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Internationaler KongressByzanz

Top-Byzantinist:innen der Welt versammeln sich in Wien

ÖAW und Universität Wien laden Expert:innen und Interessierte zum globalen Byzantinistik-Kongress in der Bundeshauptstadt ein. Wien festigt damit seine Position als internationaler Dreh- und Angelpunkt der Byzanz-Forschung.

29.06.2026
Die beeindruckende Yerebatan-Zisterne, errichtet in der Spätantike nahe der Hagia Sophia.
© AdobeStock

Was war das Byzantinische Reich? Diese Frage gilt in so manchem Quiz als besonders knifflig. Dabei bestand dieses Imperium zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert über mehr als 1.000 Jahre an der Schnittstelle von Europa, Asien und Afrika – und bestimmte die Entwicklung dieser Weltregionen wesentlich mit. Aber seine Eigenheiten machten eindeutige Zuschreibungen schwierig: Die "Byzantiner" verstanden sich als Römer, sprachen aber vor allem Griechisch (und nicht Latein) und waren Christen. Und auch ihre Hauptstadt wechselte mehrfach den Namen, von Byzanz in der Antike über Konstantinopel im Mittelalter bis Istanbul heute. Umso mehr wirkte dieses Imperium als Knotenpunkt zwischen Sprachen, Kulturen und Religionen – auch bis nach Österreich, wohin es zwei byzantinische Prinzessinnen im 12. und 13. Jahrhundert als Frauen von Babenberger-Herzögen verschlug.

Hierzulande hat die Erforschung dieses faszinierenden Reichs und seiner Kulturen eine lange Tradition. Byzantinist:innen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften  (ÖAW) und der Universität Wien zählen seit Jahrzehnten zu den führenden Expert:innen auf diesem Gebiet. Eine Position, die sie mit einem großen globalen Kongress in Wien weiter festigen werden: Von 24. bis 29. August 2026 findet im Hauptgebäude der Universität Wien unter dem Motto "Byzantium beyond Byzantium" der 25. Internationale Byzantinistik-Kongress statt. Wissenschafter:innen aus über 50 Ländern auf fünf Kontinenten, von Argentinien bis China, werden dazu anreisen und in rund 1.500 Vorträgen neue Ergebnisse ihrer Forschung präsentieren. Eine besondere Rolle wird das reiche byzantinische kulturelle Erbe in Österreich spielen, das in Ausstellungen und Veranstaltungen auch für eine breite interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Der Kongress ist die größte Veranstaltung für die Erforschung des Byzantinischen Reiches und seiner Nachbarkulturen weltweit und findet alle fünf Jahre statt, dieses Mal unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Unter dem Motto "Byzantium beyond Byzantium" wird es auch darum gehen, wie dieses Imperium über sehr lange Zeit so viele Krisen, Kriege, Seuchen und Klimaveränderungen überstehen konnte – eine Frage, die gerade auch in der aktuellen Weltlage von Interesse ist. Es wird aber auch diskutiert werden, wie Byzanz die Vielfalt an Sprachen und Kulturen in seinem Einflussbereich in Einklang bringen konnte – und wie das Reich mit Migration, Integration und Konflikten zwischen verschiedenen Gemeinschaften umging. Ebenso wichtig ist die Frage, wie die byzantinische Kultur auch weit jenseits der politischen Grenzen wirken und andere Regionen inspirieren konnte – eben "Byzanz jenseits von Byzanz". Dazu werden neueste Methoden der Erforschung von Texten, Handschriften und Kunstwerken aus den Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Archäologie und den Naturwissenschaften vorgestellt.

Öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen

Begleitet wird der Kongress von mehreren Ausstellungen, darunter der Jahresausstellung im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek unter dem Titel "Spurensuche Byzanz: Fragmente des Griechischen Mittelalters". Diese Ausstellung ist seit 11. Juni 2026 und noch bis 2.Mai 2027 zu sehen und wurde von Krystina Kubina und Giulia Rossetto von der Universität Wien kuratiert. Nur während der Kongresswoche gibt es im Museum eine Sondervitrine unter dem Titel „Im Zeichen der Siegel: Geschichte und Kultur im östlichen Mittelmeerraum (von der Spätantike zum Mittelalter)“. Schon seit Februar 2026 wird auch eine Reihe von Vorträgen und Stadtrundgängen in Zusammenarbeit mit den Wiener Volkshochschulen angeboten. 

Während der Kongresswoche im August können alle interessierten Besucher:innen ein Konzert historischer Musik aus dem Mittelmeerraum des Ensembles Baroque Arabesque im Hauptgebäude der Universität Wien besuchen. Eine Abendvorstellung von nachgebildeten Kostümen der Königsfamilie und des Klerus, die von Wandmalereien aus der Kathedrale von Faras im mittelalterlichen Nubien (heute Sudan) bekannt sind, zeigt, wie Kleider Leute machen und vermittelt einen lebendigen Eindruck von der großen Ausstrahlung der byzantinischen Kultur. An anderen Tagen laden ein „Markt der Schönen Dinge“ und eine Vorstellung von Brettspielen zu byzantinischen Themen Besucher:innen jeden Alters dazu ein, sich niederschwellig dem Thema Byzanz zu nähern. 

Zudem wird es in dieser Zeit in der Griechisch-Orthodoxen Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit am Fleischmarkt eine Ausstellung von Ikonen aus der Sammlung der Metropolis geben, und in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der Postsparkasse am Georg-Coch-Platz eine Ausstellung byzantinischer Münzen, auch mit der Gelegenheit, diese selbst in die Hand zu nehmen. 

Das Byzantinische Reich wird somit für ein großes Publikum sichtbar, hörbar und greifbar gemacht – um zu zeigen, wie stark auch Österreich und besonders Wien im Wirkungsbereich dieses globalen Phänomens stand und steht.

 

Auf einen Blick

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