Außergewöhnliche Musik an außergewöhnlichen Veranstaltungsorten: Der Leitgedanke der neuen Veranstaltungsserie „Architektur Hören“, organisiert vom Verein „die Grenzgängerin – Forum für grenzüberschreitende Kulturprojekte“, fand beim Auftaktkonzert im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eine erste eindrucksvolle Umsetzung. Neben den Musikern des Hugo Wolf Quartetts und Klängen von Bach und Hersant stand an dem Konzertabend besonders die spezielle Akustik des Festsaals, analysiert vom ÖAW- Schallforscher Piotr Majdak, im Zentrum des Interesses.
Als einer der ältesten Wiener Konzertsäle genießt der Festsaal der ÖAW seit dem 18. Jahrhundert einen besonderen Ruf. Denn neben seinem visuellen Eindruck durch Gemälde und Fresken vermochte dieser auch bereits frühzeitig als Schauplatz erlesener musikalischer Darbietungen zu überzeugen. Ein Umstand, dessen Hintergründen man sich bei der Veranstaltung „Architektur Hören“ sowohl aus wissenschaftlicher wie aus musikalischer Perspektive widmete.
Nachhall und Präzision
„Die klangliche Qualität von Musikdarbietungen ist ein Kompromiss zwischen Klarheit und Räumlichkeit“, stellt Piotr Majdak, Akustiker am ÖAW-Institut für Schallforschung, zunächst fest. Denn die von einer Schallquelle, also beispielsweise einem Musikinstrument, ausgesandten Schallwellen werden, je nach Beschaffenheit des Raums, stets von den darin befindlichen Objekten und Begrenzungen reflektiert. Das Hörerlebnis wird damit nicht nur vom direkten Klang, sondern auch von dessen Nachhall bestimmt. Das Problem dabei: Dauert dieser länger an, bietet der Raum zwar eine gute räumliche Einhüllung, diese allerdings geht zulasten der klanglichen Präzision.
„Man ist daher in der Raumakustik auch bestrebt, den direkten Schall und die frühen, noch klaren, Reflexionen möglichst gleichmäßig auf den Raum zu verteilen“, so Majdak weiter. Das gelingt vor allem mit der gezielten Platzierung baulicher Elemente. Empfehlenswert, um sowohl einen ausreichenden Nachhall als auch eine größtmögliche Klarheit zu gewährleisten, ist eine Nachhallzeit von 1,5 bis drei Sekunden, in der der Schallpegel um 60 dB zurück geht. Der entsprechende Wert des Festsaals der ÖAW beläuft sich auf 2,6 Sekunden. Eine als adäquat empfundene Nachhallzeit hängt allerdings maßgeblich auch von der tatsächlich dargebotenen Musikrichtung ab.
Klassisch Experimentieren
Den empirischen Nachweis dieses Wissens traten die Mitglieder des Hugo Wolf Quartetts auf künstlerische Weise an. Mit Stücken von Bach und Hersant ließen sie nicht nur alte Musikinstrumente kunstvoll erklingen – eines der bespielten Streichinstrumente stammt aus dem Jahr 1750 – sondern machten für die Zuhörer, auch mit regelmäßigen Standortwechseln, den einzigartigen Klang des Festsaals räumlich-dreidimensional erfahrbar.
Die Konzertserie selbst wird an weiteren außergewöhnlichen Veranstaltungsorten fortgesetzt.