Back
Stefan Gergely PreiseFestakt

Ausgezeichnete Biodiversitäts-Forschung

Junge Forschende aus dem Bereich des Umwelt-, Natur- und Artenschutzes wurden für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Stefan M. Gergely-Preis bedacht, eine jährlich vergebene Auszeichnung der ÖAW für Dissertationen im Bereich der Biodiversitätsforschung. Ebenfalls geehrt wurden Journalist:innen, die zu Biodiversität recherchieren.

18.06.2025
Die Preisverleihung fand im Johannessaal der ÖAW statt.
© ÖAW/Daniel Hinterramskogler

Unsere Biosphäre ist von zahlreichen Stressfaktoren wie der Erderwärmung, Umweltverschmutzung oder Übernutzung von Ressourcen bedroht. Und damit unzählige Tier- und Pflanzenarten. Den Verlust dieser Biodiversität gilt es aufzuhalten und dafür braucht es Forschung, aber auch die Vermittlung deren Ergebnisse.

Um das zu unterstützen, vergibt der Journalist und Sachbuchautor Stefan M. Gergely, der sich für die Förderung von Wissenschaftskommunikation und Biodiversitätsforschung engagiert, gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Preise für engagierte Forscher:innen sowie Stipendien an Journalist:innen, welche zu Biodiversität, Naturschutz und Artenvielfalt recherchieren.

In einem Festakt im Johannessaal der ÖAW wurden die heurigen Preisträger:innen – drei Forschende und fünf Journalist:innen – feierlich geehrt.

Stipendium für Zooplankton-Forschung

Für ihre wissenschaftliche Arbeit zum Thema „Tracking der Biodiversität von Zooplankton in den Alpen“ an der Universität Wien wird Susanna Findlay zwölf Monate lang mit ihrer Auszeichung unterstützt. Ihre Studie untersucht die räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Zooplanktongemeinschaften in peri-alpinen Seen im Kontext des globalen Wandels. Dabei sollen die Hypothesen getestet werden, dass erstens der globale Wandel die Dynamik der Zooplankton-Gemeinschaften verändert hat und zweitens größere Seen in Gebieten mit hoher Vernetzung mehr Zooplankton-Diversität aufweisen und über die Zeit stabiler sind.

Alpine Vögel und Süßwasserfische im Fokus

Preise für ihre bereits abgeschlossenen Dissertationen gingen an zwei weitere junge Wissenschaftler:innen:

Der Biologe Matteo Anderle forscht im Bereich Ökologie mit Schwerpunkt Ornithologie. Seine ausgezeichnete Dissertation an der Universität Innsbruck untersucht die Ökologie alpiner Vögel, ihr Potenzial als Indikatoren für allgemeine Biodiversitätsmuster und den Einfluss ökologischer und landschaftlicher Faktoren auf ihre Verbreitung. Seine Arbeit bietet wertvolle Erkenntnisse für die Erhaltung der alpinen Biodiversität und stellt eine Grundlage für zukünftige Forschungs- und Schutzbemühungen in den Alpen und ähnlichen Bergregionen dar.

Susanne Reier studierte Biologie mit Schwerpunkt Zoologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation beschäftigt sich damit, wie unterirdische Wasserverbindungen im dinarischen Karst, eine der größten und bedeutendsten Karstlandschaften, die sich über mehrere Länder Südosteuropas zieht, die genetische Struktur von Fischpopulationen beeinflussen. Dabei fokussierte sie sich auf Elritzen, kleine, Süßwasserfische, deren Lebensräume durch Gewässerverbauung, Verschmutzung und Klimawandel bedroht sind.

Förderung als Ansporn

Alle drei erhalten Preise in der Höhe von jeweils 36.000 Euro. Wie wichtig dieser Preis ist, betont Preisträgerin Susanne Reier: „Das ist eine riesige Motivation diesen Weg der Biodiversitätsforschung weiterzugehen“. Und genau als das sieht es auch Stifter Gergely: „Ein Ansporn um weiterzumachen und weiter zu forschen. Denn der Wissenschaft kann es gelingen maßgebliche Lösungen für die aktuellen Probleme zu entwickeln“.

Dass Forschung aber nicht nur stattfinden, sondern deren Ergebnisse auch an die Öffentlichkeit kommuniziert werden muss, unterstreicht ÖAW-Präsident Heinz Faßmann in seiner Rede. Deswegen benötigen Wissenschaftsjournalist:innen die Möglichkeit „frei von redaktionellen Beschränkungen und Zeitdruck zu arbeiten“.

Wichtige Umwelt-Journalismus-Projekte

Vier eingereichte Arbeitsvorhaben werden deshalb mit je 6.000 € unterstützt, damit die Geförderten unabhängigem, faktenbasiertem Journalismus im Bereich der Biowissenschaften nachgehen können.

Verena Ahne widmet sich in ihrem Projekt dem Mistkäfer als Leitfigur, um komplexe Zusammenhänge zwischen Weidehaltung, Bodengesundheit und Artenvielfalt verständlich zu machen. Im Fokus ihrer Recherche ist stets das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und Landwirtschaft.

Annabell Lutz beleuchtet in „Wildes Wasser - Wie wir unsere Flüsse retten" die negativen Auswirkungen von Flussbegradigungen und Dammbauten auf die Ökologie und zeigt, wie Renaturierungsmaßnahmen und Schutzkonzepte Flüsse widerstandsfähiger gegen Klimawandel machen können.

Von lebenswichtigen Sechsbeinern und dem Verlust von Tierstimmen

Andrew Müller beschäftigt sich mit Insekten, der größten Tiergruppe mit Millionen Arten und schätzungsweise zehn Trillionen Individuen. Er stellt in seinem Projekt „Geheimnisse auf sechs Beinen“ innovative Forschungsfelder wie DNA-Barcoding, Verhaltensforschung und Bionik vor und beleuchtet die dramatischen Folgen des Insektensterbens.

Was Öko- und Bioakustik zur Rettung der Artenvielfalt beitragen können, das erforschen Daniela Lipka und Hartmut Schnedl in ihrem redaktionellen Arbeitsvorhaben „Tierstimmen gegen den stummen Frühling". Durch das Aufzeichnen von Naturgeräuschen werden Daten zur Artenbestimmung und Tierkommunikation gesammelt. Dank digitaler Analyse und KI können Forscher:innen große Datenmengen auswerten.

 

AUF EINEN BLICK

Die aktuelle Ausschreibung für Journalist:innen, die zu Themen der Biodiversität recherchieren, läuft noch bis 15. September 2025. Die Höhe des Stipendiums beträgt 6.000 Euro für eine Dauer von 3 Monaten.

Alle Informationen zur Einreichung