

Es ist nahezu unmöglich Werner Welzigs Wirken für die Forschungslandschaft Österreichs und für die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), deren Präsident er von 1991 bis 2003 war, mehr als nur beispielhaft anzudeuten. Welzig leitete zahlreiche Reformen in der Akademie ein, brachte visionäre Projekte auf den Weg und beeinflusste die Wissenschaftspolitik des Landes nachhaltig. Dass er daneben wichtige Arbeiten in seinem Fach, der Literatur-und Sprachwissenschaft, leistete, zeugt von einer erstaunlichen Arbeitskraft und Leidenschaft für die Wissenschaft. Am 13. August ist Werner Welzig 80 Jahre alt geworden. Die ÖAW gratuliert ihrem langjährigen Präsidenten herzlich.
Welzig wurde 1935 in Wien geboren und wuchs in Bad Aussee und Gmunden auf. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Wien und Paris sowie einer Gastprofessur an der University of Southern California wurde er 1968 ordentlicher Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Wien.
Erneuerer
Die ÖAW wählte Welzig bereits 1971 zum korrespondierenden und zwei Jahre später zum wirklichen Mitglied. 1982 wurde er Sekretär der philosophisch-historischen Klasse, 1983 übernahm er die Funktion des Generalsekretärs. Während seiner achtjährigen Tätigkeit in diesem Amt wurde – nicht zuletzt in seinen Ansprachen zu den Feierlichen Sitzungen – ein Anspruch deutlich, der das Leben der Akademie in Zukunft bestimmen sollte: nicht nur die Leistungen der ÖAW zu steigern oder Neuerungen innerhalb von Österreichs größter Einrichtung für Grundlagenforschung zu fördern, sondern auch ihre Wirkungen in der österreichischen Gesellschaft aufzuzeigen und ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt zu stärken. Ein Anspruch, den Welzig während seiner Präsidentschaft konsequent umsetzte.
So wurden unter seiner Ägide große Forschungsunternehmungen der ÖAW von hoher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz aufgebaut, wie das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) oder das Zentrum für Molekulare Medizin (CeMM). Nicht weniger visionär, betrachtet man heutige geopolitische Entwicklungen, war die Einrichtung des Instituts für Iranistik. Auch die Gründung des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) wurde noch unter der Präsidentschaft Welzigs vorbereitet.
Internationale Anerkennung
Werner Welzig ist dabei stets seinen wissenschaftlichen Wurzeln treu geblieben. Als Hochschullehrer hat der Karl-Kraus-Spezialist Generationen von Germanist/inn/en ausgebildet und bereits in den 1960er-Jahren Werke von Thomas Bernhard und Peter Handke analysiert. Die neuere deutsche Literaturgeschichte verdankt ihm eine große Zahl umfangreicher Publikationen. So bietet das in beeindruckenden zehn Bänden herausgegebene „Tagebuch 1879–1931“ einen einmaligen Zugang zu Leben, Werk und Zeit Arthur Schnitzlers. Auch „Ausgewählte Schriften“ des Erasmus von Rotterdam, die Veröffentlichung einer Briefauswahl Adalbert Stifters oder die Forschungen zur bis dato vernachlässigten Textsorte der Predigtliteratur brachten Welzig internationale Anerkennung. Ein Höhepunkt von Welzigs Bemühungen um die Sprache ist auch das 1999 erschienene „Wörterbuch der Redensarten“ zu der von Karl Kraus herausgegebenen Zeitschrift „Die Fackel“, 2008 ergänzt um ein dreibändiges „Schimpfwörterbuch“ zur „Fackel“.
Für seine Tätigkeiten in der Wissenschaftspolitik und seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Werner Welzig mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. So ist Welzig Träger des Ehrenrings der Stadt Wien sowie des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Royal Danish Academy of Sciences and Letters.