Adolf Friedrich Johann Butenandt (1903–1995), Chemiker


1939 Nobelpreis für Chemie für „seine Arbeiten über Sexualhormone“. Den Nobelpreis teilte er sich mit Leopold Ružička für „seine Arbeiten an Polymethylenen und höheren Terpenen“. Butenandt konnte den Nobelpreis aufgrund eines Erlasses der nationalsozialistischen Machthaber erst 1949 annehmen.

1961 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

1969 Ehrenmitglied der Gesamtakademie

1966–1976 Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Molekularbiologie           

 

1936 NSDAP-Mitgliedschaft 3.716.562

(Gaukartei, Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/5350155)

 

Mitglied im Deutschen Studentenbund

Mitglied im NS‐Dozentenbund

Mitglied der NS-Volkswohlfahrt

Mitglied im NS‐Bund Deutscher Technik

Mitglied im NS‐Altherrenbund

1936 Mitglied der Deutschen Arbeitsfront

1936 Mitglied im NS‐Lehrerbund

(Bundesarchiv Berlin, Berlin Document Center, Parteiakten Butenandt)


Butenandt zählte zu den führenden Biochemikern und Molekularbiologen Deutschlands. 1933 bis 1936 wirkte er als Ordinarius und Direktor des Instituts für Organische Chemie an der Technischen Hochschule Danzig. Anschließend übernahm er eine Professur an der Universität Berlin und leitete ab 1936 das Institut für Biochemie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin, nach 1945 bis 1956 das Max-Planck-Institut für Biochemie in Berlin. Ab 1953 war er Professor und Direktor des Instituts für Physiologische Chemie der Universität München. Zwischen 1960 und 1972 fungierte er als Präsident der Max-Plank-Gesellschaft.

1929 isolierte Butenandt Östron in reiner, kristalliner Form, 1931 Androsteron, aus dem er und Leopold Ružička 1939 unabhängig voneinander Testosteron gewannen. 1934 konnte Butenandt Progesteron aus dem Gelbkörper isolieren. All diese Forschungen ermöglichten die Synthese von Cortison und anderer Steroide und waren somit wichtige Beiträge zur Entwicklung von Verhütungsmitteln. Nicht weniger bedeutend waren Butenandts Analyse von Gen-Wirkketten sowie seine Untersuchungen zum Verpuppungshormon der Seidenraupe und zum Lockduftstoff der Raupenweibchen. Darüber hinaus konnte er wichtige Zusammenhänge zwischen der Entstehung von Krebs und Organspezifitäten der Zellen klären.

Butenandt war deutschnational eingestellt. Er war Mitglied der schlagenden studentischen Verbindung „Turnerschaft Philippina“ in Marburg und von 1925 bis 1933 des antisemitisch eingestellten Jungdeutschen Ordens. Dennoch soll er in den 1930er-Jahren vereinzelt Juden unterstützt haben. 1932 unterzeichnete Butenandt einen öffentlichen Aufruf zur Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten, 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. Seit 1944 gehörte Butenandt dem wissenschaftlichen Beirat des Generalkommissars für das Sanitäts‐ und Gesundheitswesen Karl Brandt an. Butenandt war in der NS-Zeit in zweifelhafte wissenschaftliche Versuche verwickelt, darunter in militärmedizinische Forschungsprojekte an der Luftwaffenversuchsstation in Rechling, wo es um blutbildungsfördernde Mittel ging. Diesbezügliche Unterlagen sollen auf Butenandts Veranlassung vernichtet worden sein. Darüber hinaus war Butenandt in das von dem Humangenetiker und Rassenforscher Otmar Freiherr von Verschuer (1959 korrespondierendes Mitglied der ÖAW im Ausland) betriebene Forschungsprojekt „spezifische Eiweißkörper“, wo vermutlich die Entwicklung von „serologischen Rassentests“ im Vordergrund stand, involviert, für das Josef Mengele etwa 200 Blutproben aus dem KZ Auschwitz lieferte. Nach dem Ende des Dritten Reichs trat Butenandt entschieden als Verteidiger von Verschuer und Mengele auf.

Auszeichnungen und Benennungen

1934 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale

1938 Korrespondierendes Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

1939 Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften

1957 Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

1957 philosophisches Ehrendoktorat der Universität Graz

1962 Ritter des Ordens Pour le Mérite Friedensklasse

1964 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

1965 medizinisches Ehrendoktorat der Universität Wien, 2022/23 als diskussionswürdig eingestuft

1969 auswärtiges Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR

1973 Ehrenpräsident der Max-Planck-Gesellschaft

1994 Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Adolf-Butenandt-Institut der medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

Adolf-Butenandt-Schule in Beverstedt, umbenannt in Oberschule Beverstedt

Adolf-Butenandt-Straße in Bremerhaven

Adolf-Butenandt-Straße in Beverstedt

Butenandtstraße in München

Adolf-Butenandt-Straße in Planegg (bei München)

Akademiemitgliedschaften

ÖAW: https://mine.acdh-ch-dev.oeaw.ac.at/person/1242

BBAW: www.bbaw.de/die-akademie/akademie-historische-aspekte/mitglieder-historisch/historisches-mitglied-adolf-friedrich-johann-butenandt-402

BADW:  https://badw.de/gelehrtengemeinschaft/verstorbene.html?tx_badwdb_badwperson%5Baction%5D=show&tx_badwdb_badwperson%5Bcontroller%5D=BADWPerson&tx_badwdb_badwperson%5BpartialType%5D=BADWPersonDetailsPartial&tx_badwdb_badwperson%5Bper_id%5D=434&cHash=6d84ce7d70f9ff1ed626800274b90557

Leopoldina:  https://www.leopoldina.org/mitgliederverzeichnis/mitglieder/member/Member/show/adolf-butenandt/

Literatur

Robert N. Proctor, Adolf Butenandt (1903–1995). Nobelpreisträger, Nationalsozialist und MPG-Präsident. Ein erster Blick in den Nachlass, in: Carola Sachse (Hg.), Ergebnisse. Vorabdrucke aus dem Forschungsprogramm „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“, Berlin: 2000, S. 1–41.

(https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/KWG/Ergebnisse/Ergebnisse2.pdf.)

Autorin: Daniela Angetter-Pfeiffer, ÖAW ACDH