Alterssperren auf Social-Media: Technische Grenzen und Möglichkeiten
10.02.2026
Die Einführung einer Altersbeschränkung für Soziale Medien wird derzeit in Österreich und vielen anderen Ländern debattiert. Die Idee ist, Kinder und Jugendliche vor problematischen Inhalten auf Plattformen wie TikTok & Co zu schützen. Wie genau die Umsetzung technisch erfolgen kann, ist allerdings in vielen Bereichen noch vollkommen offen.
Das betrifft bereits die Altersfeststellung von Social Media-Nutzerinnen: Welche verlässlichen technischen Möglichkeiten und Herausforderungen es dabei gibt, untersuchten Forscher:innen des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nun in einer Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Wien.
Verbote und mögliche Folgen
Studienautor Fabian Fischer nennt eine grundlegende Problematik: "Viele Altersfeststellungsmethoden verarbeiten und speichern hochsensible Daten wie unsere Gesichter, Ausweise oder das Online-Verhalten. Damit entstehen neue Risiken, denen besonders Jugendliche ausgesetzt sind." So genannte datensparsame Methoden auf EU-Ebene seien erst in Entwicklung: "Damit würde es ausreichen, nur zu teilen, dass jemand über 14 ist – mehr Informationen sind nicht nötig", so der Technikfolgenforscher. Derartige Lösungen sind aus Sicht des Experten klar von Vorteil, setzen aber meist den Besitz eines Smartphones voraus.
Social Media bis Chatbots
Auch die Frage, was von einem Social-Media-Verbot erfasst wäre, muss diskutiert werden: "Was ist mit Chatbots, WhatsApp-Gruppen und Kommunikationsforen in Spielen? Auch diese werden von Minderjährigen genutzt, sind aber nicht Social Media im engeren Sinne. Und gerade Junge sind bekannt als Early Adopters. Sie probieren neue Plattformen sehr rasch aus", so Forscherin Anna Pauls, die ebenfalls an dem Projekt mitarbeitete.
Die Verdrängung auf unbekanntere Plattformen könnte ebenfalls hohe Risiken mit sich bringen, ergänzen die Studienautor:innen. Es drohten auch neue Abhängigkeiten, etwa von älteren Personen, die den Jugendlichen dabei helfen könnten, an gesperrte Inhalte zu gelangen. Ein Social-Media-Verbot könnte so die Rechte junger Menschen auf Information und gesellschaftliche Teilhabe deutlich einschränken. Das wäre vor allem für Menschen kurz vor dem Wahlalter bedenklich.
Öffentliche Debatte
Eine Altersfeststellung im Internet kann für Fischer grundsätzlich Sinn machen; er wünscht sich aber eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung zu diesem Thema: „Wie leicht können bestimmte Methoden ausgetrickst oder umgangen werden? Wie können Kinder besser über Risiken des Internets aufgeklärt werden, um es selbstbestimmt zu nutzen? Welche unerwünschten Effekte hat die Übermittlung dieser Daten? Und wie können Plattformen dazu gebracht werden, bestehendes Recht umzusetzen? All das sollte nicht unbeachtet bleiben.“ Die Studie warnt damit nicht zuletzt vor der Gefahr, dass trotz weitreichender Einschnitte für alle Internetnutzer:innen das Ziel, nämlich der eines bessere Schutz von Minderjährigen, nicht erreicht wird.
