23.06.2022

Das Weltrauminstitut der ÖAW feiert Geburtstag

Am Dienstag, 28. Juni, feiert das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sein 50-jähriges Bestehen. Mit wissenschaftlichem Knowhow und hochpräzisen Weltraum-Messinstrumenten trägt das IWF an Bord zahlreicher Raumsonden zur Erforschung unseres Sonnensystems und unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, bei. Als verlässlicher Partner internationaler Weltraumagenturen bringt das Institut Österreich seit mehr als 50 Jahren erfolgreich ins All.

Wie alles begann

Mit der ersten bemannten Mondlandung im Juli 1969 erlebte die Erforschung des Weltraums einen enormen Aufschwung. In jenem Jahr flog auch das erste österreichische Messgerät an Bord einer Forschungsrakete ins Weltall. Zwei Jahre später stellte Österreich mit der Gründung des IWF die Weltraumforschung auf eine breite wissenschaftliche Basis. Von den anfänglich drei Standorten - Wien, Graz und Innsbruck - kristallisierte sich Graz als Forschungsbrennpunkt für Weltraumwissenschaften heraus. Unter der Leitung von Prof. Otto Burkard, dem ersten IWF-Direktor, spezialisierte sich das IWF auf die Physik des erdnahen Weltraums, Satellitengeodäsie und experimentelle Weltraumforschung.

1976 wurde das Observatorium Lustbühel eröffnet. Das IWF betreibt dort seit 1982 eine Laserbeobachtungsstation, die zu den besten der Welt gehört und auch einen wertvollen Beitrag für die Weltraumsicherheit leistet. Durch die Lasertechnologie kann sogenannter Weltraumschrott geortet werden, um gefährliche Kollisionen mit anderen Satelliten oder mit der Internationalen Raumstation ISS zu vermeiden.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und ESA-Beitritt

Als Österreichs Weltraumpionier, Prof. Willibald Riedler, 1984 das IWF übernahm, erlangte die heimische Weltraumforschung internationale Bedeutung. Seine Kontakte ermöglichten wissenschaftliche Beteiligungen an sowjetischen Missionen zum Kometen Halley, zur Venus oder zum Mars.

Der Vollbeitritt Österreichs zur Europäischen Weltraumorganisation ESA 1987 eröffnete ein weites Feld für Forschungskooperationen, die weit über die Landesgrenzen hinausreichten.

Ein eigenes Institutsgebäude

Über viele Jahre war das IWF auf bis zu sechs verschiedene Standorte in Graz verteilt. Die Errichtung des ÖAW-Forschungszentrums Graz (heute Victor Franz Hess-Forschungszentrum, Abb. 2), das im November 2000 bezogen wurde, war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Instituts. Durch die Bündelung der Kompetenzen unter einem Dach wurde die interne Zusammenarbeit verstärkt und es öffneten sich neue Türen in die Welt der Forschung und Technik.

Unter Prof. Hans Sünkel, der das IWF vier Jahre lang führte, und Prof. Wolfgang Baumjohann, der dem Institut 17 Jahre lang vorstand, konnte die Beteiligung an Weltraummissionen erfolgreich weiter ausgebaut werden. Baumjohanns Kontakte zur NASA und Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) ermöglichten dem IWF, an Missionen wie MMS oder BepiColombo mitzuarbeiten.

Über 40 Weltraummissionen, über 100 Fluginstrumente

Insgesamt war das IWF an über 40 Weltraummissionen beteiligt und entwickelte dafür mehr als 100 Fluginstrumente. Weltraum-Hightech „made in Graz“ flog inzwischen zum Saturn und seinen Monden, landeten mit der Rosetta-Mission erstmals auf einem Kometen, starten an Bord von JUICE demnächst zu den Eismonden des Jupiters und werden mit PLATO Planeten außerhalb unseres Sonnensystems erforschen.

Gegenwart und Zukunft

Seit Oktober 2021 leitet Prof. Christiane Helling das IWF, das zu einem der größten Institute der ÖAW zählt. Sie steht heute an der Spitze eines Teams von rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 20 Nationen. Unterstützt wird sie dabei von den Leiter:innen der acht Forschungsgruppen.

Die Erforschung extrasolarer Planeten erfordert einen fachübergreifenden Ansatz, den wir hier am Institut für Weltraumforschung auf den fundamentalen Arbeiten zu Objekten unseres Sonnensystems auf- und ausbauen werden. Ich freue mich, die Wissenschaftslandschaft in Zusammenarbeit mit den lokalen Experten am IWF, den Universitäten sowie im Großraum Steiermark zu  gestalten

Mit Helling verlagert sich der Forschungsschwerpunkt des Instituts verstärkt in Richtung Exoplaneten. Ihre Erkundung führt die Wissenschaft in ferne Welten, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Mehr als 5.000 Exemplare wurden bisher entdeckt und täglich werden es mehr.

„Die Erforschung extrasolarer Planeten erfordert einen fachübergreifenden Ansatz, den wir hier am Institut für Weltraumforschung auf den fundamentalen Arbeiten zu Objekten unseres Sonnensystems auf- und ausbauen werden. Ich freue mich, die Wissenschaftslandschaft in Zusammenarbeit mit den lokalen Experten am IWF, den Universitäten sowie im Großraum Steiermark zu  gestalten“, blickt Christiane Helling optimistisch und voller neuer Ideen in die Zukunft des Instituts.

Das IWF feiert …

Die Leistungen des Instituts für Weltraumforschung haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich Österreich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einem international anerkannten und bedeutenden Weltraumstandort entwickelt hat. Dieser Erfolg wird am Dienstag, 28. Juni 2022, ab 11 Uhr im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung gefeiert.

… und die Öffentlichkeit feiert mit: MISSION POSSIBLE!

Um auch die breitere Öffentlichkeit an dem Jubiläum teilhaben zu lassen, wurde am 18. Dezember 2021 im CoSA – Center of Science Activities die Sonderausstellung MISSION POSSIBLE!eröffnet, die in Kooperation mit FRida & freD – Das Grazer Kindermuseum entstanden ist. MISSION POSSIBLE! gibt Einblicke in die komplexe und spannende Arbeit des IWF. Wie eine Weltraummission abläuft, finden die Besucher:innen heraus, während sie im CoSA selbst an einer fiktiven Mission teilnehmen: Die Reise geht zu Enceladus, einem der größten Saturnmonde. Der rote Faden durch die Ausstellung ist ein Comic, der in 21 Bildern auf knapp 30 Metern Länge die Tätigkeiten der Grazer Weltraumforscher:innen anschaulich darstellt. In den Comic integriert sind originale Weltraum-Messgeräte, die von den Besucher:innen erst entdeckt werden.

 

50 Jahre IWF Graz