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Ältestes Musikdokument Österreichs entdeckt

Im Rahmen des ÖAW-Digital-Humanities-Projekts „Cantus Network“ wurde ein Notenblatt aus einem Gregorianischen Gesangbuch aus dem 10. Jahrhundert gefunden.

12.05.2015

In einer Salzburger Bibliothek wurde bei Forschungsarbeiten des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen ein Notenfragment ermittelt, das 980-1000 n. Chr. entstanden sein dürfte. Dieser Zufallsfund ist deutlich älter als die bisher erschlossenen Musikquellen. Die ältesten bekannten österreichischen Musikschriftstücke stammen aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Das Fragment kam bei der Katalogisierung des Bibliotheksbestandes durch Gerold Hayer, der für die Zuordnung von Handschriften zuständig ist, zum Vorschein.   
 
Herausragend an dem Dokument ist die auf einem sehr hohen Niveau stehende Neumennotation. Das sind über dem Text stehende Symbole zur melodischen Interpretation des Gesangs. Man vermutet, dass die Neumennotation um das Jahr 800 erfunden wurde. Diese neu gefundene Quelle ist damit nicht nur das älteste Musikschriftstück Österreichs, sondern auch die mit der am weitest entwickelten linienlosen Neumennotation. Die linienlosen Neumen, die keine exakten Tonhöhen angeben können, beinhalten in diesem frühen Stadium viele Zusatzbedeutungen zur Interpretation der einstimmigen Musik (Ausdruck, rhythmische Differenzierung, ungefähre Tonhöhenangaben).
 
Die wissenschaftliche Zuordnung des Fragments findet im Rahmen des ÖAW-Digital-Humanities-Projekts “Cantus Network – a semantically enriched digital edition of libri ordinarii of the Salzburg metropolitan province” statt. „Cantus Network“ digitalisiert und erforscht die mittelalterlichen Libri ordinarii von Salzburg, Brixen, Passau, Freising und Regensburg. Libri ordinarii sind “Regiebücher” für die Liturgie- und Musikpraxis in den Kirchen. Als Sittengemälde der damaligen Zeit sind sie für die Forschung herausragende Quellen bei der Rekonstruktion mittelalterlicher Lebenswelten.   

Kontakt:
Doz.Mag.Dr. Robert Klugseder
Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen der ÖAW
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Telefon: +43 (1) 51581
[email protected]

 

Kontakt:
Doz.Mag.Dr. Robert Klugseder
Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen der ÖAW
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Telefon: +43 (1) 51581
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