ÖAW-Sozialanthropologin erhält ERC Grant für Erforschung des Konflikts im Jemen
17.06.2025
Was treibt die Huthi-Bewegung im Jemen wirklich an? Welche ideologischen Überzeugungen liegen ihrem Handeln zugrunde – und welchen Einfluss haben sie auf die Menschen des Landes? Diese Fragen sind nicht nur für die internationale Politik von großer Bedeutung, sondern rücken zunehmend auch in den Fokus der Wissenschaft. Die Sozialanthropologin Marieke Brandt vom Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) widmet sich diesen Themen nun in einem mit dem ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichneten Projekt.
„Unser Ziel ist es, die Huthi-Ideologie in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen“, sagt Marieke Brandt. Dazu sei es notwendig, über bisherige – häufig einseitige und stark gegenwartsbezogene – Perspektiven hinauszugehen. „Wir müssen diese Ideologie als ein synergetisches Ganzes begreifen, also ein Zusammenspiel von einzelnen Teilen – als ein sich dynamisch entwickelndes ideologisches Projekt ebenso wie als gelebte Praxis, die den Alltag der Menschen prägt“, erklärt Brandt.
Erstmalige systematische Auswertung indigener Quellen
Ein zentrales Element ihres Forschungsvorhabens ist die erstmalige systematische Auswertung zahlreicher indigener arabischer Quellen, darunter ideologische Schriften des Regimes und der Ideengeschichte des Jemen, von denen viele bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind. Gleichzeitig nutzt das Projekt innovative Methoden der digitalen Feldforschung, etwa die Analyse von sozialen Medien und Online-Materialien, die in und aus den von den Huthis kontrollierten Gebieten zirkulieren.
Brandt betont: „Wir alle möchten in einer stabilen, sicheren und friedlichen Welt leben. Die Huthis sind zu einem globalen sicherheitspolitischen Faktor geworden – und jetzt ist der Moment, sich kritisch und differenziert mit ihnen auseinanderzusetzen. Dieses Projekt wird neue, spannende Perspektiven eröffnen, wie wir ihre Ideologie verstehen und damit umgehen können – wie ich hoffe, als Grundlage für nachhaltigere Lösungen in einer fragilen Welt.“
Erfolgreiche ÖAW-Forscher:innen
Mit dem ERC Advanced Grant reiht sich die ÖAW-Forscherin in die internationale Spitzenforschung ein. Ihr Projekt liefert nicht nur wegweisende Erkenntnisse über die Huthi-Bewegung, sondern trägt auch zu einem breiteren Verständnis ideologischer Dynamiken in Krisenkontexten bei. Es bietet neue Einsichten in das Zusammenspiel von Gesellschaft, Religion und Politik sowie in die Strategien ideologischer Mobilisierung im digitalen Zeitalter.
Mit den neuen Grants erhöht sich die Anzahl der seit 2007 an ÖAW-Forscher:innen vergebenen Preise auf 87 ERC Grants und 8 Proof of Concept Grants. Beteiligt war die ÖAW ferner an weiteren 19 ERC Grants.
