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AltpräsidentVerstorben

Trauer um Peter Schuster

Der Altpräsident der ÖAW verstarb im Alter von 85 Jahren. Die akademische Welt verliert einen hoch angesehenen Forscher und Wissenschaftsmanager.

19.06.2026
© ÖAW/Sepp Dreissinger

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) betrauert einen schweren Verlust: Peter Schuster, von 2006 bis 2009 Präsident der Akademie, verstarb im Alter von 85 Jahren. Der Chemiker hatte sich zeit seines Lebens nicht nur in seinem wissenschaftlichen Fachbereich, sondern auch als Wissenschaftsmanager höchste Anerkennung erworben.  

ÖAW-Präsident Heinz Faßmann: „Die ÖAW verliert mit Peter Schuster ihren Altpräsidenten, der vieles in der Akademie neu auf den Weg brachte. In seine Zeit fiel etwa die Gründung der Jungen Kurie, heute Junge Akademie, die Nachwuchsforschenden stärkeres Gewicht in der Gelehrtengesellschaft verliehen hat. Als Forscher war Schuster schon früh ein Vertreter der Interdisziplinarität und hat stets über Fächergrenzen hinaus gedacht. Die Gedanken der Akademie sind in diesen Stunden bei seiner Familie.“ 

Der 1941 in Wien geborene Schuster absolvierte eine wissenschaftliche Karriere wie aus dem Bilderbuch. Er beendete das Studium der Chemie und Physik an der Universität Wien in Rekordzeit, um „sub auspiciis praesidentis“ zu promovieren.  

Bereits als Student begeisterte sich Schuster für Möglichkeiten zum Brückenschlag zwischen wissenschaftlichen Disziplinen. So befasste er sich in seiner Doktorarbeit mit einer Synthese von organischen Verbindungen und quantenmechanischen Modellen. Die Fähigkeit, über Grenzen hinweg zu denken, zeichnete Schuster auch bei seiner Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen aus, wo er Ende der 1960er-Jahre beim Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen forschte. Bereits im Jahr seiner Berufung als Professor am Institut für Theoretische Chemie der Universität Wien 1973 übernahm er dessen Leitung, die er zunächst bis 1992 innehatte. In diesem Jahr wurde er Gründungsdirektor des Instituts für Molekularbiologie in Jena, um 1996 wieder an die Universität Wien zurückzukehren. 

Meister der Multidisziplinarität  

Das unerschütterliche Bekenntnis zur Multidisziplinarität zeichnete Schuster auf allen seinen wissenschaftlichen Stationen aus. Neben quantenmechanischen Simulationen befasste er sich unter anderem mit Wasserstoffbrücken und zwischenmolekularen Kräften, der Modellierung der molekularen Evolution sowie mit RNA-Simulationen und -Modellen. Festgehalten hat er seine Forschungen in einem Dutzend Büchern und über 300 Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Zahlreiche nationale wie internationale Preise und Auszeichnungen zeugen von dem großen wissenschaftlichen Werk, das er hinterlässt.  

Der Akademie eng verbunden

An der ÖAW war Schuster, 1984 zum korrespondierenden und 1992 zum wirklichen Mitglied gewählt, in entscheidenden Funktionen aktiv. Nach seiner Vizepräsidentschaft, die er von 2000 bis 2003 innehatte, wurde Schuster 2006 zum Präsidenten der ÖAW gewählt, ein Amt, das er bis 2009 bekleidete. Später war Schuster als stellvertretender Vorsitzender im Akademierat der ÖAW tätig, zudem war er Mitglied des Universitätsrats der Technischen Universität Wien und Mitglied der renommierten European Molecular Biology Organization. Die Akademie trauert um den Verlust ihres Mitglieds und Altpräsidenten.