Die Langzeitfolgen von Arbeitsmigration aus Ländern wie Albanien wurden bislang wenig untersucht. Der Ethnologe Eckehard Pistrick und der Fotograf Florian Bachmeier erproben experimentelle Zugänge zu diesem noch unzureichend gewürdigten Forschungsfeld. Eckehard Pistrick ist vertretender Juniorprofessor am Institut für Europäische Musikethnologie der Universität zu Köln. Florian Bachmeier ist ein sozial engagierter Fotograf, der nach einem Studium u.a. an der Escuela de Artes y Oficios in Pamplona herausragende Reportagen über Krisen und Konflikte in diversen europäischen Regionen gestaltet hat.
Auf Einladung des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW nehmen die beiden im Rahmen der Reihe „Balkanforschung an der ÖAW“ das Phänomen der Migration in Albanien aus kulturwissenschaftlicher Perspektive in den Blick. In „Rituale der Abwesenheit – Visuelle Anthropologie im post-migrantischen Albanien“ fragen sie nach den Langzeitfolgen von sozialen Leerstellen und Abwesenheiten. Im Vortrag geht es um die Wirkung auf konkrete Rituale, kulturelle Praktiken und Sozialität im öffentlichen Raum. Dabei werden speziell Migrantenhäuser untersucht, und wie sich dort Orte des familiären Gedächtnisses entwickeln. In einem zweiten Schritt wird schließlich die Frage nach dem Potenzial einer kritischen „anthropology of absence“ aufgeworfen.