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Technikfolgen diskutieren – erste globale TA-Konferenz in Wien ein großer Erfolg

Von 2. bis 4. Juni war die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien Brennpunkt der Technikfolgen-Welt – 170 Expert:innen nahmen an der ersten globalen TA-Konferenz teil, um wichtige Themen wie Künstliche Intelligenz, Klimawandel, Technikethik oder Quantentechnologie zu diskutieren, aber auch über die Zukunft der Technikfolgenabschätzung weltweit zu beraten.

18.06.2025
Das Publikum schaut nach oben, im Vordergrund zu sehen ITA-Direktor Michael Nentwich (links) und die stv. Direktorin Karen Kastenhofer (rechts) (Foto: Anja Bacovsky)

Starke und vor allem unabhängige Stimmen in der wissenschaftsbasierten Politikberatung sind entscheidend für die Stärkung der Demokratie – mit dieser Message eröffneten ÖAW-Präsident Heinz Faßmann und Mitorganisator Michael Nentwich, Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der ÖAW, am 2. Juni in Wien die erste globale Konferenz für Technikfolgenabschätzung (TA).

In seiner Keynote sprach der im chilenischen Parlament arbeitende TA-Experte Raimundo Roberts von den zahlreichen Herausforderungen für sein Land – vom Klimawandel über kulturelle Vielfalt bis hin zur Energieversorgung. Umso wichtiger sei es, Technik als eine weltweite Verantwortung zu verstehen, die richtig eingeschätzt werden müsse.

Expert:innen aus allen Kontinenten vertreten

Karen Howard, Leiterin der Abteilung für wissenschaftliche Analysen und Technikfolgenabschätzung des US-Rechnungshofs, die den US-Kongress berät, betonte in ihrer Eröffnungsrede ebenfalls die Wichtigkeit der Überparteilichkeit ihrer Aufgabe: „Überparteilichkeit ist Voraussetzung unserer Tätigkeit, wir beraten republikanische und demokratische Repräsentanten. Ich glaube, dass auch die Mehrheit der Menschen immer einen Mittelweg wählt und dass Forschung und Entwicklung notwendig sind, um sicher in die Zukunft schauen zu können.“ Die australische Expertin für Energiewende, Peta Ashworth, wies auf die prekäre Lage der Demokratie hin: „Ein aktueller Bericht versetzt uns zurück ins Jahr 1985, viele Demokratien sind in ihrer Existenz bedroht.“

Neben zahlreichen TA-Kolleg:innen aus dem europäischen Raum, wie z.B. Eefje Cuppen, Direktorin der niederländischen TA-Einrichtung, Julia Hahn, TA-Forscherin am KIT und Mitbegründerin des globalTA-Netzwerks, oder Wissenschaftsforscher Pierre Delvenne von der Universität Liège, folgten Expert:innen aus allen Kontinenten der Einladung des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der ÖAW nach Wien: „Um Technik gesellschaftlich einzuordnen und ihre Folgen auf unser Leben zu analysieren, braucht es Expertise aus allen Richtungen, und natürlich internationale Zusammenarbeit. Wir sind überwältigt, dass unser Angebot, sich in Wien zu treffen, auf eine so starke Resonanz gestoßen ist“, freut sich Michael Nentwich.

Die Bandbreite an Themen reichte von Vorträgen über technische Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels über die Potentiale, durch CRISPR seltene Krankheiten in der Türkei zu erforschen bis hin zu Künstlicher Intelligenz in der Quantentechnologie. „Dass wir heute hier über so viele verschiedene Themen diskutieren, zeigt, wie groß die Nachfrage nach Expertise zu Technikfolgen inzwischen geworden ist. Wir stehen als demokratische Gesellschaften vor der Herausforderung, Rechte von Individuen und gesellschaftliche Werte mit aktuellen technischen Entwicklungen in Einklang zu bringen. Technikfolgenabschätzung kann Politik, Verwaltung und Bürger:innen dabei beraten und unterstützen“, betont Karen Kastenhofer, stellvertretende Direktorin des ITA.

UNO, EU, OECD und Afrikanische Union am Podium

In einem abschließenden Panel ist es gelungen, Vertreter:innen von UNO, OECD, EU und Afrikanischer Union an einen Tisch zu bringen. Michael Lim (UNCTAD, Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) erinnerte daran, dass von der UNO immer rasche Lösungen gefordert würden. Die Erwartungen wären hoch, Technikfolgenabschätzung, könne aber auf vielen Ebenen helfen, etwa bei der Entwicklung von Energie- und Agrarpolitik in afrikanischen Ländern. Auf dem afrikanischen Kontinent sei TA aber noch relativ neu und erst in Entwicklung. „Wir wollen auch Afrika zu einem Vorreiter für Innovation machen“, betont Mahlet Teshome Kebede (Afrikanische Union). „Dazu braucht es die aktive Beteiligung aller lokalen Stakeholder und eine Orientierung and den Zielen Nachhaltiger Entwicklung, an Gerechtigkeit, demokratischen Grundwerten, aber auch dem gemeinsamen Kulturerbe.“

Nächste Konferenz in Planung

Zwischen den intensiven Diskussionen ging es hoch hinaus – Dienstagabend stand eine Fahrt mit dem Wiener Riesenrad und Netzwerken beim Abendessen unter freiem Himmel im Prater auf dem Programm.

Michael Nentwich fasst den Erfolg beim Abschluss der Konferenz zusammen: „Diese drei Tage waren ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir können aktuelle Entwicklungen nur gemeinsam bewältigen. Wir bedanken uns bei allen, die teilweise enorme Strecken auf sich genommen haben, um heute hier zu sein. Wie es weitergeht, und wo und wann eine zweite globale TA-Konferenz stattfinden wird, darüber wird bereits intensiv gesprochen.“

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ETAC Konferenzseite

ÖAW-Interview mit Karen Howard: „Wie neue Technologien in den USA bewertet werden“