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PodcastGeschichte

Kunstschätze, Klöster und ein Walfisch: Zeitreise nach Byzanz

Das Jahr 548, der südliche Sinai: In einer Zeitreise im ÖAW-Podcast "Hiccup. Per Schluckauf durch die Zeit" reisen wir mit Byzantinistin Claudia Rapp in das berühmte Katharinenkloster. Welche Schätze dieser Ort für die Forschung bereithält und was ein Wal mit all dem zu tun hat, erzählt die Historikerin im Podcast-Interview.

13.08.2026
Das Katharinenkloster im Sinai
© Wikicommons

Im ÖAW-Podcast "Hiccup. Per Schluckauf durch die Zeit" reisen wir mit Wissenschaftler:innen durch die Epochen – und klären, was man mit dem Gedankenexperiment Zeitreise für die Forschung lernen könnte. 

Frau Rapp, warum ist das Datum 548 für Sie so spannend?  

Claudia Rapp: Zwischen dem Tod der Kaiserin Theodora im Jahr 548 und dem Tod Kaiser Justinians im Jahr 575, wurde das Katharinenkloster, wie wir es heute noch sehen, gebaut. Es wurde eine große Festungsmauer und die Basilika im Zentrum des Quadrats errichtet. Ausgestattet wurde es mit grandiosen Mosaiken und ganz wunderbaren Ikonen, die wirklich ihresgleichen suchen. Es war auch einfach eine aufregende Zeit in der Geschichte des Mittelmeerraums. 

Welche historischen Ereignisse haben denn diese Zeit geprägt? 

Rapp: Wir befinden uns im letzten Drittel der Regierungszeit Justinians. Hagia Sophia wurde vor zehn Jahren erbaut, San Vitale in Ravenna ein Jahr zuvor. Die Kriege gegen die Goten in Italien laufen noch, die Kriege gegen die Perser im Osten ebenfalls. Sechs Jahre zuvor begann die große Pestepidemie, die Tausende von Menschenleben im ganzen Mittelmeerraum gekostet hat. Es war also auch eine Zeit von großer Unsicherheit. 

Ein Wal in Konstantinopel

Rapp: Es gab ein Kuriosum, das uns von Prokop berichtet wird: nämlich ein Wal namens Porphyrius, der bis nach Konstantinopel geschwommen ist und die Bevölkerung ungefähr zehn Jahre lang ziemlich beunruhigt hat.  Er brachte Bote zum Kentern und verfolgte die Menschen, die damals vom Fischfang lebten. Denen kamen natürlich Gedanken an die großen Seemonster der Bibel, z.B. an Leviathan oder an Jonas, der vom Walfisch verschluckt wird. Schlussendlich ist der Wal dann in einer Flussmündung gestrandet. Nachdem er kläglich verendete, haben sich die Anwohner über ihn hergemacht und sein Fleisch verzehrt. 

Theodora, die missverstandene Kaiserin

Welche Rätsel aus der Forschung könnten Sie mit einer Zeitreise nach Byzanz klären?

Rapp: Was ich wirklich gerne gewusst hätte, ist wie Theodora, die Gattin Justinians, über diese vielen Neubauten gedacht hat, in denen sie selbst verewigt wurde. Eine Inschrift im Dachbalken des Katharinenklosters weist auf ihren Tod hin. Sie wurde aber auch in einem berühmten Mosaik in San Vitale in Ravenna dargestellt, das sie nie selbst gesehen hat.

Was wissen wir sonst über Theodora?

Rapp: Sie war die Gattin Justinians und wir kennen sie hauptsächlich aus den Beschreibungen des Zeithistorikers Prokop, der selbst eine schillernde Figur war. Er sprach nämlich sozusagen aus zwei Ecken seines Mundes. Während der Lebenszeit Justinians beschrieb er dessen heroische Kriege und Bautätigkeit. Nach Justinians Tod wechselte er völlig den Tenor seiner Schriften und übte harsche Kritik an Justinian, die fast schon ans Satirische grenzt. Er behauptete, Justinian sei des Nachts wie ein Dämon mit seinem Kopf unterm Arm durch den Palast gelaufen. Im Rahmen dieser Schmähschrift kam auch Theodora sehr schlecht weg. Er beschrieb sie als eine Frau aus dem Zirkusmilieu, quasi Prostituierte, die sich in Justinians Gunst eingeschlichen und schlechten Einfluss auf ihn genommen hat. Wenn man zwischen den Zahlen liest und auch andere historische Quellen heranzieht, sieht man, dass sie eine sehr kluge, sehr starke Frau gewesen sein muss, die ungeheuren politischen Einfluss hatte.

 

 

Auf einen Blick

Das ganze Gespräch hört ihr bei „Hiccup. Per Schluckauf durch die Zeit“, überall wo es Podcasts gibt.

Claudia Rapp ist Direktorin des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW, sowie wirkliches ÖAW-Mitglied und Professorin für Byzantinistik und Neogräzistik an der Universität Wien.

Mit der Konferenz „Byzantium beyond Byzantium“ findet der weltweit größte Kongress für Byzantinistik mit etwa 1500 Teilnehmer:innen von 24.-29.8.2026 in Wien statt. Er bietet über das wissenschaftliche Forum auch kulturelle Möglichkeiten für die interessierte Öffentlichkeit.