
Der Einsatz von KI in der Erforschung mittelalterlicher Handschriften und Texte hat die Mediävistik im letzten Jahrzehnt stark verändert. Die Vortragsreihe "KImafo Lectures" am Institut für Mittelalterforschung (IMAFO) der ÖAW trägt dieser Entwicklung Rechnung. Beim nächsten Termin werden Martin Roček von der Karls-Universität in Prag und Jan Odstrčilík vom IMAFO das Thema "From Codex to Digital" erörtern sowie das in Kürze erscheinende Buch "Automated Text Recognition: Theory, Platforms, Best Practices" von Michael Schonhardt, Tim Geelhaar, Tobias Hodel und Jan Odstrčilík vorstellen.
Der erste Teil des Vortrags konzentriert sich auf die handschriftliche/automatisierte Texterkennung historischer Dokumente. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit mehrsprachigen Handschriften. Der zweite Teil befasst sich mit maschinellem Lernen (ML) zur Erkennung von Textwiederverwendung und semantischer Ähnlichkeit in historischen Texten, wobei KI als Unterstützung und nicht als Ersatz für die traditionelle Philologie positioniert wird. Anhand einer Fallstudie zu mittelalterlichen lateinischen Traumdeutungstexten (Somniale Danielis) werden die methodischen Herausforderungen der Anwendung von ML auf historische Sprachen, einschließlich semantischer Verschiebungen und orthografischer Variationen, behandelt. Die Präsentation schließt mit einer praktischen Demonstration des maßgeschneiderten Sentence-BERT-Modells und seiner Anwendung auf historische Texte.
Informationen
Termin:
30. April 2025, 14:30 bis 16:00 Uhr
Ort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Postsparkasse, 5. Stock, Seminarraum 8
Georg-Coch-Platz 2
1010 Wien
Kontakt für Fragen, Anregungen, Feedback:
Dr. Jan Odstrčilík
Institut für Mittelalterforschung der ÖAW