Walther Hermann Nernst (1864–1941), Physiker


1920 Nobelpreis für Chemie „als Anerkennung für seine thermodynamischen Arbeiten“. Da im Jahr 1920 keine der eingelangten Nominierungen die im Testament von Alfred Nobel geforderten Kriterien erfüllten, konnte der Nobelpreis gemäß der Satzung der Nobelstiftung bis zum nächsten Jahr zurückgestellt werden. Nernst erhielt den Preis daher erst 1921.

1908 Korrespondierendes Mitglied im Ausland der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien

1923 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Walther Hermann Nernst, der seine Karriere an den Universitäten Leipzig, Göttingen (1891 Extraordinarius für physikalische Chemie) und Berlin bestritt, zählt zu den Mitbegründern der Physikalischen Chemie und lieferte bedeutende Beiträge zur Elektro- und Wärmechemie. 1894 erhielt er an der Universität Göttingen ein eigenes Institut für physikalische Chemie, 1905 eine Professur für dieses Fach und 1920 eine Professur für Physik an der Universität Berlin, wo er 1921/22 auch als Rektor fungierte. Schon früh befasste er sich mit dem Zusammenspiel zwischen elektrischer Spannung bzw. elektrischem Strom und Wärmestrom bzw. Temperaturdifferenz in einem äußeren Magnetfeld (Nernst-Effekt bzw. 1. Ettinghausen-Nernst-Effekt). Mit seiner Nernstschen Gleichung beschrieb er 1888/89 die Konzentrationsabhängigkeit der relativen Elektrodenspannung, mit seinem Nernstschen Verteilungsgesetz (1890/91) das Verteilungsverhältnis eines bestimmten Stoffes in einem mehrphasigen Gemisch. 1899 formulierte er einen Satz zur Stärke von elektrischen Reizen (Nernstsches Reizschwellengesetz). Bekanntheit erreichte er zudem mit der Erfindung seiner Nernstlampe 1897, einem elektrolytischen Glühlicht als Vorläufer der Glühlampe, sowie anderen Messapparaturen. Nernst formulierte den dritten Hauptsatz der Thermodynamik, der die Berechnung chemischer Gleichgewichte auf Grundlage des Wärmeaustauschs ermöglichte (Nernst-Theorem). In seinen späteren Jahren befasste er sich mit Kosmologie und Astrophysik.

Obwohl Nernst bereits 1885 als militärisch untauglich galt, wurde er 1914 von der allgemein verbreiteten Kriegsbegeisterung ergriffen und meldete sich zum Kaiserlichen Freiwilligen Automobil-Corps. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Kompetenzen wurde er jedoch bald zur Entwicklung von chemischen Kampfstoffen sowie von Geschossen und Geschützen, darunter solchen, die durch darin eingeschlossene feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, den Gegner kampfunfähig machen sollten, herangezogen. Weiters sollte er Fragen zur Ballistik klären. Als wissenschaftlicher Berater des Minenwerfer-Bataillons I nahm er in leitender Stellung an zahlreichen Giftgasangriffen teil. Daneben setzte er sich aber auch für den Frieden und die Vermeidung des unbeschränkten U-Boot-Kriegs ein. 1917 übernahm Nernst die Leitung des Fachausschusses „Physik, Ballistik, Telegraphen und Telephone“ der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für kriegstechnische Wissenschaft. Nach dem Krieg stand sein Name auf diversen Kriegsverbrecher-Listen, er wurde jedoch nicht angeklagt. Als bereits in der Zeit der Weimarer Republik antisemitische Tendenzen in Deutschland aufkamen, setzte sich Nernst für jüdische Kollegen und Freunde ein. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus hatte den Ausschluss aus dem Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Folge. 1933 ließ er sich pensionieren. Dennoch stellte er sich 1940 erneut der Kriegsforschung zur Verfügung, um den Pressluftantrieb von Torpedos zu verbessern.

Auszeichnungen und Benennungen

1894 Mitbegründer, 1905–1908 Vorsitzender sowie 1912 Ehrenmitglied der Deutschen Elektrochemischen Gesellschaft (seit 1902 Bunsengesellschaft)

1898 Ordentliches Mitglied, 1905 Auswärtiges Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

1905 Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften

1911 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale

1911 Mitbegründer der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und ihrer ersten Institute

1912 Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

1917 stimmberechtigter Ritter des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste

1922–1924 Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt

1923 Benennung der Pflanzengattung Nernstia Urb.

2. Nernst-Ettinghausen-Effekt: Ein thermoelektrisches (oder thermomagnetisches) Phänomen, das den elektrischen Strom in einem Leiter beeinflusst, sofern ein Magnetfeld vorhanden ist.

Nernst-Planck-Gleichung zur Beschreibung von Ionen unter Berücksichtigung des elektrischen Feldes

Nernst-Faktor oder Nernst-Steigung: theoretischer Wert der Elektrodensteilheit

Nernstsche Diffusionsschicht: Bereich zwischen Kathode und Elektrolyt, in dem der Stofftransport nur durch Diffusion möglich ist

1930 Bechstein-Siemens-Nernst-Flügel, ein Flügel mit elektromechanischer Tonerzeugung

Nernstweg in Hamburg

1970 Mondkrater Nernst

1983 Gedenktafel für Nernst und seinen Nachfolger Max Bodenstein am Gebäude Bunsenstraße 1 in Berlin, ehemals Chemisches Institut der Universität

1991 zweisprachige Gedenktafel am Geburtshaus in Wąbrzeźno

1992 zweisprachige Gedenktafel in Niwica, wo Nernst seinen Lebensabend verbrachte

1999 Gedenktafel für James Franck, Gustav Hertz, Walther Nernst und Wilhelm Wien am Gebäude des ARD-Hauptstadtstudios, Wilhelmstraße 67a in Berlin (bis 1945 der Ort des Physikalischen Instituts der Universität)

Gedenktafel an Nernsts Wohnhaus in Göttingen, Bürgerstraße 50

2001 Asteroid (24748) Nernst

Seit 1953 Nernst-Haber-Bodenstein-Preis der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie für herausragende junge Wissenschaftler:innen

Akademiemitgliedschaften

ÖAW

BBAW

BADW

Leopoldina

Literatur

Hans-Georg Bartel, Ein Geheimrat im Militärdienst. Walther Nernst im Spannungsfeld von Kriegsforschung und Friedensbemühungen – aus Anlass seines 150. Geburtstags am 25. Juni 2014, in: Physik Journal 13 (2014) Nr. 7, S. 49–53.

Autorin: Daniela Angetter-Pfeiffer, ÖAW ACDH