









Anton Zeilinger gilt mit seinen Erfolgen auf dem Gebiet der Quantenphysik als einer der bedeutendsten österreichischen Wissenschaftler der Gegenwart. Am 20. Mai 2015 feiert er seinen 70. Geburtstag. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gratuliert ihrem Präsidenten sehr herzlich.
Anton Zeilinger, 1998 zum wirklichen Mitglied der ÖAW gewählt und Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich sowie des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, ist zuallererst: ein leidenschaftlicher Wissenschaftler. Die internationale Fachwelt hat den gebürtigen Oberösterreicher mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen gekürt. Der Descartes-Preis der Europäischen Kommission, der Orden Pour le Mérite und der Wolf-Preis für Physik sind darunter. Die U.S. National Academy of Sciences hat ihn wie zahlreiche andere ausländische Akademien zum Mitglied gewählt. Was treibt einen solch umtriebigen und innovativen Geist an?
Ein großer Physiker hat einmal über sich gesagt: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Albert Einsteins Bekenntnis zur Neugierde trifft sich mit dem Weltbild Zeilingers: „Wir Menschen sind psychisch so gebaut, dass wir es nicht aushalten, wenn wir die Ursache für etwas, das geschieht, nicht kennen.“ Der Homo Sapiens, so Zeilinger, will schlicht wissen, was hinter dem nächsten Berg ist: „Diese Neugierde ist Teil unserer Identität.“
Ein tieferes Verständnis der Welt
Doch Neugierde ist für Anton Zeilinger mehr als eine menschliche Universalie. Sie ist das Prinzip, das seine wissenschaftliche Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten motiviert hat und den Wissenschaftler bis heute antreibt. So führte die Suche nach einem „tieferen Verständnis der Welt“ zum berühmt gewordenen GHZ-Experiment, das neue technologische Innovationen wie Quantenkryptografie und Quantencomputing ermöglichte. Daneben entwickelte Zeilinger Grundlagen der „Quantenteleportation“. Seine Forschungen dazu fanden weltweit Anerkennung und sorgten - für einen Grundlagenforscher nicht selbstverständlich - auch über die Fachcommunity hinaus in der breiten Öffentlichkeit und den Medien für Aufsehen.
Seine Forschungen und sein Engagement um die Vermittlung seiner Erkenntnisse führten Zeilinger um den halben Globus. Die Universitäten Wien und Innsbruck, die Technische Universität München, das Massachusetts Institute of Technology, die Universität Melbourne, das ÖAW-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Wien oder das Collège de France sind nur einige Stationen seiner Karriere. Stets setzte er sich für die Grundlagenforschung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein.
Kunstvolle Mysterien
Das Streben nach Neuem und Unbekanntem ließ Zeilinger immer wieder über die Grenzen seines Fachgebietes hinausgehen. So präsentierte er 2012 die Mysterien der Quantenphysik auf der bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, der Documenta in Kassel. In der Folge gewann das Wort des erklärten Kunstliebhabers großes Gewicht in philosophischen Debatten über die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Kunst.
Auch als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, zu dem er 2013 gewählt wurde, verfolgt er das Anliegen, die Wissenschaft in die Mitte unserer Gesellschaft zu tragen, konsequent weiter. Denn Wissenschaft geht alle an.
Anton Zeilinger hat sich bis heute Neugierde im besten Sinn des Wortes bewahrt. Dies zeigt sich auch zu seinem 70. Geburtstag am 20. Mai: Die ÖAW freut sich, an diesem Tag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „International Conference on Quantum Physics of Nature“, die vom 18. bis 22. Mai an der Universität Wien stattfindet, in der Akademie begrüßen zu dürfen.