Stefan M. Gergely-Preise für herausragende Biodiversitätsforschung
03.06.2026
Welche Rolle spielen Schutzgebiete wirklich für die Artenvielfalt Europas? Wie reagieren Tiere, wenn neue Arten in ihr Verbreitungsgebiet vordringen – und was verrät uns das über die ökologischen Folgen klimatischer Umwälzungen? Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend dafür, wie wir Naturschutzpolitik gestalten, Lebensräume sichern und den Verlust biologischer Vielfalt aufhalten können. Es sind Fragen, die nach exzellenter Grundlagenforschung verlangen.
Diese zu fördern, ist das Anliegen des Wiener Autors und Unternehmers Stefan M. Gergely. Mit seiner Unterstützung zeichnete die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am 2. Juni 2026 zwei herausragende Nachwuchsforscher:innen aus, deren Arbeiten exemplarisch zeigen, wie präzise Wissenschaft zu den großen ökologischen Fragen unserer Zeit beitragen kann.
Auf den Spuren wandernder Fledermäuse
Den Stefan M. Gergely-Dissertationspreis erhielt Markus Milchram (Universität für Bodenkultur Wien) für seine Arbeit „Range Expansion, Niche Partitioning and Individual Variation in Insectivorous Bat Species“. Milchram untersuchte, wie sich veränderte Klima- und Landschaftsbedingungen auf Fledermausgemeinschaften auswirken - eine Frage von hoher Relevanz, da Fledermäuse aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Temperatur und Habitatstruktur besonders sensible Indikatoren des ökologischen Wandels sind. Mit einem methodisch breiten Ansatz, der von der morphologischen Analyse kryptischer Arten über DNA-Metabarcoding von Kotproben bis hin zu automatisiertem Radio-Tracking reicht, beleuchtete er die Nischenpartitionierung zwischen der einwandernden Kuhl-Fledermaus und der heimischen Rauhhautfledermaus.
Was Schutz wirklich bedeutet
Emma Shih Mendez (Universität Wien) erhielt das Stipendium für ihr Forschungsprojekt „Protected Areas and Temporal Vegetation Trends in Europe“. In ihrer Forschung kombiniert sie die kontinentweite Vegetationsdatenbank ReSurveyEurope mit der World Database on Protected Areas. Ziel ist die Analyse, wie sich Schutzstatus, Schutzdauer und Habitattyp auf die langfristige Vegetationsdynamik in europäischen Schutzgebieten auswirken. Das Projekt liefert Erkenntnisse darüber, unter welchen Bedingungen Schutzgebiete ihre Kernaufgabe tatsächlich erfüllen, und gibt der Naturschutzpolitik konkrete Ansatzpunkte für eine wirksamere Gestaltung des europäischen Schutzgebietsnetzwerks.
Stipendien zur Förderung öffentlicher Sichtbarkeit
Mit Stefan-M.-Gergely-Stipendien ausgezeichnet wurden am 2. Juni 2026 zudem die drei journalistischen Projekte „Eine akustische Entdeckungsreise in die urbane Artenvielfalt“ von Julia Breitkopf und Jana Mack, „Wenn die Erde zur Mitbürgerin wird“ von Peter Illetschko sowie „Was wäre, wenn… ? Gletscher, Moore, Flüsse klagen könnten“ von Sebastian Lang.
