. Als Zeichen der Solidarität hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Ende Februar eine Emergency-Ausschreibung ins Leben gerufen, um Wissenschaftler/innen aus der Ukraine zu unterstützen und ihnen die Fortsetzung ihrer Forschungsarbeiten in Österreich zu ermöglichen. Nun wurden die ersten Forschungsaufenthalte an 50 ukrainische Kolleg/innen vergeben.

Flucht vor Bomben

Oksana Turkevych ist eine der Forscher/innen, die mithilfe des Ukraine Emergency Calls der ÖAW nach Österreich kommen konnte. Vor dem Krieg lehrte die Slawistin und Professorin für angewandte Linguistik an der Iwan-Franko-Universität in Lviv (Lemberg). Als Anfang März russische Bomben auf einen Militärstützpunkt bei Lviv in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenze einschlugen, beschloss sie mit ihrer sechsjährigen Tochter zu fliehen.

Vom Emergency-Call der ÖAW erfuhr sie noch in ihrer Heimat und bewarb sich. „Mein Mann brachte uns mit dem Auto zur Landesgrenze, zu Fuß gingen wir nach Polen. Von dort holte uns eine Freundin aus Österreich ab und brachte uns nach Wien“, erzählt Turkevych. Die Benachrichtigung, dass sie in das Programm aufgenommen wurde, erhielt sie dann bei ihrer Ankunft in Wien. Seither forscht sie an der Universität Wien zum Thema Ukrainisch als Muttersprache in Österreich und untersucht die Entwicklung eines interkulturellen Dialogs zwischen den beiden Sprachen.

Die Durchführung ihres Projekts wird von Michael Moser, Professor für slawische Sprachwissenschaft und Textphilologie an der Universität Wien, als Gastgeber und Mentor begleitet. Die Unterstützung ukrainischer Wissenschaftlerkolleg/innen ist ihm ein besonderes Anliegen: „In so schwierigen Zeiten sieht man, wer das Herz am rechten Fleck hat. Für das Programm bin ich der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und allen Beteiligten sehr dankbar. In unserem Teilprojekt ‚Ukrainian Philology for Peace in Ukraine‘ werden wir das in uns gesetzte Vertrauen nach allen Kräften rechtfertigen.“

Helfen Sie uns helfen

„Unser Programm ist eine rasche und unbürokratische Starthilfe für ukrainische Kolleginnen und Kollegen, die vor dem Krieg nach Österreich flüchten mussten“, erklärt Anton Zeilinger. „Wir möchten damit zugleich eine Perspektive für die Zeit nach dem Krieg geben. Denn wir wollen die Zusammengehörigkeit im Sinne der ‚Brain Circulation‘ zwischen der Ukraine und Österreich stärken, so dass wir in einer friedlichen Zukunft weiter gemeinsam mit unseren Partnern in der Ukraine forschen können“, so der ÖAW-Präsident. 

Der Ukraine Call der ÖAW ist offen für alle heimischen Forschungseinrichtungen bzw. Forschungsförderer, die geflüchtete Wissenschaftler/innen unterstützen möchten. Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB), die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) sowie die Stadt Wien beteiligen sich bereits. Dadurch stehen derzeit in Summe rund 500.000 Euro zur Verfügung.

Die Initiative der ÖAW richtet sich an ukrainische Wissenschaftler/innen aller Fachbereiche, die die Ukraine bereits verlassen haben oder noch verlassen werden. Die Auswahl der eingereichten Projekte erfolgt nach einem beschleunigten Peer-Review-Verfahren.  

Bei einer erfolgreichen Aufnahme in das Hilfsprogramm kann den Forschenden die Durchführung ihres wissenschaftlichen Vorhabens für maximal vier Monate an einer Forschungseinrichtung in Österreich, sei es an der ÖAW, an einer öffentlichen Universität oder an einer anderen öffentlich finanzierten Forschungsinstitution, ermöglicht werden. Dort begleiten die Gastgeber/innen die Durchführung der bewilligten Projekte als Mentor/innen.

 

Auf einen Blick

Alle Informationen zum Ukraine Emergency Call:

JESH Ukraine