Bruchstücke der Ewigkeit: Besondere Totenbuch-Fragmente aus dem Grab des Anch-Hor

Das Grab des Anch-Hor (TT 414) im thebanischen Asasif gehört zu den bedeutendsten funerären Anlagen der ägyptischen Spätzeit. Ursprünglich für den Oberhaushaltsvorsteher der Gottesgemahlin Nitokris errichtet, wurde es ab der 30. Dynastie von verschiedenen Priesterfamilien des Karnak-Tempels als Begräbnisstätte genutzt. Im Rahmen des LMU Anch-Hor Projekts werden die Ergebnisse der österreichischen Ausgrabungen systematisch neu ausgewertet und durch aktuelle Feldarbeit ergänzt. Der vorliegende Beitrag vereint zwei komplementäre Perspektiven auf diesen außergewöhnlichen Fundkomplex.
Nach einer einführenden Vorstellung der Grabanlage von TT 414, der laufenden Arbeiten sowie des archäologischen Kontexts der hier untersuchten Funde wird die philologische Analyse einer Gruppe von Totenbuch-Fragmenten präsentiert. Paläographische, ikonographische und textliche Kriterien erlauben eine Datierung in den Zeitraum des Übergangs von der 30. Dynastie bis in die frühe Ptolemäerzeit. Von besonderem Interesse ist dabei eine funeräre Praxis, die in diesem Zeitraum erstmals klar fassbar wird: die unmittelbare Deponierung des Papyrus auf den Mumienwicklungen, mitunter durch Harz mit diesen verbunden. Vergleichsmaterial aus Theben, Achmim und Memphis zeigt, dass es sich hierbei um ein überregionales Phänomen handelt.
Durch die Verbindung archäologischer und philologischer Forschung lässt sich die Funktion des Totenbuch-Papyrus besser erfassen, da dieser nicht allein als Textträger, sondern als ein materielles Objekt mit einer spezifischen Rolle im funerären Konzept der Spätzeit zu sehen ist.
Informationen
»Kulturen und Sprachen des Altertums«
Datum
20. Oktober 2026 | 18:00 MESZ
Ort
Otto Wagner Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien, Seminarraum 2-3, 3. Stock
Veranstalter
ÖAW-ÖAI
Kontakt
Roman Gundacker
