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"Möge ich nie wie ein Kriegsgefangener leben"

Hervé Huntzinger, Dozent für Römische Geschichte an der Université de Lorraine, Nancy, wirft in einem Vortrag an der ÖAW neues Licht auf die Aussagen des jüdisch-hellenistische Historikers Flavius Josephus im Krieg der Juden gegen die Römer.

 

Monday 07.04.2025 04:04 pm
© Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons

Flavius Josephus spielte in jungen Jahren eine aktive Rolle im Jüdischen Krieg gegen die Römer. Er geriet zunächst in römische Gefangenschaft und lebte später als römischer Bürger in Rom, wo er mehrer historische Werke in griechischer Sprache verfasste. Von Flavius Josephus ist folgendes Zitat überliefert »Denn solange ich lebe, werde ich niemals in einer solchen Gefangenschaft sein, dass ich meine eigene Verwandtschaft vernachlässige oder die Gesetze unserer Vorfahren vergesse!« Dies soll Flavius Josephus kurz vor der Zerstörung Jerusalems zu einem Rebellenführer namens Johannes gesprochen haben. Eine juristische Untersuchung der verschiedenen Etappen seiner Gefangenschaft, von der Gefangennahme während der Belagerung von Jotapata im Juli 67 n.Chr. bis zu seiner Freilassung im August 69 n.Chr., zeigt aber, dass der Inhalt dieses Zitats, wörtlich genommen, falsch ist. 

Hervé Huntzinger, Dozent für Römische Geschichte an der Université de Lorraine, Nancy,  berichtet bei einem Vortrag  am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW mit dem Titel "»Möge ich nie wie ein Kriegsgefangener leben, der seine Nation verleugnet und seine Väter vergisst«: Josephus in Gefangenschaft" über die Ergebnisse seiner Kontextanalysen: Flavius Josephus war, als er zu Johannes sprach (und erst recht, als er später diese Rede schrieb), kein Gefangener mehr, sondern ein Überläufer, ein freier römischer Bürger, der sich von seiner Zugehörigkeit zu Judäa als unabhängigem politischen Gemeinwesen losgesagt hatte. Dennoch zeigt sich gerade in der Diskrepanz zwischen seiner Aussage und der juristischen Interpretation der Tatsachen die eigentliche Botschaft des Flavius Josephus, denn er verteidigt die Einhaltung der Tora innerhalb des römischen politischen Rahmens als die beste Option.

Einladung

Information

 

Termin:
7. April 2025, 16:00 Uhr

Ort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Postsparkasse 3. Stock, Seminarraum 1-2
Georg-Coch-Platz 2
1010 Wien

Kontakt für Fragen, Anregungen, Feedback:
Mag. Anna Maria Borowska, M.Sc.
T: +43 1 51581-3483
Österreichisches Archäologisches Institut der ÖAW