Digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung

Chancen, Best Practices, digitale Souveränität und Sozialverträglichkeit

Wo steht die digitale Transformation in der österreichischen Verwaltung? Welche Chancen und Best Practices bieten sich in der Zukunft? Das ITA untersuchte im Auftrag des österreichischen Parlaments, wie die Transformation sozialverträglich gelingen und die digitale Souveränität des öffentlichen Sektors gestärkt werden kann. Die Studie präsentiert konkrete Handlungsoptionen für das österreichische Parlament und die öffentliche Verwaltung.

Mit KI, Algorithmen und Datenanalysen tritt die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung in eine neue Phase ein. Dabei geht es um den Aufbau von vernetzten Dateninfrastrukturen und die grundlegende Neuausrichtung von Prozessen und Arbeitsweisen. Daten werden dabei als strategische Ressource genutzt. Diese „Datafizierung“ des Staates prägt die Rahmenbedingungen für staatliches Handeln mit. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Studie dem aktuellen Stand der digitalen Transformation der Verwaltung in Österreich und lotete gegenwärtige Chancen und Herausforderungen aus.

Technische Entwicklungen und aktueller Stand
Veränderungen der Personalstruktur durch Pensionierungen und den Generationenwechsel im öffentlichen Dienst rücken das Potenzial aktueller technologischer Trends für die Verwaltung in den Fokus. Chancen bieten etwa generative KI, automatisierte Prozesse, One-Stop-Shop-Systeme, Open Source und Cloudlösungen. Die digitale Transformation der österreichischen Verwaltung baut dabei auf infrastrukturellen Bausteinen wie dem elektronischen Akt (ELAK), der ID Austria und der Digital Austria Data Exchange (dadeX) zum Austausch von Registerdaten zwischen Behörden auf. Neue Entwicklungen gibt es in den Bereichen Datenanalyse und algorithmische Entscheidungsunterstützung.

Kooperation in föderalen Politiksystem
Ein zentraler Schwerpunkt strategischer Beschlüsse in Österreich ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gebietskörperschaften und Verwaltungsebenen sowie zwischen den Ressorts der Bundesministerien. Erfahrungen von Digitalisierungsexpertinnen und -experten aus Bundesministerien, dem Bundeskanzleramt, den Bundesländern und der Parlamentsdirektion zeigen, dass interdisziplinäre und kooperative Prozesse – etwa bei gemeinsamer Beschaffung, Lern- und Austauschformaten sowie der Projektumsetzung – langfristig Wissenstransfer, Menschenzentrierung und Kosteneinsparungen fördern können.

Best Practices
Aus vielversprechenden Transformationsprojekten in Estland, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und der Schweiz wurden Best-Practice-Kriterien für die österreichische Verwaltung erarbeitet. Diese reichen von menschenzentrierter Entwicklung über interoperable Dateninfrastrukturen bis zur demokratischen Kontrolle von KI, algorithmischer Entscheidungsfindung und Datenanalysen.

Digitale Souveränität
Aktuelle geopolitische Spannungen und die Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen rücken die Stärkung der digitalen Souveränität in den Mittelpunkt. Österreich und Europa wollen dadurch unabhängiger von außereuropäischen Akteuren werden, sensible Daten schützen sowie nachhaltige und resiliente Infrastrukturen schaffen. Die Studie betont dabei die Bedeutung von Open-Source-Technologien und strategischen Kapazitäten, etwa durch die Entwicklung eigener Technologien und die Diversifizierung von Lieferketten. Sicheres und selbstbestimmtes digitales Handeln erfordert zudem eine koordinierte Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten sowie interoperable Lösungen, die von Netzwerken kleiner Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der öffentlichen Hand entwickelt werden.

Handlungsoptionen für die Politik
Konkrete Handlungsoptionen für das österreichische Parlament und die öffentliche Verwaltung umfassen fünf Bereiche:
•    Förderung der digitalen Souveränität
•    Verwaltungsebenen- und ressortübergreifende Kooperation
•    Beschäftigte als tragende Kräfte der digitalen Transformation
•    Bürgerinnen und Bürger im Zentrum
•    Begleitung und Evaluierung

Die Handlungsoptionen tragen zu einer sozialverträglichen und digital souveränen Transformation der Verwaltung bei. Dazu zählt der gezielte Einsatz von Open-Source-Technologien. Die Nutzung von Open-Source braucht klare Strategien und rechtliche Rahmenbedingungen und kann Resilienz stärken und bestehende Abhängigkeiten minimieren. Eine nachhaltige digitale Transformation, die Ressourcen bündelt und Vertrauen in die Politik schafft, erfordert einen menschenzentrierten Ansatz. Mitarbeitende der Verwaltung sollen frühzeitig eingebunden und die Lebensrealitäten von Bürgerinnen und Bürgern einbezogen werden. Auch die Nutzung von Entscheidungshilfen durch KI, Algorithmen und Datenanalysen braucht Transparenz, klare Regeln und Verantwortlichkeiten. Um ungewollten Auswirkungen wie Fehler, Bias und Diskriminierung frühzeitig zu begrenzen sind fortlaufende Evaluierung und Begleitung zentral. 
Diese Ergebnisse wurden anhand einer Literatur- und Dokumentenanalyse, einer teilstandardisierten Befragung, eines Fokusgruppen-Workshops, leitfadengestützter Interviews mit Expertinnen und Experten sowie eines weiteren Stakeholder-Workshops mit SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) erhoben.
 

Laufzeit

10/2025 - 06/2026

Finanzierung