Religiös motivierte Vorstellungen von Gemeinschaft seien prägend für die Politik im frühen Mittelalter, nicht nur im christlichen Europa, sondern ebenso im islamischen Südarabien wie auch im buddhistischen Tibet. Soweit die Ausgangshypothese eines großen Spezialforschungsbereichs „VISCOM - Visions of Community“. VISCOM ist an der ÖAW beheimatet und wird von Walter Pohl, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung gemeinsam mit Andre Gingrich, Direktor des Instituts für Sozialanthropologie geleitet. Mit dabei sind Forschergruppen des ÖAW-Instituts für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens und der Universität Wien.
„Wenn wir verstehen wollen, warum religiöse Ideen so machtvollen Einfluss auf die Politik haben können, müssen wir auf die Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen fokussieren“, erläutert Walter Pohl. „Wir müssen die religiösen Ideen und die politische Praxis zusammen analysieren. Dann können wir einen Vergleich wagen, der über einzelne Religionen und Kulturräume hinausgeht“.
Nach vier Jahren trägt VISCOM, ein vom FWF finanzierter Spezialforschungsbereich, erste Früchte. „Vieles an der Herrschafts- und Gemeinschaftsbildung ist in den drei Weltreligionen vergleichbar: zum Beispiel der Versuch, sie mit einem Imperium zur Deckung zu bringen, der aber letztlich zum Scheitern verurteilt ist; oder die Entstehung von Klöstern und ähnlichen spirituellen Gemeinschaften, die zu Knotenpunkte des Wissens werden“, stellt Pohl fest. Doch auch Unterschiede fallen auf: zum Beispiel die verschiedene Bedeutung von Verwandtschaft, Stämmen und Völkern. Christliche Herrscher regierten über ein bestimmtes Volk „von Gottes Gnaden“. Im Islam hingegen verlieh manchmal ein Verwandtschaftsverhältnis des Herrschers zu Mohammed Legitimation. Im tibetischen Hochland präsentiert sich im ausgehenden ersten Jahrtausend ein Kräftemessen zwischen der buddhistischen Elite und vorbuddhistischen Stämmen. Erst später formte die Religion die politischen Gemeinschaften Tibets in einem breiten Assimilationsprozess. „Eine wichtige Lehre haben wir aus dem vergleichenden Ansatz von VISCOM ganz bestimmt gezogen“, resümiert Walter Pohl schmunzelnd: „Je näher man hinschaut, desto komplizierter ist das Bild, das sich einem bietet.“
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Die Ordnung der Welt nach Völkern
VISCOM-Südarabien
VISCOM-Tibet
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