Expert:innen: Klimaerwärmung hat Folgen für Wintertourismus
04.06.2025
2019 und 2022 veröffentlichte das Expertenforum „Klima.Sport.Schnee“ die ersten beiden Positionspapiere. Aus Österreich waren auch Forscher:innen um Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) von Anfang an dabei. Für das soeben erschienene dritte Positionspapier arbeiteten die Fachleute die neuesten Erkenntnisse der Forschung ein und erweiterten den Themenbereich vom Wintersport auch auf den Bergsport im Sommerhalbjahr. Außerdem wurden Wissensdefizite und Handlungsansätze zusammengefasst. ÖAW-Forscherin Fischer und Kolleg:innen brachten insbesondere ihre Expertise zur Zukunft der Gletscher ein.
Erwärmung hält an
Klar ist für die Forschenden: Das Klima hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erwärmt. Nach neuesten Berechnungsmethoden beträgt die mittlere Erwärmung seit vorindustrieller Zeit bis Ende 2024 in Deutschland 2,5 °C, in Österreich 3,1 °C und in der Schweiz 2,9 °C.
Die Fachleute des Expertenforums „Klima.Sport.Schnee“ sind sich in ihrer Erwartung einige, dass trotz in Umsetzung befindlicher globaler Klimaschutzmaßnahmen die Jahresmitteltemperatur im D-A-CH-Raum bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens weitere 2 °C steigt.
Der aufgrund weiter steigender Treibhausgasemissionen hervorgerufene langfristige Klimatrend wird deutlich von der natürlichen Klimavariabilität überlagert. Vor allem auf kurzen (von Jahr zu Jahr) und mittleren (20 bis 30 Jahre) Zeitskalen können diese zum Teil markanten Schwankungen den langfristigen Trend regional sowohl verstärken als auch abschwächen.
Folgen für Kunstschnee
„Die Erwärmung wirkt sich deutlich auf die Winter aus“, sagt Marc Olefs, an der GeoSphere Austria Leiter der Abteilung Klima-Folgen-Forschung, „die für den Schneesport geeignete natürliche Schneedecke geht langfristig besonders in tiefen und mittleren Lagen, bis etwa 1.500 Meter Seehöhe, weiter zurück. Durch die Erwärmung ändern sich auch die meteorologischen Rahmenbedingungen für die technische Schneeerzeugung. Die potenziellen Beschneizeiten werden weniger und der Wasser- und Energiebedarf nimmt zu.“
Mehr Niederschlag, aber weniger Schnee
Beim Winterniederschlag ist die natürliche Variabilität besonders hoch und es lassen sich vielerorts bisher keine klaren Trends beobachten. In den aktuellen Klimaszenarien zeigen sich aber robuste Signale hinsichtlich einer Erhöhung der Winterniederschläge im Alpenraum und der Intensivierung kurzzeitiger Niederschlagsextreme. Jedoch ist in tiefen und mittlere Lagen mit einem weiteren Rückgang des Schneefalls zu rechnen, da Niederschlag aufgrund der höheren Temperaturen vermehrt als Regen anstelle von Schnee fällt.
Längere Saison
In den Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst trägt der Klimawandel zu einer Saisonverlängerung vieler Outdooraktivitäten bei, wie Wandern, Radfahren, Baden, Wassersport und Golf. Im Sommer steigt allerdings auch die Belastung durch die steigenden Temperaturen.
Was den Regen betrifft, gibt es zwei Entwicklungen: „Klimaszenarien zeigen für den Alpenraum eine Tendenz zu geringen Niederschlagsmengen über das gesamte Sommerhalbjahr gesehen. In Verbindung mit der erhöhten Verdunstungsraten infolge steigender Temperaturen führt das zu einer Intensivierung sommerlicher Trockenheitsepisoden“, erklärt Klimaforscher Marc Olefs von der GeoSphere Austria, „gleichzeitig ist aber zu erwarten, dass sich kleinräumige und kurzzeitige Starkniederschläge im Sommerhalbjahr weiterhin intensivieren und in ihrer Häufigkeit zunehmen. Dies kann unter anderem zu einer Häufung weiterer alpiner Naturgefahren wie Murenabgängen und Hangrutschungen führen, die die alpinen Wegenetze und sonstige Infrastruktur betreffen.“
Verantwortung für kommende Sport- und Tourismusgenerationen
„Der Klimawandel stellt eine große Herausforderung dar. Es liegt im langfristigen Interesse des Winter- und Bergsports, dass Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Resilienzsteigerung auf allen Ebenen und synergetisch gefördert werden“, sagt der Initiator des Expertenforums „Klima.Sport.Schnee“ Ralf Roth, vom Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung der Deutschen Sporthochschule Köln, „unser Ansatz löst sich so vom kurzfristigen Denken und Planen und ist Ausdruck einer Verantwortung für kommende Sport- und Tourismusgenerationen. Die gesamte Branche – Seilbahnbetreiber, sporttouristische Unternehmen, Winter- und Bergsportverbände, Sportartikelindustrie, Sportfachhandel und Destinationen mit ihren Gästen – ist deshalb angehalten, sich aktiv an der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung Klimawandel mit entsprechenden Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an die Folgewirkungen zu beteiligen.“
