Handelsverträge und Rechtssicherheit für Investoren; Währungspolitik und ein gemeinsamer Münzstandard; Geldentwertung und Geldkreisläufe; ausländische Facharbeiter und Fernhandelslogistik, gezielte konjunkturbelebende Maßnahmen. Was zeitgenössischen Ohren höchst vertraut klingt, das war bereits vor 2.000 Jahren Thema.
Dem überraschend komplexen Wirtschaftsleben der klassischen Antike widmete sich zwischen 28. und 31. Oktober der internationale Kongress „Infrastructure and Distribution in Ancient Economies. The Flow of Money, Goods and Services“ an der ÖAW. Organisiert von der Documenta Antiqua des Instituts für Kulturgeschichte der Antike fokussierten die Vortragenden auf die verschiedenen Aspekte antiker Ökonomie.
Globalisierte Antike
Globalisiert ist die Wirtschaft damals schon. Handelswege, Güterverkehr und Arbeitskräfte verbinden die damals bekannte Welt. Europa, zumal Griechenland, ist über Nordafrika und die Levante, mit den Reichen der Babylonier und Meder und Perser verbunden. Verbindungen, die sich nicht nur kulturell bemerkbar machen, sondern über die auch Wissen, Informationen und – Gelder transportiert werden. Immer wieder sind es Münzen, die Auskunft über die Netzwerke des Handels geben.
So globalisiert der Austausch an Waren und Menschen war, so sehr verlangte er nach Regeln. Aus Handelsverträgen griechischer Stadtstaaten lässt sich ersehen, wie wichtig damals schon die Frage des Investorenschutzes und der Rechtssicherheit genommen wurde. Ein Eckpfeiler im antiken Freihandel. Eine Streitfrage in heutigen transatlantischen Verhandlungen.
Währungen und Münzstandards
Die Frage einer gemeinsamen Währung und, wichtiger noch, die Fragen eines gemeinsamen, garantierten Münzstandards erwies sich für das Römische Reich als in jeder Hinsicht zentraler Faktor. Schritt für Schritt und parallel zum Übergang von der Republik ins Kaiserreich entwickelt sich Rom zum einzigen Zentrum der Münzprägung. Und nutzt diese Rolle um Vertrauen aufzubauen. Vertrauen in die gemeinsame Währung des Imperiums und Wirtschaftsraums.
Den Anfang aber machte Roger S. Bagnall von der New York University, der sich den Grundlagen widmete. Im konkreten Fall den Papyrus-Dokumenten einer antiken ägyptischen Oase, die er in seiner Abend-Lecture am 28. Oktober vorstellte. Und mit ihnen das Wirtschaftsleben einer kleinen, indes höchst vernetzten Einheit.